Die Entscheidung des Rainer Stadtrats, Geschäften an bis zu 40 Sonntagen im Jahr die Möglichkeit zur Öffnung zu geben, schlägt hohe Wellen. Vonseiten der Gewerkschaften und der Kirche gibt es dafür heftige Kritik. Die Gewerkschaft Verdi bezeichnet die Vorgänge in der Tillystadt gar als „Modell der Schande“.
Rain stehe künftig als Vorreiter für beschäftigungs- und familienfeindliche Arbeitszeiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. Werner Gottwald, evangelischer Pfarrer in Rain, ist über die Entscheidung nicht glücklich. „Ich stehe dem Ganzen sehr kritisch gegenüber“, so der Geistliche. Der wirtschaftliche Aspekt rücke eindeutig in den Vordergrund, während der Sonntag weiter ausgehöhlt werde. „Letzterer ist aus unserer Sicht aber das höhere Gut“, betont Gottwald.
Das sieht Bürgermeister Gerhard Martin (SPD) anders. Seiner Meinung nach wird die Stadt dadurch „nicht in negatives Licht gerückt“.
Der ganzen Debatte vorausgegangen war ein Beschluss im Landtag im Herbst vergangenen Jahres, mit dem Rain in eine Liste von Ausflugsorten mit besonders starkem Fremdenverkehr aufgenommen wurde. Ein entsprechender Antrag sei vor mehreren Jahren auf Initiative der heimischen Wirtschaft gestellt worden, berichtet Martin. Laut der Gewerkschaft Verdi, die sich auf gut informierte Kreise beruft, sei dies „einzig und allein“ auf das Bestreben der Firma Dehner hin geschehen.
In der Stadtratssitzung am Dienstagabend wurde nun über den Ladenschluss abgestimmt. Mit einer Gegenstimme wurde eine neue Verordnung beschlossen. Das Interessante an der Sache: Nicht alle Läden können von der neuen Regelung Gebrauch machen. Denn an den Sonntagen darf nur ein bestimmtes Warensortiment verkauft werden. Dabei soll es sich vornehmlich um Blumen, Souvenirs und „ortsspezifische Produkte“ handeln. Großer Profiteur wäre dann die Firma Dehner.
Aber das Gartencenter scheint nach den Protesten nun zurückzurudern. Wie Dehner nun in einer Pressemiiteilung erklärt, soll auf weitere Sonntagsöffnungen verzichtet werden. Noch in der vergangenen Woche war die Geschäftsführung beim Betriebsrat vorstellig geworden und hatte andere Pläne präsentiert. Das Unternehmen hätte alle möglichen Sonntage ausschöpfen wollen, sagt Gerhard Feda, Betriebsratsvorsitzender der Dehner Zentrale in Rain. Die Vertretung der Beschäftigten hat ihre Zustimmung zu diesem Vorhaben der Geschäftsführung verweigert. Scheibar mit Erfolg: Die Dehner-Geschäftsführung akzeptiere das Votum des Betriebsrats, heißt es in einer Pressemitteilung der Firma. Dehner bedauere jedoch die Entscheidung, weil damit die Chance auf eine weitere Stärkung des Blumenparks als Erlebniszentrum in der Region nicht genutzt werden kann.