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Ziertheim

02.08.2019

Trimmen, stutzen, Leckerli - das erlebt man als Hundefrisör

Schnauzerdame Vaja muss regelmäßig zum Friseur. Inzwischen ist der Besuch im Hundesalon für sie längst zur Routine geworden. Auch Beagle Lucky steht gerne im Mittelpunkt und lässt sich von seiner Besitzerin Tina Horsinka bürsten und baden.
Bild: Tanja Ferrari

Tina Horsinka frisiert in einem Container in Ziertheim Hunde. Damit sie nicht gebissen wird, hat die 28-Jährige den ein oder anderen Trick.

Schnauzer Vaja muss stillhalten. Das gefällt der sonst so aufgeweckten Hundedame nicht besonders. Um sie herum gibt es vieles zu entdecken. Bei all den Gerüchen und Eindrücken kann sie einfach nicht länger als ein paar Minuten ruhig sitzen. Neugierig blickt sie auf den Tisch, auf dem sie steht, und schnüffelt interessiert an der gebogenen Schere vor ihren Pfoten. Heute hat die Hundedame einen Friseurtermin im kürzlich eröffneten Salon „Hundling“ in Ziertheim. Damit Vajas Aufmerksamkeit wieder auf die Hundefriseurin gerichtet ist, schnappt sich Tina Horsinka ein Leckerli, das sie vor die aufgeregt schnuppernde Nase hält.

Bürojob für die Tierliebe an den Nagel gehängt

Anschließend erzählt sie: „Über eine befreundete Nachbarin, die ebenfalls in Ziertheim einen Hundesalon führt, bin ich auf die Idee bekommen.“ Weil Kollegin Edith Hager nur noch maximal drei Jahre ihren Salon in Ziertheim betreiben könne, habe sie quasi nach einem Ersatz gesucht. „Gerade große Hunde übernimmt sie nicht mehr so gerne, weil es doch körperlich sehr anstrengend ist“, sagt die 28-Jährige. Einen Konkurrenzdruck würde es deshalb zwischen den beiden Nachbarinnen nicht geben. Ihren Bürojob in Burgau hängt Horsinka für ihre Tierliebe deshalb gerne an den Nagel. Sie sagt: „Da ich mich aktuell noch in Elternzeit befinde, wollte ich das jetzt einfach im Nebenerwerb ausprobieren.“

Einziges Manko: Den Beruf des Hundefriseurs gibt es in Deutschland eigentlich gar nicht. Staatlich anerkannt sei er nicht, und auch die Ausbildung müsse man komplett selbst finanzieren. Wer daran interessiert sei, müsse sich nach einem passenden Salon umschauen, wo man den Umgang mit den Tieren lernen könne. Horsinka besuchte deshalb einen mehrwöchigen Grundkurs und absolvierte anschließend ein viermonatiges Praktikum in einem Günzburger Salon. „Es war mir wichtig, das Frisieren richtig zu lernen und eine möglichst breite Ausbildung zu erhalten“, betont sie.

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Ein Container direkt vor dem Haus

Als sie ihr Praktikum beendet hatte, fehlte nur noch der richtige Raum für einen eigenen Salon. Kurzerhand entschloss sich die 28-Jährige, einen Container mit anschließendem Hundegarten direkt vor dem Haus zu platzieren. Sie sagt: „Der Bereich für die Hunde sollte lichtdurchflutet und freundlich sein.“ Um das zu erreichen, musste eine Fensterfront her. Von außen ziert den Salon eine Holzfassade. Auch beim Boden setzte Horsinka auf hochwertiges Material, das außerdem hundefreundlich ist. „Der Fußboden muss den ein oder anderen Wasserspritzer aushalten und darf für die Hunde nicht zu rutschig sein“, erklärt sie.

Aber welcher Hund muss denn überhaupt regelmäßig zum Friseur? Darauf hat Horsinka eine ganz klare Antwort: „Es sind prinzipiell die Hunde, die kein Fell, sondern Haare haben.“ Darunter fallen vor allem Schnauzer, Pudel oder Rauhaardackel. Doch auch für Hunde wie Beagle Lucky, mit traditionellem Fell, gibt es im Salon der 28-Jährigen ein Angebot. Bei der sogenannten „Talasso-Therapie“ sollen Bäder mit Meerschlamm den Haarverlust von Hunden eindämmen und gleichzeitig Allergien vorbeugen.

Für Hunde eine aufregende Sache

Ein Friseurbesuch kann für viele Hunde eine aufregende Sache werden. Damit die Vierbeiner nicht unnötig gestresst werden, hat Horsinka einen einfachen Tipp: „Ich versuche, so viel Ruhe wie möglich auszustrahlen.“ Gebissen hat sie noch keiner ihrer tierischen Kunden. Im Gegenteil. Die meisten Hunde sind relativ schüchtern, wenn sie einen Haarschnitt verpasst bekommen. In einer fremden Umgebung mit vielen unbekannten Gerüchen würde es deshalb helfen, eine gewisse Sicherheit zu vermitteln. „Das bedeutet beispielsweise, dass ich mich nie von vorne dem Hund nähere und mit ruhiger Stimme spreche“, erläutert sie. Wenn die Besitzer allerdings krampfhaft versuchen, ihren Liebling mit den Worten „Es passiert nichts“ zu beruhigen, habe das meist eher den gegenteiligen Effekt.

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Schnauzerdame Vaja hat sich inzwischen auf den Bauch gelegt und lässt sich geduldig ihre ergrauten Barthaare schneiden. „Es gibt Hunde, die das Frisieren und Bürsten sogar richtig genießen“, betont Horsinka. Gewöhne man die Tiere früh daran, sei das später überhaupt kein Problem. Den ersten Besuch im Hundesalon könnten die Welpen bereits mit zwölf Wochen absolvieren. Dass sie in ihrem Alltag häufig mit Klischees zu ihrem Beruf konfrontiert wird, stört die 28-Jährige nicht. Sie sagt: „Viele unterschätzen, was Hundefriseure tun.“ Der hochfrisierte Pudel habe nicht viel mit der Realität in einem Hundesalon zu tun. Gerade weil jeder Vierbeiner unterschiedlich und anders zu frisieren ist, hat Horsinka so viel Spaß an ihrer Arbeit.

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Noch ein letztes Mal kämmt sie über Vajas Schnauze und überprüft, ob alle Haare gleich lang sind. Sie geht noch einmal ein paar Schritte zurück und mustert die Hundedame kritisch. „Wenn ich allerdings das Endprodukt vor mir sehe, bin ich immer stolz auf meine Arbeit“, sagt die Ziertheimerin zufrieden.

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