1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Unerlaubte Bäumfällungen an der Deponie

Holzheim

25.05.2018

Unerlaubte Bäumfällungen an der Deponie

Copy%20of%20DSC_2805(1).tif
2 Bilder
Die Fläche rechts des Bauzauns gehört einer Käufergemeinschaft von zwölf Privatpersonen. Auf diesem Teilstück wurden nun zahlreiche Bäume gerodet.
Bild: Wenzel

Die Bürgerinitiative ist empört und erstattet Anzeige bei der Polizei. Wie man den Sachverhalt dort bewertet und was die Lech-Stahlwerke zu den Vorwürfen sagen.

Wer von Westen her nach Holzheim fährt, der kann einige hundert Meter vor dem Ortsschild rechterhand rege Bautätigkeit beobachten. Die Lech-Stahlwerke (LSW) aus Herbertshofen sind gerade dabei, eine ehemalige Sandgrube soweit herzurichten, dass dort bald ihre Deponie für Elektroofenschlacke entstehen kann.

Doch dem Unternehmen gehört nicht das ganze Gelände „Am Roten Brunnen“. Ein Flurstück, das unmittelbar südlich an der für die Deponie vorgesehen Fläche angrenzt und auf dem auch die Kapelle „Maria Hilft“ steht, ist im Besitz einer Käufergemeinschaft – bestehend aus zwölf Privatpersonen. Auf deren Grundstück wurden kürzlich mehrere Bäume gefällt. „Der Bereich um die Kapelle war umringt mit meterhohen Bäumen und voll bewachsen. Es gab einen regelrechten Kahlschlag“, ist Marianne Höß empört. Sie ist Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Holzheim, die zusammen mit den Gemeinden Holzheim und Münster jahrelang gegen die Schlackendeponie gekämpft hatte.

Für die BI ist der Verursacher klar

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der BI liegen Fotos vor, auf denen ein Bagger auf dem Grundstück der Käufergemeinschaft zu sehen ist. Der Verantwortliche für die Baumfällungen ist für die Deponiegegner klar: die Lech-Stahlwerke. „Die haben da nichts zu suchen“, betont Höß. Die Firma habe einst vergessen, diesen Bereich zu kaufen. Der werde aber für die Umsetzung der Deponie benötigt.

Diese sei wie eine Wanne angedacht, erklärt Helmut Zeilinger, der ebenfalls der BI angehört. „Aber an der Südseite fehlt die Böschung, also sozusagen die Rückwand der Wanne.“ Doch die Firma tue nun einfach so, als gehöre ihre diese Fläche auch und bereite dort ebenfalls die Deponie vor. Laut Zeilinger die übliche Taktik von LSW-Chef Max Aicher: „Es werden zuerst Tatsachen geschaffen und dann gehofft, dass man damit durchkommt.“ Auch Höß sieht hier ein weiteres Beispiel, dass sich die LSW nicht an Regeln halte. Sie fordert, dass die Genehmigung für die Deponie zurückgenommen wird. „So ein Unternehmer darf niemals Betreiber einer privaten Deponie sein. Das könnte in einer Umweltkatastrophe enden.“

Ermittlungen wegen Sachbeschädigung

Fakt ist, dass Mitglieder der Käufergemeinschaft am Tag nach der Baumfällaktion bei der Polizei in Rain Anzeige erstattet haben. Wie Inspektionsleiter Ralf Schurius auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, geht es in diesem Fall um Sachbeschädigung: „Tatsache ist, dass auf einem fremden Grundstück Bäume umgemacht wurden.“ Im Fokus der Beamten stehe dabei nicht der Baggerfahrer, sondern das Stahlwerk aus Herbertshofen. „Ansprechpartner für uns ist derjenige, der die Maßnahme angeschafft hat. Deswegen haben wir uns an die Lech-Stahlwerke gewandt“, so Schurius. Deren Rechtsabteilung habe sich des Themas angenommen. Die PI Rain habe jedenfalls die Sachbeschädigung bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht.

Bei den Lech-Stahlwerken dagegen weist man jede Verantwortung und Kenntnis von sich. Man sei vom Landratsamt über die Rodungsarbeiten auf dem Teilstück informiert worden, teilt Unternehmenssprecher Markus Kihm mit. Die LSW hätten gegenüber der Kreisbehörde eine Stellungnahme abgegeben und dabei klargestellt, „dass wir keinen Auftrag für Arbeiten auf diesem Teilstück erteilt haben. Dass es dort dennoch zu Rodungsarbeiten gekommen ist, bedauern wir“.

Die Käufergemeinschaft fordert neben der Aufklärung der Tat auch den Rückbau und die Neubepflanzung mit Bäumen in der Höhe, wie sie zuvor im Bestand waren (rund acht Meter). Des Weiteren müsse der Wert des gerodeten Holzes erstattet werden. Der Arten- und Naturschutz sei ebenfalls nicht beachtet worden. Deshalb wird auch eine Wiederansiedlung der getöteten Tiervorkommen verlangt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Harburg_Mystik_Darsteller.tif
Spektakel

Wo schwarze Beulen aufgeschnitten werden

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen