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Buchdorf

01.11.2019

Die Familie von Barbara Linzi ist in der Trauer nicht allein

Der Engel steht am Grab von Barbara Linzi. Die Eltern des toten Mädchens sagen allen „Danke“, die mitgeholfen haben, diesen Wunsch wahr zu machen. 
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Der Engel steht am Grab von Barbara Linzi. Die Eltern des toten Mädchens sagen allen „Danke“, die mitgeholfen haben, diesen Wunsch wahr zu machen. 

Plus Seit Oktober steht der Engel am Grab der 13-Jährigen Barbara Linzi aus Buchdorf. Ihre Eltern sind voller Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die mitgeholfen haben, diesen Wunsch ihrer Tochter zu erfüllen. Es gibt Neuigkeiten über das Bornavirus, an dem sie starb.

Es sind Tage wie diese, die das Unbegreifliche für die Familie Linzi noch schwerer machen: Allerheiligen und Allerseelen, an denen wir uns unseren Verstorbenen besonders nahe fühlen, die Gräber schmücken und zum Friedhof gehen. Diese beiden Feste sind aber für die Linzis aus Buchdorf nur der Anfang. Es kommt noch geballter im Dezember: Am 17. Dezember hätte ihre Barbara Geburtstag. 15 Jahre alt wäre sie heuer geworden. Nur zwei Tage vorher wurde sie im vergangenen Jahr beerdigt. Und dann ist ja auch Weihnachten nicht mehr weit weg. Das zweite Weihnachten ohne Barbara. „Ich weiß nicht, wie wir das schaffen“, sagen ihre Eltern Ilona und Matthias Linzi.

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Wie Blei auf der Seele

Aber eigentlich sind Tage wie diese lediglich zusätzliche Ereignisse, die sich wie Blei auf die Seele legen. Ohnehin vergeht kein Tag, an dem der Verlust des eigenen Kindes, der Verlust der Schwester, der leere Platz in der Familie nicht präsent sind. Ohnehin gehen die Eltern jeden Tag zu Barbara auf den Friedhof. Dort ziert nun seit 1. Oktober ein Grabstein die letzte Ruhestätte des Mädchens. Ein Granitstein, an den sich ein Engel lehnt – schlafend, wie es scheint, mit einem weichen Gesichtsausdruck und einem leichten, kaum wahrnehmbaren Lächeln um den Mund.

Es ist der Engel, den sich Barbara zu Lebzeiten gewünscht hat. Der Steinmetz in der Ortsmitte ihrer Heimatgemeinde Buchdorf hatte ihn nahe an der Straße stehen und Barbara kam auf ihrem Schulweg immer dort vorbei. „Mama, wenn ich einmal sterbe, dann möchte ich den dort haben“, hatte die 13-Jährige einmal gesagt. Wer hätte ahnen können, dass die Erfüllung dieses Wunsches notwendig sein würde! Barbara starb nach dreiwöchiger Krankheit an einem aggressiven Erreger, dem Bornavirus (Borna Disease Virus 1), das ihr Gehirn zerstört hat.

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Nun ist er da: der Engel auf dem Grab

In beispiellosen Aktionen haben viele Menschen mitgeholfen, dass sich Barbaras Wunsch erfüllen konnte. Und nun, da der Engel am Grab steht, ist es ihren Eltern nochmals ein tiefes Bedürfnis, sich bei allen zu bedanken. „Stein, Engel, ja das ganze Grab konnten wir mit den Spenden bezahlen“, sagen Ilona und Matthias Linzi. „Wir sind überwältigt von so viel Mitgefühl, Herzlichkeit und all der Hilfe, die wir erfahren durften.“ Benefizkonzerte und andere Aktionen von Vereinen und Einzelpersonen – längst nicht nur aus der Heimatgemeinde – haben gezeigt, wie sehr die Menschen mit der Familie Linzi fühlen und trauern. „Die Buchdorfer Dorfgemeinschaft war immer schon herzlich“, schildern die Eltern Linzi. „Erst recht ist sie es in unserem großen Schmerz.“ Dieser Zusammenhalt trägt sie ein Stück weit..

