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Kreis Donau-Ries

03.01.2019

Hepatitis: Was wird hängen bleiben?

Die Donau-Ries-Klinik in Donauwörth hatte im vergangenen Jahr einen Skandal zu verkraften – es wird eine Zeit brauchen, sich davon zu erholen.
Bild: JOCHEN AUMANN

Die Klinik in Donauwörth hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Und auch am Stiftungskrankenhaus in Nördlingen läuft es derzeit alles andere als rund.

Führungspositionen im gemeinsamen Kommunalunternehmen des Landkreises (gKU), in dem die Krankenhäuser und Seniorenheime des Landkreises verwaltet werden, sind beileibe keine vergnügungssteuerpflichtigen Jobs. Das mussten das ganze Jahr über auch Landrat Stefan Rößle als Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender Jürgen Busse erleben.

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Völlig überraschend sahen sie sich von heute auf morgen einem Hepatitis-C-Skandal an der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth ausgesetzt, mit dem sie umgehen müssen und der eine bayernweite Beachtung gefunden hat. Keiner der Verantwortlichen weiß, wie das Ganze ausgehen wird. Können dem betroffenen ehemaligen Narkosearzt strafrechtlich relevante Versäumnisse in einem Gerichtsverfahren nachgewiesen werden, bleibt am gKU etwas hängen oder geht die Sache aus wie das „Hornberger Schießen“? Eines lässt sich jedoch sagen: Die Verantwortlichen im gKU und im Gesundheitsamt des Landkreises gehen recht professionell und zielgerichtet mit dem Thema um.

In Nördlingen hakt es an Organisation, Abläufen und Kommunikation

Doch damit nicht genug. Alles andere als rund läuft es am Stiftungskrankenhaus in Nördlingen. Das Problem ist allerdings nicht die medizinische Betreuung, die dort angeboten wird. Vielmehr geht es um die Organisation, die internen Abläufe und die Kommunikation. In allen drei Bereichen gibt es massive Defizite, die Vorstandschef Busse auch unumwunden einräumt.

Hepatitis: Was wird hängen bleiben?

Wie berichtet, hat eine vom Verwaltungsrat beauftragte Beratungsfirma im Herbst speziell die Innerer Abteilung der Nördlinger Klinik unter die Lupe genommen und die Mängel in Ablauf und Organisation deutlich benannt. Arbeitsgruppen sollen Anfang des neuen Jahres Verbesserungen zu den Themen Dokumentation und Abrechnung sowie den „Patientenlauf“ von der Aufnahme bis zur Entlassung nach den Empfehlungen der Beratungsfirma erarbeiten. Jürgen Busse will damit unter anderem vermeiden, dass die für die Abrechnung mit den Kassen so wichtigen „endgültigen“ Arztbriefe über Monate nicht geschrieben werden. Bis vor Kurzem waren es noch rund 400 Briefe, etwa 300 davon in der Inneren Abteilung.

Mittlerweile, so der Vorstandsvorsitzende, seien die von den Ärzten diktierten Briefe auch verfasst, um gleich hinzuzufügen, dass es wohl noch eine ganze Reihe „noch nicht diktierter“ gebe. Busse aber auch Landrat Rößle erwarten sich in dem anstehenden Optimierungsprozess die Mitarbeit der gesamten Abteilung und nicht zuletzt der Ärzteschaft um möglichst zeitnah konkrete Verbesserungen zu erreichen.

Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Dr. Roland Buchheit war Busse Mitte Dezember im Caritas-Krankenhaus Sankt Josef in Regensburg, das bereits vor geraumer Zeit ein Konzept zur Neustrukturierung der Patientenaufnahme und für ein zentrales Belegungsmanagements erfolgreich entwickelt hat. Teile dieser Expertise könnte sich Busse auch für das Stiftungskrankenhaus gut vorstellen. Allerdings sieht er sich dabei dem Widerstand des Chefarztes der Inneren Abteilung, Professor Dr. Bernhard Kuch, ausgesetzt, der so etwas am Stift für nicht notwendig erachtet.

Eine Million Euro für neue Pflegekräfte

Neben diesen aktuellen Baustellen gab es im gKU in dem zu Ende gehenden Jahr auch Positives. Auf Initiative von Landrat Rößle wurden nach massivem Druck durch die Öffentlichkeit, aber auch der Gewerkschaft Ver.di eine Million Euro für neue Pflegekräfte vom Verwaltungsrat zur Verfügung gestellt. Inzwischen sind nach Angaben der gKU-Verwaltung 57 „Köpfe“ im Pflegebereich der drei Kreiskliniken eingestellt worden. Köpfe deshalb, weil rund zehn Prozent davon in Teilzeit arbeiten.

Dies brachte eine gewisse, manche sagen marginale Entlastung für das Pflegepersonal mit sich. Freilich bedeutet dieser Schritt noch nicht die Lösung aller Probleme. Darin sind sich die Verantwortlichen einig. Bei den Neueinstellungen handelt es sich nämlich um keine zusätzlichen Pflegerinnen und Pfleger auf den Stationen. Damit werden lediglich die Lücken durch die vakanten Stellen, die durch Kündigungen und Schwangerschaften entstanden sind, aufgefüllt. Ein Anfang sei damit zumindest einmal gemacht, heißt es im gKU.

Kernspintomograph soll 2020 in Betrieb genommen werden

Ein weiterer Lichtblick: Nach langem Hin und Her ist 2018 der am Nördlinger Krankenhaus geplante Kernspintomograph, häufig nur MRT genannt, auf den Weg gebracht worden. Wie berichtet, will die radiologische Praxis „Radiologicum“ aus Donauwörth groß einsteigen und auf eigene Kosten am Stift einen Anbau realisieren, in dem das Gerät untergebracht und betrieben wird. In der ersten Hälfte des Jahres 2020 ist nach derzeitigem Stand die Inbetriebnahme vorgesehen.

Das MRT soll neben den Krankenhauspatienten auch Kassen- und Privatpatienten für ambulante Untersuchungen zur Verfügung stehen. Insgesamt würde dies eine Aufwertung des Nördlinger Stiftungskrankenhauses bedeuten, heißt es allenthalben.

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