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Donauwörth

21.06.2017

Kaserne: Bald rollen die Bagger an

Der unbebaute Sportplatz im Norden ist laut Abriss-Planer das am weitesten von den Siedlungen entfernte, geeignete Gebiet für den Betonbrecher. Die An- und Abfahrt der Bau- und Lastfahrzeuge erfolgt über die herkömmlichen Wege – aus Richtung Zirgesheimer Straße beziehungsweise über die Jura- und Sternschanzenstraße.
Bild: BMA

Die Gebäude und Straßen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Donauwörth sollen bis Ende 2018 ganz verschwunden sein. Die Anwohner machen sich Sorgen um Lärm und Verkehr.

Die Luft stand an diesem stickig-schwülwarmen Dienstagabend im Haus der Begegnung in der Parkstadt. Die Stadt Donauwörth gab Wasser an die gut 80 bis 100 gekommenen Bürger aus – und das bestimmt nicht nur, weil die Organisatoren eine hitzige Debatte erwartet hatten. Das Thema indes gab einigen der hier versammelten Anwohnern rund um die stillgelegte Delp-Kaserne durchaus Grund zur Sorge. Es ging um die anstehenden Abrissarbeiten auf dem 30 Hektar großen Militärareal. Sie sollen entweder am 14. oder spätestens 21. Juli beginnen. Die Bürger beschäftigte dabei vor allem die Frage, wie sehr sie von dem Großprojekt Abriss direkt betroffen sein werden. Der Abend ergab: Ja, es wird Lärm und Baustellenverkehr geben – beides solle aber für alle Seiten tragbar sein. Doch wie konkret gestaltet sich jene künftige Großbaustelle?

Joachim Knüpfer vom Harburger Planungsbüro HPC hätte kaum Grund, den Anwohnern rund um die Kaserne etwas vorzumachen. Er kennt wohl die meisten der versammelten Bürger – sie sind seine Nachbarn, er selbst wohnt am Schwedenring. Knüpfer erklärt, wie die Abrissarbeiten der bestehenden Gebäude, Bunker und Panzerstraßen vonstattengehen sollen. Hierzu gibt es einen klaren Zeitplan, an den sich die Baufirmen zu halten hätten. Für den 14. Juli ist der Abrissbeginn vorgesehen, bis zum 31. Dezember 2018 soll alles platt gemacht und entsorgt sein, also – wie es Knüpfer ausdrückte – „eine grüne Wiese“ für die Wohnbebauung entstehen.

Hierbei gehe es, so der Donauwörther Fachmann, um ein breit angelegtes „Flächenrecycling“. Es kämen nicht einfach Bagger mit Abrissbirnen. Die Baustoffe müssten fein säuberlich getrennt und gelagert werden. Für Letzteres würden bis zuletzt die großen Fahrzeughallen in Richtung Dr.-Löffelad-Straße genutzt werden. Knüpfer versicherte, dass bedenkliche Materialien wie Asbest ohne Auswirkungen auf die Nachbarschaft abgetragen würden.

Asbest ist auf dem Gelände etwa in Hunderten alten Dachziegeln enthalten. Diese würden händisch abgetragen, in Folien verpackt und auf Paletten zur Deponie Binsberg gebracht. Merkliche Kontaminationen oder Verseuchungen gebe es auf dem Gelände laut mehrerer Untersuchungen nicht. Wenn überhaupt, dann seien Ölrückstände im Boden bei den alten Tankstellen zu erwarten – „aber nicht mehr als anderswo, wenn Tankstellen abgerissen werden“. Chemikalien wie beispielsweise 250 Kilogramm Kühlflüssigkeit (Frigen) habe man geortet, die würde abgepumpt und ebenfalls gesondert entsorgt – genauso, wie etwa Leuchtfarbe an diversen Wänden. Die Bundeswehr sei in der Regel anständig mit den Militärarealen umgegangen, anders als vielerorts die Besatzungstruppen, wie Knüpfer berichtet. Kampfmittelfunde seien daher nicht zu erwarten. Untersuchungen hierzu müssten trotzdem stets durchgeführt werden.

Eine Mammutaufgabe wird derweil der Abbruch. 40000 Tonnen Betonbruch sind zu erwarten, zum Beispiel aus den alten Panzerstraßen. Ein großer Teil davon könne, so Knüpfer, vor Ort bleiben, als unbedenkliches Auffüllmaterial. Dies erspare zudem den Abtransport von 3000 Lastwagenladungen Bauschutt. Keine Frage sei unterdessen, dass das Brechen des Betons an Straßen und Gebäuden Lärm macht. Der Betonbrecher werde daher an den äußersten Nordrand der Kaserne mit maximalem Abstand zur Wohnbebauung gestellt. Die Abrissarbeiten erfolgten zudem wochentags und „zu normalen Arbeitszeiten. Der Höchstwert von 55 Dezibel an der nächstgelegenen Wohnbebauung werde eingehalten. Auch sei der Betonbrecher nicht pausenlos im Einsatz. Er werde im Turnus ein bis zwei Wochen laufen, dann wieder fünf bis sechs Wochen nicht.

Auch wenn viel von dem unbelasteten Schutt als Auffüllung vor Ort bleiben kann – gut 3000 Lastwagenladungen werde man abtransportieren müssen, was aber laut Knüpfer „nicht zu viel ist für die Größenordnung“ der Baustelle.

Indessen befürchteten am Dienstagabend einige der versammelten Bürger, dass sich die bislang unbebauten Abstände zur Siedlung (hier geht es um die gut 80 Meter Abstand in Richtung Dr.-Löffelad-Straße) verringern könnten. Oberbürgermeister Armin Neudert und Stadtbaumeister Kay Wannick gaben an, dass solche Planungen nicht vorgesehen seien. Überdies: Mit der Asyl-Erstaufnahme, die bis Ende 2019 auf dem Gelände in Betrieb sein wird, ergäben sich, wie Experte Knüfer sagte, „keine Berührungspunkte“.

Auf weitere Nachfragen hin erläuterte OB Neudert, dass es noch keine Detailplanungen zur künftigen Bebauung gebe – auch, was einen eventuellen Ausbau der Zufahrtswege zum „Alfred-Delp-Quartier“ betreffe. Aktuell laufe ein weiterer Architektenwettbewerb. Ergebnisse der Bürgerwerkstatt und des mit den Bürgern abgehaltenen Symposiums (wir berichteten) würden jedoch in die künftigen Planungen integriert. Zudem so Neudert, werde die Stadt „weitere Begegnungen“ mit den Bürgern organisieren. Ansprechpartner bei Fragen zum Abriss sei neben der Stadtverwaltung auch Planer Joachim Knüpfer beim Büro HPC in Harburg.

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