Krankengeschichte ist weiter rätselhaft

Rätselhaft ist noch immer Barbaras Krankengeschichte. Wo könnte sie sich angesteckt haben? Wie lange hat sie das Bornavirus schon im Körper getragen bis die Krankheit ausgebrochen ist? Fragen wie diese quälen die Linzis, die gerne mithelfen wollen, dass die Wissenschaft mehr über den Erreger herausfindet.

Als Überträger der ansteckende Gehirn- und Rückenmarksentzündung gilt die Feldspitzmaus. Ob auch andere Spitzmaus-Arten in Frage kommen, wird derzeit untersucht – so wie vieles andere ebenfalls. Das Bornavirus gibt der Medizin, gibt den Wissenschaftlern noch viele Rätsel auf. Man weiß nicht wirklich viel zum jetzigen Zeitpunkt.

Hoffnung bestand, neue Erkenntnisse über vier verendete Feld-Spitzmäuse zu gewinnen, die auf der Terrasse oder im Garten der Linzis gefunden und im Labor untersucht wurden. Doch das Ergebnis ist negativ. Der Borna-Erreger konnte nicht nachgewiesen werden. Das Gesundheitsamt Donau-Ries ist an weiteren Feld-Spitzmäusen aus Buchdorf interessiert. Wer tote Tiere findet, wird gebeten, sie unter strengen hygienischen Vorsichtsmaßnahmen in ein sauberes Schraubglas zu packen und den Fund dem Veterinäramt Donau-Ries zu melden.

Was die Borna‘sche Krankheit ist

Die Borna’sche Krankheit galt zunächst als Tierseuche, von der vor allem Huftiere betroffen sind. „Es wird vermutet, dass beispielsweise Pferde oder Schafe mit der Feldspitzmaus oder deren Ausscheidungen in Kontakt kommen“, schildert Dr. Rainer Mainka, der Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis Donau-Ries. Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass sich auch Menschen anstecken können. Für sie sind verschiedene Übertragungswege denkbar, wahrscheinlich vor allem ebenfalls über Ausscheidungen der Feld-Spitzmaus. Der direkte Kontakt kann ein Infektionsweg sein, aber auch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser sind möglich wie auch das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub etwa. Vorstellbar ist aber auch, dass andere Tiere quasi als Bindeglieder eine Rolle spielen. Zum Beispiel Hauskatzen, die Spitzmäuse jagen und fangen.

Barbara Linzi ist eine von ganz wenigen Erkrankten, die bisher in Deutschland überhaupt bekannt sind. Diese wenigen Fälle verliefen nach Auskunft von Dr. Mainka bis auf einen Fall alle tödlich. Erste Symptome sind ähnlich wie bei einer Grippe: Kopfschmerzen, Fieber und ähnliches mehr. Bei allen Erkrankungsfällen kam es dann zu neurologischen Ausfällen: Verhaltensauffälligkeiten, Geh- und Sprachstörungen und innerhalb weniger Tage oder Wochen dann zum Koma.

Wie man sich selbst schützen kann

Wie kann man sich schützen? Dr. Mainka empfiehlt, tote Spitzmäuse – etwa auch, wenn die Hauskatze sie mit heimbringt – gründlich mit einem Desinfektionsmittel zu besprühen, Gummihandschuhen und (bei Staub) einen eng anliegendem Mundnasenschutz zu tragen, die Kadaver mit einer umgestülpten Plastiktüte aufzunehmen, die Tüte zu verschließen und das tote Tier mit dem Hausmüll zu entsorgen. Nach staubigen Arbeiten empfiehlt sich, sofort zu duschen (auch die Haare) und benutzte Arbeitskleidung zu waschen.

Info Mehr zu diesem Thema findet sich im Internet, etwa unter www.rki.de/bornavirus.

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