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Protest

02.05.2017

Widerstand gegen Wohnbauprojekt

Rainer Horsch (links) und Hans-Jürgen Wickmair haben Unterschriften gegen das Wohnbauprojekt in Landshausen gesammelt.
Bild: Katharina Indrich

Landshausener sammeln 290 Unterschriften gegen Komplex für anerkannte Flüchtlinge und sozial Schwache.

Immer noch strömen Menschen in den Bürgersaal in Landshausen. Zusätzliche Stühle werden aufgestellt. Als auch das nicht mehr reicht, wird die Galerie geöffnet. Es ist klar: Hier geht es heute um etwas, was den Menschen auf den Nägeln brennt. Genauer: Um das Projekt, das der Freistaat Bayern in der Ringstraße realisieren will. Eine Wohnanlage in der anerkannte Asylbewerber und sozial Schwache wohnen können. 15 Wohnungen mit Platz für maximal 84 Menschen. Vor sechs Wochen hat der Gemeinderat das Projekt auf den Weg gebracht, das komplett vom Freistaat finanziert und auf einem Grundstück der Gemeinde gebaut wird.

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Ursprünglich, sagt Bürgermeister Bernd Steiner bei der Informationsveranstaltung des Staatlichen Bauamts im Bürgersaal, wollte die Gemeinde selbst bauen. Ein dreistöckiges Gebäude mit 14 Wohneinheiten sei in der Diskussion gewesen. Doch bei der Ausschreibung für den Jugendtreff habe sich gezeigt, dass die Baupreise stark angezogen haben. Außerdem kann die Gemeinde nicht als Generalunternehmer ein gesamtes Gebäude ausschreiben. Klar sei aber: Wohnraum ist in Deutschland, in Bayern und auch in Syrgenstein knapp. „Er fehlt zur Unterbringung anerkannter Flüchtlinge, zur Vermeidung von Obdachlosigkeit und es fehlen Notunterkünfte“, sagt Steiner. Und so habe die Gemeinde ihr Interesse bekundet, als der Freistaat auf der Suche nach Grundstücken, auf denen er selbst bauen kann, angeklopft hat.

Einige Wochen sind seit der Gemeinderatssitzung, in der man sich auf eine Bauvariante einigte, ins Land gegangen. Es waren Wochen, in denen in Landshausen viel diskutiert wurde. Und so übergibt Hans-Jürgen Wickmair gleich zu Beginn der Veranstaltung eine Unterschriftenliste gegen das Projekt. „Das Ganze macht uns Sorgen und bedrückt uns“, sagt er. Dass das keine Einzelmeinung sei, zeigten die 270 Unterschriften. „90 Prozent derer, die wir angetroffen haben, sprechen sich gegen dieses Projekt aus.“ Sie befürchten, dass die Integration durch die hohe Verdichtung in der Ortsmitte nicht gelingen kann. Dass eine derartige Dimension in einem gewachsenen Wohngebiet eine Nummer zu groß ist. Und sie kritisieren, dass sie von dem Projekt erst aus der Zeitung erfahren haben. Nun, wo es bereits beschlossene Sache sei. „Überrumpelungstaktik“ nennt das Rainer Horsch, der ebenfalls Unterschriften gesammelt hat.

Widerstand gegen Wohnbauprojekt

Auch der ehemalige Zweite Bürgermeister, Robert Lang, stellt kritische Fragen. Er will wissen, wie man überhaupt auf das Grundstück gekommen ist. Ob man da gewürfelt habe oder es einfach auswählte, weil es eben der Gemeinde gehört. Er kritisiert unter viel Applaus, dass man den eigenen Nachwuchs dazu zwinge, sich anderswo Bauplätze zu suchen und nun auf einem gemeindlichen Grundstück ein derartiges Projekt verwirklicht. Und er will wissen, wie man auf die Zahl von 84 gekommen ist. Ob das ein tatsächlich festgestellter Bedarf ist. Schließlich stellt er die Frage in den Raum, ob man vielleicht einfach da hingegangen sei, wo wenig Widerstand zu erwarten war. „Man bekommt heute von den Behörden viel übergestülpt und wenn die Gemeinde sich dann auch noch dafür bewirbt sage ich: Arme Bürger.“

Bürgermeister Bernd Steiner will das nicht so stehen lassen. Er weist mit Blick auf die mehr als 160 Asylbewerber, die derzeit in Syrgenstein leben, darauf hin, dass die Gemeinde die Pflicht habe, sie unterzubringen, wenn sie anerkannt sind. „Die suchen dann auf dem freien Markt nach einer Wohnung und wenn sie keine finden, dann kommen sie zur Gemeinde und sagen: Jetzt bin ich obdachlos.“ Und er spricht auch die Bedenken der Nachbarn dieser Unterkünfte an, die mittlerweile verpufft seien, weil es einfach laufe. „Das ist machbar, das ist bewältigbar und das ist auch zumutbar“, sagt Steiner klar. „Das sind keine Ghettos, es gibt einen Hausmeister, das wird kein rechtsfreier Raum.“

Auch Frieder Vogelsgesang vom Staatlichen Bauamt sagt, er könne die Befürchtungen der Anwohner verstehen. Doch er weist darauf hin, dass bei einem Drittel der Wohnungen die Gemeinde bestimmt, wer einzieht. Und auch bei den anderen Wohnungen sei es nicht so, dass hier anerkannte Asylbewerber mit Bussen hergefahren und eingewiesen werden. Wie auf dem freien Markt üblich müsse man sich für eine solche Wohnung bewerben. Wer einzieht, bestimmen die Regierung von Schwaben und die Gemeinde. Und die Maximalbelegung von 84 erreiche man in der Regel nicht. „Ein Paar mit Kind bekommt da natürlich auch eine Wohnung, die eigentlich für vier Bewohner ausgelegt ist.“ Vogelsgesang zeigt auch Bilder von einer Unterkunft, die in Pfaffenhofen an der Roth gebaut wurde. Auch hier habe es zunächst Befürchtungen gegeben, die sich mittlerweile gelegt hätten. Und auch wenn das Projekt auf zunächst zehn Jahre angelegt sei, baue der Freistaat sicherlich nicht nur für zehn Jahre. „Wir bauen in Systembauweise mit Fertighausqualität“, sagt Vogelsgesang und bemerkt, dass seine Zweitwohnung in Krumbach nicht besser sei als das, was dort entstehe.

Doch Hans-Jürgen Wickmair bleibt dabei: Man dürfe jetzt nichts überstürzen. Er schlägt vor, ein Jahr abzuwarten und dann mit Be- und Anwohnern der Anlage in Pfaffenhofen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Klar distanziert er sich vom Floriansprinzip: „Aber es ist viel zu groß und stark verdichtet, um sich aus dem Weg zu gehen.“

Die Größe des Projekts, sagt Zweiter Bürgermeister Norbert Bach, müsse man tatsächlich noch einmal im Gemeinderat diskutieren. Und er gesteht: Die Kommunikation hätte besser sein können. Trotzdem will er an dem Projekt festhalten. Denn er hat erlebt, wie schwer es ist, für eine anerkannte Familie eine Wohnung zu finden. „Ich habe mir die Finger wund telefoniert und die Antwort war immer: Ich lasse das Haus lieber leer stehen, bevor ich Flüchtlinge reinlasse.“ Wenn der Bauantrag dem Gemeinderat vorgelegt wird, sagt Bürgermeister Steiner, werde es noch einmal Gelegenheit gebe, die Diskussion aufzuarbeiten. Doch er ist sich sicher. Die Befürchtungen, die er heute gehört hat, sind nicht die der Mehrheit.

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