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Rögling

23.06.2017

Der Traum vom Profifußballer lebt weiter

Marco Schuster (vorne) stand drei Jahre beim FC Augsburg unter Vertrag.
Bild: Klaus Rainer Krieger

2014 unterschreibt Marco Schuster einen Profivertrag in Augsburg. In der Bundesliga spielt er aber nicht. Nun wechselt der 21-Jährige den Klub. Wie seine Bilanz beim FCA ausfällt.

Es ist der Traum vieler, wenn nicht sogar aller Kicker: Als Profifußballer sein Geld verdienen, vor vollen Rängen in der Bundesliga spielen. Freilich erfüllt sich dieser Traum nur für die wenigsten. Ganz nah dran war der Röglinger Marco Schuster. Vor drei Jahren unterzeichnete der Mittelfeldspieler einen Profivertrag beim FC Augsburg. Dort saß er in der Saison 2014/15 bei vier Partien im deutschen Fußballoberhaus (zweimal gegen Mönchengladbach sowie zuhause gegen Frankfurt und Leverkusen) auf der Bank, für einen Einsatz in der Fußball-Bundesliga hat es aber nicht gereicht. Für die Zweite Mannschaft des FCA absolvierte der 21-Jährige über 60 Begegnungen in der Regionalliga. Diese Spielklasse wird auch künftig sein Zuhause sein, denn Schuster wechselt zum SV Waldhof Mannheim. Der ehemalige Erstligist wurde in der abgelaufenen Saison Zweiter in der Regionalliga Südwest, scheiterte aber in der Aufstiegs-Relegation knapp am SV Meppen. Wir sprachen mit Marco Schuster über seine Zeit beim FCA, den Wechsel nach Baden-Württemberg, das Thema Verletzungen und über alte Weggefährten bei einem Lehrgang der U-16-Nationalmannschaft.

Drei Jahre waren Sie beim FC Augsburg als Profi unter Vertrag. Warum hat es mit einem Einsatz in der Bundesliga nicht sollen sein?

Schuster: Das ist schwer zu sagen, da spielen vermutlich mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen war ich mit Schambeinentzündung und Kreuzbandriss in der Summe ziemlich genau ein Jahr verletzt. Hinzu kommt die Zeit, bis man danach wieder richtig fit ist. Dann hatten wir in Augsburg auch immer einen sehr großen Kader – da ist es schwer, dass alle Spieler Einsatzzeit bekommen. Und vielleicht hat auch das nötige Glück gefehlt, dass ich die Trainer nicht zum richtigen Zeitpunkt überzeugen konnte.

In ihrem ersten Jahr saßen Sie, als 19-Jähriger, bei vier Bundesligaspielen auf der Bank. Was ist das für ein Gefühl, in ein Stadion mit zigtausend Zuschauern hineinzukommen?

Schuster: Das waren Super-Erlebnisse, was man aber vor allem im Nachhinein realisiert. Ich hätte mich natürlich riesig gefreut, wenn es mit einer Einwechslung geklappt hätte. Aber es waren jeweils sehr enge Begegnungen, da wirft man als Trainer nicht unbedingt einen jungen Spieler ins kalte Wasser.

Mit Raphael Framberger und Julian Günther-Schmidt, die bereits Erstligaluft schnuppern durften, haben Sie lange in der Zweiten Mannschaft zusammengespielt. Kevin Danso hat den Sprung nach oben praktisch direkt aus der A-Jugend geschafft. Wird man da ein bisschen neidisch?

Schuster: Eine schwierige Frage. Einerseits willst du natürlich selber in der Ersten Mannschaft drankommen. Aber ich bin niemand, der neidisch ist. Ich gönne es daher den Jungs und kann mich für sie freuen.

Was haben die genannten Spieler denn anders gemacht als Sie?

Schuster: Wenn ich das wüsste, hätte ich das auch gemacht (lacht). Aber es hat sicher viel mit Manuel Baum zu tun. Es ist aber wie immer bei einem Trainerwechsel: Manche jungen Spieler profitieren mehr davon, andere weniger.

Wie sah ihr sportlicher Alltag in Augsburg aus?

Schuster: Bis auf ganz wenige Ausnahmen habe ich von Montag bis Freitag immer bei den Profis trainiert. Wenn ich am Wochenende nicht im Bundesliga-Kader war, habe ich in der U23 in der Regionalliga Bayern gespielt.

Wie haben Sie sich in Trainingseinheiten mit Daniel Baier, Paul Verhaegh oder Raul Bobadilla geschlagen?

Schuster: Am Anfang hatte ich viel Respekt, den ich aber schnell abgelegt habe. Schließlich machen wir ja alle eigentlich das gleiche: Fußball spielen. Irgendwann werden die Trainingseinheiten mit diesen Namen zur Routine und du steigerst selbst dein Niveau. Dann ist es kein großes Thema mehr und du versuchst, dich so gut es geht anzubieten. Das Ziel ist ja nicht, mit diesen Spielern nur zu trainieren, sondern mit ihnen im Stadion zu spielen.

