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Rain

23.08.2017

Eine Rettungsinsel für bedrohte Arten

Blick auf die Fohlenweide in Rain. Dort gibt es zwei bedrohte Pflanzenarten und eine Tierart, die auf der Roten Liste steht.
Bild: Foto. Barbara Würmseher

Die Fohlenweide bei Rain ist das Zuhause von zwei Pflanzen und einem Tier, die auf der Roten Liste stehen – eine Seltenheit in Schwaben. Wie sich Lebensraum Lechtal dort engagiert

Sie gehören zu den letzten ihrer Art: Gleich drei auf der Roten Liste Bayerns der vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten haben auf der Fohlenweide bei Rain ein Refugium: Wanzen-Knabenkraut, Tiefblutrotes Knabenkraut und Weiden-Sandbiene. Sie brauchen jedoch gezielte Hilfe, um zu überleben. In Kooperation mit behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz, der Stadt Rain und einem engagierten Landwirt bemüht sich der Verein Lebensraum Lechtal, die Fohlenweide als Lebensraum für diese und andere hochbedrohte Arten zu pflegen.

„Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, kann Naturschutz funktionieren“, ist Reiner Erben, Vorsitzender von Lebensraum Lechtal überzeugt. Der Verein sei ein gutes Beispiel für Zusammenarbeit: Alle sechs Landkreise entlang des bayerischen Lechs, die Stadt Augsburg und Kommunen wie Rain und Oberndorf haben sich 2005 zusammengeschlossen, um gemeinsam Landschaftspflege und Biotopverbund im Lechtal voran zu bringen.

Seit 2011 ist der Verein Träger der Gebietsbetreuung Lechtal. Mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfonds stehe ein Gebietskenner als Botschafter der Natur zur Verfügung. „Unsere Gebietsbetreuer sind die Allrounder des Naturschutzes in Bayern. In insgesamt 37 ökologisch besonders wertvollen Gebieten Bayerns kümmern sie sich vor Ort um Biotop- und Artenschutz sowie Naturvermittlung. Damit stiften sie heimatgebende Identität von Landschaften.“ erläutert Georg Schlapp, Vorsitzender des Bayerischen Naturschutzfonds. „Vor allem aber sind Gebietsbetreuer Vermittler zwischen Naturschutz, Landnutzern, Fachbehörden und der Bevölkerung. Auch hier im Lechtal zeigen sich die Erfolge dieser Strategie.“

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Gebietsbetreuer Stephan Jüstl berichtet, wie das im Fall der Fohlenweide ablief: „Am Anfang stand der Hinweis engagierter Naturschützer und Botaniker, dass die bisherige Pflege der Fläche nicht allen bedrohten Arten gerecht wird. Ich habe mir vor Ort ein Bild der Lage gemacht, weitere Informationen eingeholt und dann in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörde und Bund Naturschutz ein Konzept für die verbesserte Pflege erstellt.“ Auch die Einbindung der Stadt als Eigentümerin sei ihm von Anfang an wichtig gewesen.

Die intensive Betreuung des Projektes vor Ort sei für den Erfolg wichtig, ist auch Alois Liegl, Leiter der Naturschutzbehörde an der Regierung von Schwaben, überzeugt: „Eine Fläche mit gleich drei Kategorie-1-Arten der Roten Liste finden wir in ganz Schwaben nur sehr selten.“ Die Gebietsbetreuung sei deshalb für das Lechtal mit seinen Heiden und lichten Wäldern, vor allem aber bei seiner Bedeutung für den landesweiten Biotopverbund, ein besonderer Glücksfall. Seine Behörde stehe mit Rat zur Seite und stelle Fördermittel für die Pflegemahd bereit, so Liegl.

Die Fohlenweide sei bei den Rainer Bürgern schon immer beliebt gewesen – ob beim Sonntagsspaziergang oder für die Frauen der Pfarrei, um traditionellen Blumenschmuck für Mariä Himmelfahrt zu pflücken, weiß Rains Zweiter Bürgermeister Leo Meier. „Aber dank Stephan Jüstl ist das Bewusstsein um den hohen ökologischen Wert unserer Lechheiden in den Köpfen und Herzen der Rainer neu verankert. Radtouren mit dem Gebietsbetreuer zur Fohlenweide und in den Sachsenwald sind fest etabliert.“ Der Stadtrat habe deswegen 2015 beschlossen, sich auch finanziell an der Pflege zu beteiligen.

Wie Hilfe für die bedrohten Arten konkret aussieht, lässt sich auch beobachten, wenn Landwirt Klaus Hafner mit Schlepper und „Spezialgerät“ anrückt. Um zu dichten Grasaufwuchs als Konkurrenz der Orchideen zu verhindern, musste Gebietsbetreuer Jüstl den Mähtermin auf einem Teil der Flächen auf den Sommer vorverlegen. „Im Sommer wimmelt es auf der Fohlenweide aber nur so von Schmetterlingen, Zauneidechsen und seltenen Heuhupfern.“

Jüstl war deswegen auf der Suche nach einem Landwirt, der die Fohlenweide mit einem Messermähwerk naturschonend mäht“, erzählt Hafner. Mit einem herkömmlichen Kreiselmähwerk hätte man die Tierwelt empfindlich geschädigt. „Das Argument hat mich überzeugt und ich habe kurzerhand ein gebrauchtes Mähwerk gekauft.“ Zwischen gemähten Bereichen lässt Hafner immer wieder Streifen stehen. Dort finden Tiere vom Insekt bis zum Rehkitz wichtigen Rückzugsraum. „Aber auch spätblühende Arten wie Kreuz-Enzian und Herbst-Drehwurz, ebenfalls hochbedrohte Rote-Liste-Arten, profitieren von diesem Vorgehen.“ erläutert Jüstl. Inzwischen hat Hafner für die Landschaftspflege sogar in ein modernes Doppelmessermähwerk investiert, das er auch zur Futterernte auf seinem Biohof einsetzt. Er kann sich gut vorstellen, dass Landschaftspflege für manche Bauern ein gutes zweites Standbein sein kann. (pm)

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