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Landwirtschaft

18.05.2016

Wenn der Milchpreis in den Ruin führt

Die Milcherzeuger fordern neue gesetzliche Rahmenbedingungen, um dem Milchpreisverfall wirtschaftlich entgegenwirken zu können

„In Panik geraten und Schuldzuweisungen verteilen hat jetzt keinen Sinn“, sagt Dillingens BBV-Kreisobmann Albert Sporer zum erneuten Preissturz der Milchpreise. Zwar sei auch er als Erzeuger mit rund 100 Stück Milchvieh mehr als sauer, doch müssten erst einmal die Gründe für den Preisverfall eruiert werden, um dann die erforderlichen Schritte dagegen einzuleiten.

Zwar habe der BBV-Kreisverband Dillingen schon vor einigen Wochen in dieser Sache einen Brandbrief an Kanzlerin Merkel mit Vorschlägen zur Entlastung der Milcherzeuger geschickt. Doch zurück sei nur eine nichtssagende Antwort gekommen. Mittlerweile habe die Bundeskanzlerin jedoch den Ernst der Lage erkannt und für den 30. Mai einen Milchgipfel in Berlin einberufen. Milchbauern und Verbände fordern neue gesetzliche Rahmenbedingungen für die Erzeuger, denn durch die von der Bundesregierung geförderte Marktmacht der Handelsverbände, etwa Edeka schlucke Tengelmann gegen das Verbot des Bundeskartellamts, werde es sicher nicht besser. „Bei der landwirtschaftlichen Produktion wird immer Nachhaltigkeit verlangt, doch beim Handel darf die Nachhaltigkeit auf der Strecke bleiben“, sagt Sporer. Darüber hinaus spiele natürlich auch das politisch veranlasste Russland-Embargo sowie der Rückgang des Exports durch den Kaufkraftverlust der Importländer bei gleichzeitiger Steigerung der Milchproduktion in Europa eine große Rolle.

BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer fügt den Ausführungen seines Kreisobmanns Sporer noch hinzu, dass im Zusammenspiel von Molkereien und Milcherzeugern die Milchmenge mehr den Bedürfnissen des Marktes angepasst werden sollte. Hierbei spielten auch die Exportvolumina eine große Rolle. Bayer erinnert aber auch daran, dass von der erzeugten Gesamtmenge Milch in der Europäischen Union rund 40 Prozent vom Handel und 20 Prozent von der Industrie benötigt werden. „Die restliche Menge ging früher in den Export“, sagt Eugen Bayer. Dieser sei jedoch durch das Konjunkturtief in den asiatischen Ländern sowie bedingt durch den niedrigen Ölpreis in den OECD-Ländern mangels Kaufpreiskraft dramatisch eingebrochen. Dem gegenüber hätten die Erzeuger in Irland, Polen und den Niederlanden ihre Milchproduktion kontraproduktiv für den Milchpreis drastisch erhöht.

Dieses Problem sieht auch Martin Wiesner vom Bereich Milcheinkauf bei der Molkerei Gropper in Bissingen. „Auch wir als Molkerei können uns dem Markt nicht entziehen“, sagt Wiesner und vertritt dabei die Auffassung, dass nationale politisch motivierte Eingriffe nur bedingt oder gar nicht greifen werden. Von der EU erwarte er jedoch keine Aktionen zur Stabilisierung oder gar Erhöhung des Milcherzeugerpreises. Des Weiteren sei es mittelfristig auch den Molkereien nicht möglich dem Preisverfall entgegenzusteuern, wenn die Marktmechanismen dies nicht erlauben. Eine Prognose zur Entwicklung des Milcherzeugerpreises könne und wolle die Firma Gropper nicht abgeben. Bereits im März dieses Jahres forderte BDM-Kreisvorsitzender für die Landkreise Donau-Ries und Dillingen, Josef Bissinger: „Jeder Tag, den es so weitergeht, ist zu viel.“ Um nachhaltig wirtschaften zu können, brauchten die Milcherzeuger wenigstens 50 Cent pro Liter. Damit Milchbauern bei dem zur Zeit stattfindenden drastischen Preisverfall nicht ruiniert werden, habe der BDM eine allgemein verbindliche Regelung vorgeschlagen, aufgrund derer die Landwirte auf bestimmte Zeit weniger Milch produzieren und dafür einen finanziellen Ausgleich bekommen. Dadurch solle das Marktgleichgewicht wiederhergestellt werden. „Die Gelder sind da“, is Bissinger überzeugt.

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