1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. „Wer kann das verantworten?“

Interview

11.05.2018

„Wer kann das verantworten?“

Wilhelm Rochau ist mit Herzblut Vorsitzender des Mooseums.
Bild: Schopf

Das Mooseum in Bächingen feiert sein zehnjähriges Bestehen. Vorsitzender Wilhelm Rochau über menschgemachte Schäden in der Natur und wie jeder seinen Beitrag leisten kann

Herr Rochau, die Umweltstation Mooseum in Bächingen feiert am Wochenende zehnjähriges Bestehen.

Wilhelm Rochau: Für mich bedeutet das zehn Jahre Aufbau, viel Arbeit und viel Organisation – Gott sei Dank zusammen mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern und unserem Team.

Wie viele Menschen hat die Umweltstation seit ihrem Bestehen erreicht?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Rochau: Seit 2008 kamen zu uns mehr als 2000 Gruppen und insgesamt rund 185 000 Besucher. 42 000 Menschen haben direkt an unseren Veranstaltungen und Projekttagen zur Umweltbildung teilgenommen.

Warum ist diese Aufklärungsarbeit wichtig?

Rochau: In der Natur ist in den letzten 40, 50 Jahren vieles kaputt gemacht worden – teilweise aus Unkenntnis, teilweise, weil man sich nichts dabei gedacht hat. Die Artenvielfalt in unserem Wirkungsbereich, im Donautal zwischen Neu-Ulm und Donauwörth, ist sehr stark zurückgegangen. Ich habe meine Zweifel daran, ob man das jemals wieder rückgängig machen kann.

Sie versuchen dies über den Weg der Umweltbildung.

Rochau: Wir fangen bei den Kindern an. Die meisten haben heutzutage keinen Kontakt mehr mit der Natur, und auch kein Verständnis dafür. Das fängt zum Teil schon bei den Eltern an. Wir wollen, dass die Kinder wieder begreifen, wie schön die Natur ist – aber auch, wie wichtig und notwendig ein Umdenken ist. Und auch für Senioren bieten wir Führungen und Exkursionen in den Naturraum an.

Glauben Sie, dass sich durch Umweltbildung konkret etwas bewirken lässt?

Rochau: Ob es wirklich die positiven Effekte bringt, lässt sich nur schwer messen. Wir zeigen Probleme auf und werben für Verständnis. Angesichts unserer Besucherzahlen erhofft man sich schon, dass das eine Breitenwirkung hat. Jeder kann etwas dazu beitragen, auch in seinem privaten Garten.

Wie denn?

Rochau: Immer mehr Menschen setzten einen Roboter zum Rasenmähen ein. Das ist Gift für die Natur. Der Roboter lässt das Mähgut zurück auf dem Boden, dort düngt es und vernichtet die Lebewesen im Boden und die blühenden Arten. Im privaten Bereich braucht es keinen Dünger. Höchstens zweimal im Jahr mähen reicht – etwa Mitte Juni und im September. In Randbereichen sollte man ein bisschen Wildnis stehen lassen, also Sträucher, Stauden oder Brennnessel.

Arbeiten Sie mit Landwirten zusammen?

Rochau: Im Januar haben wir Landwirte eingeladen, die in Bächingen bewirtschaften, und über die Probleme diskutiert. Nicht jeder hat gleich eingesehen, dass ihn das etwas angeht. Aber wir konnten 20 Landwirte überzeugen, einen Blühstreifen anzulegen. Vergangene Woche haben wir eineinhalb Hektar rund um Bächingen ausgesät.

Sollte auch die Politik die Natur stärker in den Fokus rücken?

Rochau: Auf jeden Fall. Ich erwarte von den Kommunen, vom Landkreis und den Staatlichen Straßenbauverwaltungen, dass sie sensibler agieren. Etwa, dass man an Randstreifen neben Straßen keine Mulchgeräte einsetzt. Gerade diese Randstreifen sind wichtige Biotope, die man schützen muss.

Die bayerischen Umweltstationen haben die schwierigen Arbeitsbedingungen beklagt. Wie ist es in Bächingen so?

Rochau: Die Bürokratie ist zu umfangreich, das nimmt immer weiter zu. In der Zeit, in der wir Formulare ausfüllen, würden wir lieber Projekte voranbringen. Außerdem gibt es in Bayern immer mehr Umweltstationen, der Geldtopf des Umweltministeriums bleibt aber der gleiche. Das Geld reicht zwar, aber auch nur, weil viele ehrenamtlich arbeiten. Das Problem: Dieses Engagement nimmt ab.

Denken Sie selbst irgendwann ans Aufhören?

Rochau: Ich werde bald 80, da muss man vernünftig werden. Nächstes Jahr wird Reinhold Wilhelm mein Amt des Vorsitzenden übernehmen. Ich werde mich dann langsam zurückziehen.

Zurück zur Natur: Was befürchten Sie beim Blick in die Zukunft?

Rochau: Das Bienen- und Insektensterben macht mir Sorgen. Und wenn es so weiter geht, gibt es im Garten bald auch keine Schmetterlinge und Singvögel mehr. Das ist Leben, das verloren geht. Wer kann das vor unseren Enkeln und Urenkeln verantworten? (ands)

Jubiläum am Sonntag, 13. Mai: Eröffnungsgottesdienst um 9.30 Uhr, danach Markt, Vorträge, Workshops und Vorführungen. Auch für Kinder gibt es Attraktionen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Molkerei_Gropper_heute.jpg
Bissingen

Molkerei Gropper: Neue Runde im Streit um Tarifverträge

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden