1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Keine Toleranz beim Kinderschutz

Jugendarbeit

29.07.2014

Keine Toleranz beim Kinderschutz

Wer ehrenamtlich in Vereinen oder Organisationen Jugendarbeit leisten will, muss mittlerweile ein sogenanntes „erweitertes Führungszeugnis“ vorlegen. Damit will der Staat Kinder und Jugendliche besser schützen. Das neue Gesetz aber ist heftig umstritten und wird auch im Landkreis kontrovers diskutiert.
Bild: Tobias Kleinschmidt/dpa

Wer in der Jugendarbeit tätig ist, braucht ein erweitertes Führungszeugnis. Das schafft jede Menge Bürokratie. Der Landkreis will den Vereinen helfen.

Donauwörth/Nördlingen Es wird bereits seit geraumer Zeit heftig und kontrovers diskutiert: das sogenannte „erweiterte Führungszeugnis“, das der Gesetzgeber inzwischen von Ehrenamtlichen fordert, die in ihren Vereinen und Organisationen Jugendarbeit leisten. Grundlage hierfür bildet das novellierte Bundeskinderschutzgesetz aus dem Jahr 2012, mit dem Ziel, einschlägig vorbestrafte Personen aus der Jugendarbeit fernzuhalten.

Damit soll dem Schutzbedürfnis jener Kinder und Jugendlichen Rechnung getragen werden, die außerhalb der Familie ein besonderes Verhältnis zu Dritten aufbauen, heißt es in den Bestimmungen des Gesetzes. Zu bürokratisch sei es und verursache einen riesigen Aufwand, lauten unterdessen die Kritikpunkte aus Vereinen und ehrenamtlich tätigen Organisationen. Auch der Nutzen wird mitunter in Zweifel gezogen. Im Unterschied zum einfachen Führungszeugnis sind in der erweiterten Bescheinigung unter anderem Verurteilungen wegen Sexualstraftaten, Verletzungen der Fürsorge- und Erziehungspflicht oder Misshandlungen von Schutzbefohlenen ersichtlich.

Auch der Donau-Ries-Kreis ist keine Insel der Seeligen, was sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche betrifft. Laut Polizeistatistik wurden im vergangenen Jahr 23 Fälle sexuellen Missbrauchs registriert. Im Jahr zuvor waren es noch weniger als zehn. Die Dunkelziffer sei hier sehr hoch, weshalb man von wesentlich mehr Übergriffen ausgehen müsse, betonte die kommunale Jugendpflegerin des Landkreises, Barbara Rembold, im Kreis-Jugendhilfeausschuss, der sich zu seiner ersten Sitzung der neuen Wahlperiode traf und dieses sensible Thema behandelte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Landrat Stefan Rößle betonte, er könne nachvollziehen, dass der Bundestag angesichts einer gestiegenen Zahl von sexuellen Übergriffen gegen Kinder das Gesetz angepasst habe. „Wir haben zur Umsetzung innerhalb der Verwaltung eine Lösung gefunden, wie die Vorgaben möglichst unbürokratisch umgesetzt werden können“, sagte Rößle vor dem Hintergrund der Bedenkenträger.

Den Weg, bei dem den Kommunen eine wichtige Rolle zukommt, zeigte Rembold auf: Das Kreisjugendamt schickt den Verantwortlichen der Vereine und freien Träger, die Jugendarbeit anbieten, eine Kooperationsvereinbarung. Darin verpflichtet sich der Vorsitzende, in der Jugendarbeit nur Personen einzusetzen, die ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen können. Das Dokument müssen die Jugendbetreuer selbst über die Gemeinde beim Bundeszentralregister beantragen. Kosten entstehen nicht.

Nach Erhalt des Papiers soll der Betroffene zu seiner Gemeinde gehen, wo eine Amtsperson Einsicht in das Führungszeugnis nimmt. Diese prüft die darin enthaltenen Angaben und stellt eine Bescheinigung aus, dass gegen die Person kein „Tätigkeitsausschluss“ (so der Fachjargon) vorliegt und er Kinder und Jugendliche im Verein betreuen kann.

Enthält das Dokument allerdings Einträge über einschlägige Vorstrafen, wäre die Kommune verpflichtet, dies dem Vereinsvorstand zu melden, der die betreffende Person daraufhin nicht in der Jugendarbeit einsetzen darf. Alle fünf Jahre muss das erweiterte Führungszeugnis neu beantragt und vorgelegt werden.

Der Weg über die Gemeinden werde deshalb eingeschlagen, weil ehrenamtlich Tätige wiederholt Bedenken geäußert hätten, den Vereinsvorständen Einsicht in Führungszeugnisse zu gewähren, so Jugendamtsleiter Alfred Kanth. Diese seien im Gegensatz zu Amtspersonen dem Datenschutz gesetzlich nicht verpflichtet und könnten möglicherweise vertrauliche Angaben nach außen geben.

Ob Sport- oder Schützenverein, Feuerwehr oder Musikkapelle: Für die Vorsitzenden heißt es künftig, ihre Jugendbetreuer zum Gang auf die Stadt- oder Gemeindeverwaltung anzuhalten.

Bis es soweit ist, werden Kanth zufolge eine ganze Reihe von Informationsveranstaltungen in den Landkreis-Kommunen stattfinden. Im September will der Landrat mit den Bürgermeistern das Thema ausführlich besprechen und sie um ihre Mithilfe bitten. Auch würden die notwendigen Formulare zusammengestellt und zu gegebener Zeit als Downloads auf die Homepage des Landkreises gestellt. Ein Zeitfenster, innerhalb dessen das Ganze umgesetzt werden muss, gibt es indessen nicht.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_2496(1).tif
Harburg

Wann wird in Harburg gebaut?

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen