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Dialekt

23.11.2016

Wie wird in d’r Schual gschwätzt?

Grundschulrektorin Christiane Grandé unterrichtet Mundart.
Bild: Günter Stauch

Schwäbisch steht an den Schulen im Landkreis hoch im Kurs. Auch der Lehrplan sieht Mundartpflege vor

Diesem Thema kann man sich in Form eines originellen Gedichts annähern. Oder einfach nur mit dem sprachlich eher nüchternen Stil einer Bayerischen Verfassung. Dort wird unter anderem verlangt, dass die „Schüler in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen“ sind. Punkt, aus. Für Wilhelm Martin lässt sich daraus mühelos der Schutz und die Pflege des heimatlichen Dialekts ableiten. Der Schulamtsdirektor in Dillingen weiß, dass seine Grund- und Mittelschulen im Landkreis dies durchaus wörtlich nehmen und ihre Kinder auch mal frei heraus„schwätzen“ lassen.

Mehr noch: Im Gegensatz zu manchen Bildungseinrichtungen in Bayern, von denen es heißt, sie würden das Thema eher unter dem Tisch halten wollen, steht Mundart im Landkreis hoch im Kurs. Der Augsburger Germanistik-Professor Péter Maitz hatte den Inhalt vieler Lehrbücher im Freistaat moniert und die Darstellung von Mundart als Sprachbarriere und Kommunikationshindernis kritisiert. Zudem berichteten Eltern von Kindern an Lehrstätten in Niederbayern von „Strafarbeiten“ für Schüler, die im Alltagsdeutsch redeten. Ganz anders die Situation zwischen Donau und Zusam: Das Lesen und Vortragen von zusammengestellten Texten in reinstem Schwäbisch sind hier so selbstverständlich, dass allein schon der leiseste Zweifel daran auf Verwunderung stößt. „Sie dürfen bei uns so sprechen, wie Sie es sonst gewohnt sind, keiner wird Sie daran hindern“, gibt sich Bernhard Hof, Gymnasiums-Schulleiter in Wertingen, überrascht. In seinem Haus würde es keine Probleme mit Mundart geben, nichts werde ignoriert, betont der Oberstudiendirektor mit Geburtsort Heidenheim in Baden-Württemberg. Damit spricht der Pädagoge nichts Geringeres als die Vorgaben im Lehrplan an, der das Einüben von Liedern und Gedichten in der gebräuchlichen Lokalsprache vorschreibt.

„Die neuen Schulbücher werden nur zugelassen, wenn sie Elemente der Pflege des Heimatbewusstseins und damit des Dialekts enthalten“, weiß Amtschef Wilhelm Martin. Dieser sei ein Indikator dafür, wie verwurzelt man mit seinem Standort sei. Damit dies auch in künftigen Generationen ein Thema bleibe, garantierten die Aus- und Fortbildung neuer Lehrer den Erhalt der heimischen Umgangssprache. Damit dies so bleibt, lernen schon die Kleinsten den Umgang mit dem Ur-Schwäbischen: „Sie lernen einfache Verse von Heimatdichtern, in den Klassen drei und vier dann befasst man sich mit längeren Geschichten“, erklärt Leiterin Christiane Grandé, neue Rektorin an der Wertinger Grundschule. Etwa jene von der Christbaumspitze oder „Dia Chrischdbaumschbitz“ und „Die erste Heilige Nacht“ vor „Bethlehem, a Stückle draußt, do stot a alter Stal“.

Johann Urban, Klassenleiter drei und vier sowie großer Fan von Heimatdichter Alois Sailer, stellt dabei immer mehr fest: „Die Kinder haben großen Spaß daran.“ Etwa beim Lesen und „Übersetzen“ der kleinen Geschichte „Der Kirta – die Kirchweih“. Die Ausführungen eines unbekannten Autors enden mit einem Vierzeiler, dem vorsichtshalber Fußnoten beigefügt sind: „A richtiger Kirta, dauert bis zum Irta. Wann se’s tuat schicka, aa bis zum Migga.“ Irta und Migga stehen dabei für Dienstag bzw. Mittwoch. Ganz ohne solche Vorschriften kommt Wertingens Montessori-Volksschule bei der Mundartpflege aus. Leiterin Erika Biberacher aus Franken überlässt es den Buben und Mädchen, „so zu sein, wie sie sein möchten.“ Will heißen: „Sie sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.“ Dialekte bereicherten den Unterricht, etwa wenn sich ein Kind mit altbayerischem Einschlag mit einem Schüler aus Wertingen unterhalten würde: „Dieses Zusammentreffen hört sich doch immer wieder interessant an.“

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