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Genderkingen

24.06.2019

Kürbisse und Kerne: Dieser Bauer experimentiert mit neuen Produkten

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Michael Böck auf dem feld in Genderkingen. Die Böcks experimentieren gerne – sie legen Wert auf eine regionale und nachhaltige landwirtschaftliche Produktion. Das wissen immer mehr Kunden, beziehungsweise Bäckereien, inzwischen zu schätzen.

Plus Julia und Michael Böck wollen ihren Betrieb ganz auf biologischen Anbau umbauen. Sie experimentieren dabei mit interessanten Sorten – das scheint sich mittlerweile auszuzahlen.

Wenn die Kunden einer ganz bestimmten Bäckerei in Augsburg in ein dort erworbenes „Tessiner Landbrot“ beißen, dann haben sie wohl das Gefühl, irgendwo in der Südschweiz zwischen Bellinzona und Luganer See unterwegs zu sein. Das nussig-aromatische Weizenbrot ist der Schlager der Bäckerei, die ganz auf Qualität setzt. Die gerösteten Kürbiskerne, die die Kruste dieses Brotes besonders schmackhaft machen, stammen aber nicht aus den Alpen, sondern von Landwirt Michael Böck aus Genderkingen.

Früher kamen die Sorten aus China, heute aus der Region

Früher hat die Bäckerei ihre Kürbiskerne wie auch andere Saatprodukte aus China oder von osteuropäischen Anbietern bezogen. Ein Zufall brachte Michael Böck und die Bäckermeister-Brüder Wolf zusammen. Schnell war klar: Die Chemie zwischen beiden stimmt.

Die Kerne steirischer Kürbisse wachsen auch in Genderkingen.

Die Bäckerei in Augsburg war immer schon daran interessiert, Produkte aus heimischem Anbau in ihren Backwaren zu verarbeiten. Aber mangels Angebot sei das lange nicht möglich gewesen, erzählt Böck, der sich mit seiner Frau Julia ein Ziel gesetzt hat: „Möglichst viel biologisch anbauen.“ So ganz ist es den beiden noch nicht geglückt, doch immerhin einige Hektar der zu bewirtschaftenden Fläche werden schon nach biologischen Gesichtspunkten angebaut.

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Der Betrieb musste Lehrgeld bezahlen

„Wir haben mit den Jahren natürlich auch Lehrgeld gezahlt“, blickt der 39-Jährige auf die Anfänge zurück. Es sei ihm nach dem Abschluss der Technikerschule immer deutlicher geworden, „neue Wege gehen zu müssen“. Zug um Zug soll der einst elterliche Betrieb nun umgebaut werden, ganz nach der Devise: „Ich will gute Nahrungsmittel produzieren und keinen Strom.“

Weil die Bäckermeister in Augsburg Sonnenblumenkerne benötigten, baute Böck Sonnenblumen an, investierte viele Stunden, um hinter die Geheimnisse des erfolgreichen Anbaus zu kommen, musste dann aber auch nach dem Einsatz von Muskelkraft und teuren Spezialmaschinen feststellen, dass sein Produkt zu teuer war. Seine Partner wollten zwar den hohen Preis für die bessere Qualität bezahlen, doch die Böcks erkannten, dass in der Sonnenblume langfristig nicht ihre Zukunft stecken würde.

Eigens Tröpfchenbewässerung eingerichtet

Auch der zweite Streich war nicht von Erfolg gekrönt: Böck baute nun Salat an – Salat, den der Bäcker für sein Angebot in der Imbisstheke bisher ebenfalls aus dem Ausland importiert hatte. Böcks Salat aus Genderkingen war der Hit, aber alsbald zeigte sich: Auch der tolle, biologisch angebaute Salat war nicht konkurrenzfähig – weil er einfach zu teuer war. Dabei hatte der Landwirt eigens eine Tröpfchenbewässerung ins Feld gebaut und das Gemüse mit Gewebeflächen abgedeckt.

„Wir haben uns aber nicht unterkriegen lassen“, lacht Böck. Die Rückschläge haben ihn nicht gehindert, weiterhin experimentierfreudig zu sein. Er besorgte sich Saatgut und brachte auf fünf Hektar Fläche den Samen für Steirische Kürbisse aus. Schnell habe sich gezeigt, dass Kürbisse hervorragend für eine biologische Bewirtschaftung geeignet seien. Ein Fachmann aus Österreich wurde gerufen und für teures Geld verriet er, was man beim Kürbis-Anbau beachten muss.

Julia Böck mit dem Endprodukt, dem Ergebnis harter Arbeit.

Bisher mussten die Kürbiskerne von einer Fremdfirma getrocknet werden. Doch in diesem Jahr wollen sich die Böcks eine eigene Trocknungsanlage anschaffen, denn der Bedarf steigt: Inzwischen gibt es eine zweite Bäckerei, deren Kunden die Kürbiskerne aus Genderkingen schätzen. In einem Kühlcontainer im Stadel wartet die Ware bei neun Grad auf Abruf.

Auch Felder mit Lein haben die Böcks angelegt, und zuletzt ein Mohnfeld. Das sei aber gar nicht so einfach gewesen. „Wir mussten sogar ein Zertifikat der Bundesopiumstelle erwerben“, sagt Julia Böck. Es müsse sichergestellt sein, dass man morphiumarme Sorten anbaue. Mohn sei aber auch ein Produkt, das Bäckereien vermehrt verarbeiten.

Die Idee: eine „kreative Landwirtschaft“ betreiben

Dass die Konkurrenz die Aktivitäten der Landwirts-Jungfamilie mit Argusaugen verfolge, stört diese nicht. Sie wollen eine kreative Landwirtschaft betreiben, „was nicht so einfach ist“. Denn die Kokurrenz in anderen Ländern könn wegen deren billiger Arbeitskräfte wesentlich günstiger produzieren. Aber sie wollten durch Regionalität punkten. Das sei aber nur möglich, „weil alle kräftig mithelfen“. In der vergangenen Woche wären Familie und Freunde einige Tage damit beschäftigt gewesen, das Kürbisfeld in einer schweißtreibenden Hackaktion von Unkraut zu befreien.

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