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Münster

19.09.2019

Ein Grenzstein in aller Freundschaft

Die beiden Gemeindechefs: Manfred Schafnitzel aus Ellgau (links) und Gerhard Pfitzmaier aus Münster.
Bild: Pfitzmaier

Mit dem „Siebenergang“ nahmen Münster und Ellgau einen alten Brauch wieder auf. Was dahinter steckt und was ein grenzstein damit zu tun hat.

Über Jahrtausende hatte der Lech zwischen Augsburg und seiner Mündung in die Donau den Menschen spürbare Grenzen gesetzt. Der bajuwarische Siedlungsraum am rechten, östlichen Lechufer war durch das breite Flusstal streng von den alemannischen, westlichen Gebieten getrennt. Der Dialekt der Menschen – hier bayrisch, da schwäbisch – belegt heute noch eine Sprachgrenze am unteren Lech. Erst vor gut 200 Jahren wurde Bayrisch-Schwaben zwischen Iller und Lech dem Königreich Bayern angegliedert.

Flussbett des Gebirgsstromes schob Grenzen hin und her

Das Flussbett des Gebirgsstromes hat die Grenzen der Anliegergemeinden oftmals hin- und hergeschoben. So kommt es, dass auch heute noch Flächen östlich des Flusses der Gemarkung Ellgau zugeordnet sind. Das alte Wissen über die Grenzverläufe bewahren die Feldgeschworenen, im Schwäbischen auch die „Siebener“ genannt, beim sogenannten „Siebenergang“, der in früheren Jahren alljährlich stattfand.

Über viele Jahre war dieser alte Brauch nicht mehr praktiziert worden, bis ihn 2008 die beiden Bürgermeister Gerhard Pfitzmaier aus Münster und Manfred Schafnitzel aus Ellgau wieder aufleben ließen. Seither fanden wieder mehrere solcher Begehungen statt, die mit einer gemütlichen Runde abwechselnd in Ellgau und Münster ausklangen.

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Grenzstein nach historischem Vorbild

Im Frühjahr nun kamen die beiden Gemeinden überein, an einem markanten Grenzpunkt direkt am Lech wieder einen Grenzstein nach historischem Vorbild aufzurichten.

Im Münsterer Bauhof fand sich ein behauener Felsblock aus Juramarmor, auf dem Steinmetz Rupert Fieger aus Eichstätt die beiden Gemeindewappen anbrachte. Jüngst war es dann soweit: Am vorgesehenen Standort bei der ehemaligen Ölleitung begrüßten sich die beiden Gruppen, die Ellgauer hatten zur Freude und Überraschung sogar ihre neunköpfige Musikkapelle mitgebracht.

250 Kilogramm wiegt der Stein

Mit vereinter Manneskraft wurde dann der Stein von etwa 250 kg Gewicht vom Anhänger gehoben und in die Erde eingebettet. Bürgermeister Schafnitzel dankte für die langjährige Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden, und sein Kollege Pfitzmaier trug ein Gedicht vom Werden des neuen Grenzzeichens vor. Die gemeinsam gesungene Bayernhymne setzte einen würdevollen Schlusspunkt für dieses in der Region bestimmt seltene Ereignis.

Beim Kirchenwirt in Münster fand das Ereignis schließlich seinen gemütlichen Abschluss, den die fleißigen Ellgauer Musikanten festlich und harmonisch umrahmten. (dz)

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