Sie haben das Thema Verletzungen angesprochen. Wie sieht es aktuell aus?

Schuster: Ich habe mir Ende März, im Abschlusstraining vor dem Spiel gegen den FC Bayern, das Kreuzband gerissen. Ein paar Tage später bin ich operiert worden. Aktuell bin ich in der zwölften Woche der Reha, habe also rund die Hälfte absolviert. Soweit läuft alles nach Plan. Mein Ziel ist es, in der kommenden Hinrunde noch zu spielen.

Das wird aber nicht beim FCA der Fall sein. Sie haben Augsburg verlassen. Wie fällt Ihre Bilanz über die Zeit dort aus?

Schuster: Etwas zweischneidig. Ich war ja inklusive der Jugendteams insgesamt neun Jahre dort. Es war eine schöne Zeit und es ist nicht selbstverständlich, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Dafür bin ich dem Verein auch sehr dankbar. Schade ist natürlich, dass der letzte Schritt gefehlt hat. Diese Vollendung versuche ich nun bei einem anderen Verein.

Dem SV Waldhof Mannheim. Warum ausgerechnet dieser Klub?

Schuster: Nachdem klar war, dass mein Vertrag beim FCA ausläuft, gab es mehrere Interessenten. Dann aber kam mein Kreuzbandriss. Dieses Risiko war für einige Vereine zu groß. Mannheim dagegen hat gesagt: „Das ist uns egal, wir wollen dich trotzdem haben.“ Dieser Vertrauensbeweis hat mir imponiert. Für mich war zudem ohnehin klar, dass ich wegziehen werde. Darum war es eigentlich egal, ob ich künftig in Bayern oder zum Beispiel in Hamburg spiele.

Sie werden also nach Mannheim umziehen?

Schuster: Ja. Meine Wohnung in Augsburg ist gekündigt. Nach meinem Kreuzbandriss habe ich zwischenzeitlich wieder in Rögling gewohnt. Ich war ja auf Krücken unterwegs und froh, dass ich auf die Hilfe meiner Eltern zählen konnte.

Mannheim ist knapp gescheitert am Drittliga-Aufstieg. Wie lautet das Ziel für diese Saison, auch für Sie persönlich?

Schuster: Ich will schnellstmöglich wieder fit werden. Das Ziel des Vereins ist, den Aufstieg in die Dritte Liga anzupeilen. Das wurde gestern beim Trainingsauftakt, bei dem ich ebenfalls dabei war, auch so kommuniziert.

Wie stark ist der Fokus noch auf Fußball gerichtet? Ist das Thema Profi mit dem Weggang vom FCA abgehakt?

Schuster: Vom Traum Profifußballer habe ich mich noch nicht verabschiedet. Ich muss nun nur einen Umweg gehen. Eventuell werde ich aber nun nebenbei studieren, das wird sich allerdings erst nach dem Ende der Reha entscheiden.

Aktuell laufen der Confederations Cup in Russland und die U-21-EM in Polen. Dort sind Akteure wie Leon Goretzka, Niklas Süle, Max Meyer, Marc-Oliver Kempf oder Serge Gnabry am Ball. Sie alle waren, genau wie ein gewisser Marco Schuster, 2011 bei einem Lehrgang der U-16-Nationalmannschaft in Spanien dabei. Hat man damals schon gesehen, dass da Potenzial für die Nationalmannschaft vorhanden ist?

Schuster: Der Unterschied war damals nicht so groß, dass man da schon sagen konnte, die werden auch im Erwachsenenbereich mal Nationalspieler – und andere nicht. Klar hat man gesehen, dass Gnabry oder Goretzka tolle Fußballer sind. Aber bei dem Lehrgang waren auch andere sehr gute Kicker dabei, die es nicht oder noch nicht geschafft haben. Aber es kann nun einmal nicht jeder bei Bayern München spielen. Dennoch verfolge ich den Weg der Spieler aus diesem Trainingslager schon sehr genau.

Ihr jüngerer Bruder Jannik ist ebenfalls sehr talentiert. Er spielt in der A-Jugend des FCA, wandelt also auf Ihren Spuren. Haben Sie einen Tipp für ihn und alle anderen jungen Kicker, die vor dem großen Sprung stehen?

Schuster: Am besten spielt man einfach frei von der Leber weg Fußball. Man sollte sich nicht zu viel Gedanken machen oder zu großen Respekt haben, wenn man plötzlich mit Profis auf dem Platz steht. Man muss natürlich wissen, wo man herkommt, sollte aber trotzdem frech und unbekümmert spielen. Dann kommt der Rest von allein. Ob es dann am Ende für die Bundesliga oder die Regionalliga reicht, ist eigentlich egal. Hauptsache, man hat Spaß dabei. Das ist wie bei anderen Berufen oder generell vielen Dingen im Leben: Man muss Freude daran haben, dann funktioniert es auch.

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