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Umwelt

02.05.2016

Gegen „Orgie“ beim Straßenausbau

Der Bund Naturschutz prangert die Pläne für den Donau-Ries-Kreis an. Entwürfe für sechs Projekte stören die Organisation. Die schlägt Alternativen vor

Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans sind sechs Projekte untergebracht, die nach Ansicht des Bund Naturschutz (BN) den Landkreis Donau-Ries „hart treffen.“ Deswegen fordert der BN, dass diese so nicht berücksichtigt werden. Bei all diesen Projektplanungen seien die Maximalausbau-Varianten im Entwurf verankert, „obwohl umweltschonende Alternativen möglich wären.“ Die schlage man schon seit Jahren vor, so die Umweltschützer.

So fordert der BN zum Beispiel die Tieferlegung und Deckelung der bestehenden Trasse in Möttingen. „Ohne die Möttinger Südwesttangente könnten die bisher unzerschnittenen Bayern-Netz-Natur-Lebensräume erhalten werden, in denen Fledermäuse entlang des Forellenbachs und die stark gefährdeten Wiesenweihen ihren Lebensraum finden“, schreibt der BN.

Besonders negativ sei die geplante Südvariante von Nördlingen, die ausgesprochen zerstörerisch in den Erholungsraum der Nördlinger zwischen Marienhöhe und Adlersberg eingreife und die bisher sehr ruhigen Gebiete „zerschneiden, verschandeln und verlärmen würde.“ Die versprochene Verkehrsberuhigung auf den belasteten Nördlinger Straßen werde sich nicht einstellen, denn der Ziel- und Quellverkehr in die Stadt werde bleiben, so der BN.

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Auch die Ortsumfahrung Oettingen würde enorme Eingriffe in die Natur des Rieses verursachen bei einem relativ geringen Nutzen für den Menschen. „Schallschutzmaßnahmen an den kurzen Abschnitten der B466 mit Wohnbebauung wären hier zielführender“, so zweiter Ortvorsitzender Jürgen Schittenhelm.

Bei den im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuften Projekten wurden dem BN zufolge kaum Natur- und Artenschutzbelange ausreichend geprüft und mögliche Alternativen berücksichtigt. Auch bei der B-16-Umgehung Tapfheim mit über elf Kilometern Länge habe man sich wenig Gedanken über den enormen Flächenverbrauch von 70 bis 100 Hektar, Landschaftsraumzerschneidung und den Verlauf mit enormen Anstiegen und Brückenbauwerken gemacht: „Es wird hier mehr die bestehende B16 umgangen als die Orte selbst, statt verträglichere Alternativen anzugehen.“ Nicht jede Ortsumfahrung sei ein Allheilmittel, allzu oft würden Probleme nur verlagert und das bei maximalem Flächenverbrauch, mahnt der BN.

Durch die vielen Einzelmaßnahmen und den „überzogenen“ drei- bis vierspurigen Ausbau der B25 werde dem Bürger „eine Kleinvariante der Riesautobahn in Häppchen untergejubelt.“ Offensichtlich werde hier die Straßenbaulobby bedient und die Zeche zahlten die Anwohner, wenn sich auf den ausgebauten Straßen der Durchgangsverkehr und der hierdurch verursachte Lärm im Außenbereich erhöhten. „In der Folge wird sich die Erholungsregion Ries hin zur Transitregion Ries entwickeln“, befürchtet Michael Ziegelmeier, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Harburg, in einer Pressemitteilung.

Die Umweltschützer stellen zudem fest: Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes seien keine Schienenprojekte im Landkreis Donau-Ries erfasst worden – weder im Güter- noch im Personennahverkehr. „Ein Armutszeugnis für eine nachhaltige Zukunftsplanung“, merkt der BN an.

„Wenn sich Ulrich Lange so für Schienen- und öffentlichen Nahverkehr einsetzen würde wie für den Straßenbau, könnten wir einen großen Schritt in eine nachhaltige Zukunft machen“, erklärt der BN. Kreisvorsitzender Rudolf Schubert: „Mit dieser geplanten Straßenbauorgie können wir die Ziele zum Flächensparen, dem Klimaschutz und einer zukunftsfähigen Mobilität mit weniger Auto- und Lkw-Verkehr nicht erreichen. Wir können es uns nicht mehr leisten, noch mehr wertvollen Ackerboden zu versiegeln, artenreiche Lebensräume zu zerschneiden und unsere Erholungsräume zu zerstören.“

Nur noch bis zum heutigen Montag läuft dem BN zufolge die Öffentlichkeitsbeteiligung unter www.bvwp-projekte.de/strasse. Dort könne jeder Bürger Einwendungen gegen die Straßenplanungen erheben. (dz)

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