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Donauwörth

30.08.2019

Flohmarkt: Wenn die Kleinen feilschen wie die Großen

„Kaufen, nicht weiterlaufen“ – mit diesem Spruch versuchte der siebenjährige Lukas, Kunden anzulocken. Bei ihm gab es massenhaft „Lustige Taschenbücher“.
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„Kaufen, nicht weiterlaufen“ – mit diesem Spruch versuchte der siebenjährige Lukas, Kunden anzulocken. Bei ihm gab es massenhaft „Lustige Taschenbücher“.
Bild: Wenzel

Beim Flohmarkt in der Donauwörther Bahnhofstraße sind vor allem Kinder die Protagonisten. Bis Samstag kann man Schnäppchen machen. Ein Besuch im bunten Treiben.

Natürlich hat er sich einen lustigen und passenden Spruch zurecht gelegt, um möglichst viel Kundschaft anzulocken. „Kaufen, nicht weiterlaufen“, ruft der siebenjährige Lukas den Passanten zu. Er ist eines der vielen Kinder, die beim Flohmarkt in der Donauwörther Bahnhofstraße einen Stand betreiben. Bereits vor 40 Jahren wurde die Veranstaltung vom Kaufhaus Woha ins Leben gerufen und sie erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit – und zwar nicht nur bei den kleinen Verkäufern.

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Am Freitagvormittag ist in der Bahnhofstraße richtig viel los. An manchen Stellen gibt es kaum ein Durchkommen, was auch an den zahlreichen Kinderwagen auf dem Gehsteig liegt. Viele Familien mit kleinen Kindern sind da, um sich nach Schnäppchen für den eigenen Nachwuchs umzuschauen. Die Stände bieten so ziemlich alles an, was das Herz begehrt: Spielzeug, Puzzles, Klamotten und und und …

Der Vater war ein Sammler

Bei Lukas stechen vor allem die unzähligen „Lustigen Taschenbücher“ ins Auge, die auf einem großen Tisch ausgebreitet sind. Weitere Exemplare befinden sich in einer eigenen Kiste. Die Comics hatte sein Vater einst gesammelt, bis zu 700 Stück lagerten zeitweise bei der Familie zuhause in Dillingen. Mittlerweile ist der Bestand merklich geschrumpft, aber in Donauwörth sollen noch weitere Abnehmer gefunden werden.

Flohmarkt: Wenn die Kleinen feilschen wie die Großen

Ein Buch kostet 1,50 Euro, wie Lukas erklärt. Wer gleich vier nimmt, der bekommt Rabatt und muss nur 5 Euro bezahlen. Der Siebenjährige war bereits am Eröffnungstag, dem Donnerstag vertreten. Da aber spielte das Wetter phasenweise nicht so mit. Am Freitag aber herrscht reger Betrieb – und demenstprechend ist Lukas mit dem Umsatz zufrieden: „Läuft ganz gut.“ Am Samstag wird bis zum Nachmittag ebenfalls noch verhandelt, gefeilscht und Kasse gemacht beim großen Kinderflohmarkt in Donauwörth. Lukas ist dann aber nicht mehr mit dabei. „Papa hat Geburtstag“, erklärt der Bub seine Abstinenz am dritten und letzten Tag der Veranstaltung.

Wenn die Schuhe nicht mehr passen

„Diese Schuhe würde ich sofort kaufen, wenn sie mir passen würden“, sagt ein Stück weiter eine ältere Passantin. Ihr Blick fällt auf ein besonderes Paar, das die neunjährige Theresa aus Oberndorf zum Verkauf anbietet. Es handelt sich um ihre Kommunionschuhe – also die Schuhe, die sie dabei eigentlich tragen wollte. „Aber ein paar Wochen vorher wurden sie einfach immer kleiner und kleiner“, sagt das Mädchen lächelnd.

So musste sie auf eine Alternative umschwenken. Das ungetragene Paar kann für 10 Euro den Besitzer wechseln. An diesem Stand, an dem ihre Schwester Katharina sowie Elina und Felix – alle sechs Jahre alt und Oberndorf – Geld verdienen wollen, gibt es überhaupt zahlreiche Schuhe. Ab zwei Euro sind diese zu haben, je nach Größe und ursprünglichem Wert.

Geld für einen neuen Fernseher

Schon einen konkreten Plan hat Jonas aus Riedlingen, wohin das eingenommene Geld fließen soll – oder eher muss. Der 14-Jährige habe sich einen neuen Fernseher gewünscht, erklärt seine Mutter. Die Eltern hätten die Summe ausgelegt, nun muss der Junior zurückzahlen. Sein Angebot reicht von FC-Bayern-Fanartikeln über Fußballsammelkarten bis hin zu Spielen und Büchern. „Was nicht verkauft wird, kommt wieder auf den Dachboden, bis zum nächsten Flohmarkt“.

Bereits den Schulstart im Blick hat Noah aus Donauwörth, ebenfalls 14 Jahre alt. Bei ihm gibt es unter anderem Mäppchen und sonstigen Unterrichtsbedarf. „Bevor man die Sachen wegschmeißt“, so der Jugendliche, ehe er just in diesem Moment 2 Euro für das Buch „Bernhard und Bianca“ einnimmt. Die Waren an seinem Stand – einer übrigens von insgesamt mehr als 100 – stammen aber nicht ausschließlich von ihm und seiner Schwester.

Auch die Eltern hätten etwas beigesteuert, erklärt Mutter Steffi. „Von einem Teil des Erlöses werden wir darum als Familie schön Essen gehen“, sagt sie. Der Rest des Geldes stehe den Kindern zur freien Verfügung. Genaue Vorstellungen, was er mit seinem Anteil macht, hat Noah nicht. „Ich bin da eher spontan.“ Sein Verkaufsgeheimnis aber verrät er: „Am besten immer lächeln, dann bleiben die Leute stehen.“

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