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30.06.2014

Die „verrückte“ Geschichte der Kirche im Spindeltal

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2 Bilder
Die Spindeltalkirche im benachbarten Landkreis Eichstätt blickt auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück und ist ein beliebtes Wanderziel.
Bild: Sepp Vogel

Ein neuer Wanderführer verbindet Rögling und Tagmersheim mit der Kapelle

An der Grenze zwischen den Landkreisen Donau-Ries und Eichstätt, zwischen Schwaben und Oberbayern, liegt das Spindeltal. Bekannt ist es für seine Ruinenkirche „Maria im Spindeltal“, die Sepp Vogel ins Herz geschlossen hat. So sehr, dass er nun einen Wander- und Kulturführer durchs Gebiet geschrieben hat, der nicht nur „weltlich“ sein will, sondern den Benutzer auch auf die „Suche nach der Madonna vom Spindeltal“ schickt, wie es im Titel heißt. Was dahinter steckt, verrät der Autor im DZ-Gespräch.

Können Sie das Konzept des Büchleins genauer erklären?

Vogel: Es besteht aus zwei Teilen. Der erste beschreibt die Wanderstrecke mit den Sehenswürdigkeiten, die auf dem Weg liegen. Dabei geht es nicht nur um Kirchen, sondern auch um die Natur und moderne Aspekte wie etwa Windräder oder Digitalfunkmasten. Der zweite Teil widmet sich konkret der Ruinenkirche und der Geschichte der Wallfahrt ins Spindeltal, die ja sehr weit zurückreicht. Ich war mir zunächst selbst nicht sicher, wie dieses Konzept ankommt, habe aber inzwischen die Rückmeldung bekommen, dass gerade die Kombination den Benutzern gut gefällt.

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Wie verläuft die Wanderroute genau?

Vogel: Sie verbindet die Orte, die im historischen Zusammenhang mit der Spindeltalkirche stehen, die auch Start- und Zielpunkt ist. Von dort geht es über Ensfeld im Landkreis Eichstätt nach Rögling, Tagmersheim und über Asbrunn im Kreis Neuburg-Schrobenhausen zurück. Die Strecke ist 22 Kilometer lang und in mehrere Abschnitte untergliedert, die zusammen eine Tagestour ergeben, aber auch einzeln begangen werden können.

Was fasziniert Sie so an der Spindeltalkirche?

Vogel: Ihre Schlichtheit. Vor rund 20 Jahren wurde sie wiederaufgebaut, aber so, dass die ursprüngliche Ruine unter dem modernen Dach noch zu erkennen ist. Aufgefallen ist mir die Kirche zum ersten Mal 2006. Ein Jahr später feierte ich darin meinen 50. Geburtstag mit einer kleinen Dankandacht. Und nun heiratet mein Sohn bald dort. Auf die Idee des Wanderführers kam ich aber erst, als ich etwas über ihre verrückte Geschichte gelesen habe, die mich sehr fasziniert.

Was meinen Sie mit „verrückt“?

Vogel: Zwei Mal wurde die Kirche im Lauf ihrer Geschichte zerstört – und beide Male von Religionsvertretern oder zumindest Menschen, die ihr nahestanden. Das ist doch unglaublich. Das erste Mal im Jahr 1542 durch Ottheinrich von Pfalz-Neuburg, der den protestantischen Glauben im Fürstentum einführte. Noch verrückter aber war die zweite Zerstörung 1783 auf Antrag des Röglinger Pfarrers, der die Bischöfe von Augsburg und Eichstätt gemeinsam zustimmten, um Reibereien zu beenden. Denn die Pfarrer in Rögling und Wellheim hatten lange um die Kirche gestritten. Schließlich lockte sie in ihrer Hochzeit bis zu 300 Pilger im Monat an.

Seit wann ist der Ort Wallfahrtsziel?

Vogel: Um 1472 hatte ein Bauer in Ensfeld mehrere Lichterscheinungen. Also ließ er in der Nähe der Kapelle ein Marienbildnis aufstellen, das nach und nach immer mehr Pilger anlockte. Die Wallfahrt war zunächst unabhängig von der Spindeltalkirche, griff nach und nach aber darauf über. Und auch nach ihrer Zerstörung wurden übrigens noch Krüppel, siechende Kinder und Todkranke in die Ruinen geführt.

Und was ist mit der Madonna, nach der der Wanderer laut Buchtitel sucht?

Vogel: Es handelt sich um eine Marienfigur aus Sandstein aus dem 14. Jahrhundert, die sich wohl schon in der ersten Kapelle im Spindeltal befand. 400 Jahre lang war sie nach der Zerstörung der Kirche vergraben. Erst 1931 entdeckte ein Tagmersheimer sie unter der Erde. Heute steht sie im Original in St. Johannes in Ensfeld – auch deshalb führt die Wanderung als erstes dorthin.

Wie lange haben Sie am Wanderführer gearbeitet?

Vogel: Etwa ein Jahr. Ich hab die Strecke mehrfach getestet, da nicht alle Wege markiert sind. Einer der schönsten Abschnitte übrigens kommt nach Ensfeld, da man schon bald einen wunderschönen Blick auf Rögling hat.

Und wo kann man das Buch kaufen?

Vogel: In der Stadtbibliothek Donauwörth oder direkt bei mir per E-Mail unter seppvogel@t-online.de oder per Telefon unter 08422/988980. Es kostet 2,50 Euro. 50 Cent davon spende ich zum Erhalt der Kirche, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.

https://sites.google.com/a/pws-don.de/spindeltal/

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