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Großübung

12.11.2018

Wenn das Krankenhaus brennt

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Auch Oberbürgermeister Frank Kunz (rechts auf dem linken Foto) war als Feuerwehrmann bei der Übung im Einsatz und rettete einen schwer verletzten Arbeiter. Im verrauchten Keller, so die Annahme, war auch Chlor ausgelaufen.

Etwa 250 Einsatzkräfte mehrerer Hilfsorganisationen proben an der Dillinger Kreisklinik den Ernstfall. Das Szenario mit vielen Schwerverletzten wirkt bedrückend. Vor wenigen Jahren brannte es dort wirklich.

Es ist ein Szenario, das schockierend echt wirkt. Mehrere Schwerverletzte liegen auf Decken vor der Dillinger Kreisklinik. Und die Einsatzkräfte tragen weiter Patienten aus dem verrauchten Krankenhaus. Zum Glück ist das am Samstag nur eine Großübung. Etwa 250 Einsatzkräfte verschiedener Hilfsorganisationen proben unter der Federführung des Landratsamts am Krankenhaus St. Elisabeth den Ernstfall. Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Geisser erklärt, was angeblich passiert ist: Im Keller der Klinik haben Arbeiter Schweißarbeiten verrichtet, durch Verpuffung kommt es zu einer Explosion, der Brand löst eine starke Rauchentwicklung aus. Und im Keller läuft auch noch ein Chlorkanister aus. Der Rauch dringt nach oben in die Station 2. Neben den fünf schwer verletzten Arbeitern im Keller müssen dort etwa 30 Patienten gerettet werden. Chefarzt Geisser sagt: „Solch eine Übung ist absolut notwendig.“ 2009 hat es schon einmal in der Dillinger Kreisklinik gebrannt. Damals, so erinnert Geisser, hatte ein Brandstifter, der im Krankenhaus Sozialstunden ableisten musste, das Feuer gelegt. Akten brannten, auf den Betrieb der Klinik habe das glücklicherweise keine Auswirkungen gehabt.

Auf den Stationen warten geschminkte Darsteller

An diesem Samstag erreicht gegen 9 Uhr ein Notruf die Integrierte Leitstelle in Augsburg. Ein Heer von Helfern rückt ab 9.15 Uhr an: die Feuerwehren Dillingen, Hausen, Schretzheim und Fristingen, das Bayerische Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Bundeswehr-Soldaten und die Polizei treffen ein. Im Notfall liegt in einem Kästchen ein Universalschlüssel für die Feuerwehren bereit, informiert der technische Leiter Stephan Fischer. Auf der Station warten natürlich keine echten Patienten auf die Retter, sondern geschminkte Darsteller von Feuerwehren, BRK und DLRG. „Wir machen da gerne mit“, sagt die Syrgensteinerin Sandra Weiß, denn ohne Üben gebe es im Ernstfall Probleme.

Einsatzleiter sind zunächst der Dillinger Stadtbrandinspektor Markus Pfeifer und Michael Schmidt für den Rettungsdienst. Später wird auf dem Parkplatz beim Roten Kreuz eine örtliche Einsatzleitung aufgebaut, für die Kreisbrandinspektor Markus Tratzmiller verantwortlich ist. Koordiniert wird die Übung von der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt, der Krankenhaus- und der Sanitätseinsatzleitung sowie der örtlichen Einsatzleitung. Den Einsatz verfolgen neben Landrat Leo Schrell zahlreiche Experten, unter anderem Kreisbrandrat Frank Schmidt, Wolfgang Piontek (BRK), Rotkreuz-Kreisvorsitzender Stephan Härpfer, Hubert Preiß (THW), der Katastrophenschutz-Beauftragte für den Landkreis, Wilhelm Nitbaur, und die Fachberaterin für Brand- und Katastrophenschutz bei der Regierung von Schwaben, Sylvia Wallasch. „Man muss diese Abläufe und das Zusammenspiel der Hilfsorganisationen für den Katastrophenfall vorher üben“, sagt Wallasch. Bei einem Ernstfall würde es schneller gehen, ist die Regierungsmitarbeiterin überzeugt. Klinikdirektor Geisser stellt fest, dass die Patienten bei der Übung etwas lange im Freien liegen. Dies sei keine Kritik. Im Ernstfall wäre wohl längst ein Zelt aufgebaut oder die Patienten in andere Klinikräume gebracht worden.

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So ein Ablauf eines Großeinsatzes muss geregelt sein

Zu den Rettern zählt am Samstag auch Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz. Der Feuerwehrmann trägt eine Atemschutzmaske und bringt einen schwerverletzten Arbeiter – täuschend echt geschminkt – aus dem Gebäude. Der Rathauschef atmet angesichts der Anstrengung deutlich schneller. „Für das Tragen des Atemschutzgeräts braucht es Kondition“, sagt Kunz.

Beobachter gewinnen den Eindruck, dass der Einsatz nach und nach immer routinierter abläuft. Das sei immer so, erläutert Tratzmiller. „Bei jedem Großeinsatz gibt es anfangs eine Chaosphase.“ Das liege daran, dass viele Helfer verschiedener Rettungsorganisationen nahezu gleichzeitig eintreffen. Und da müsse erst einmal der Ablauf geregelt werden.

Nach der mehrstündigen Übung zieht Landrat Leo Schrell ein positives Fazit. „Die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen im Landkreis Dillingen funktioniert“, sagt der Landrat. Ziel der Übung sei es gewesen, die vorhandenen Notfallplanungen und Verfahrensabläufe, die Führungsorganisation sowie das Zusammenwirken aller im Katastrophenschutz bei derartigen Schadensszenarien mitwirkenden Organisationen und Stellen zu erproben und zu optimieren.

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