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Landwirtschaft

11.11.2015

Zu viele Schweine auf dem Markt

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Johann Ertl

Experte des Bauernverbands spricht in Sulzdorf über den Preisverfall und sagt, was der BBV dagegen tut

2015 ist ein schwarzes Jahr für die Schweinehalter. Die Preise bewegen sich auf einem Tiefstand und die Aussichten, dass sich die Situation im kommenden Jahr verbessert, sind nicht sehr gut, sagen Experten. Von der Misere sind natürlich auch die Landwirte im Landkreis Donau-Ries betroffen. Immer häufiger wird in diesem Zusammenhang Kritik seitens der Bauern an ihrer Interessensvertretung, dem Bayerischen Bauernverband (BBV), laut. Er würde sich zu wenig für die Belange seiner Mitglieder einsetzen, gerade jetzt in der schwierigen Lage bei den Schweinemästern und Ferkelerzeugern, heißt es.

Der Kreisverband des BBV im Landkreis hat deshalb zu einer Informationsveranstaltung nach Sulzdorf eingeladen, um dazu die Meinung von Johann Ertl vom Generalsekretariat des BBV in München zu hören und mit ihm zu diskutieren. Von dem Verbandsfunktionär versprachen sich die rund 50 Landwirte, die nach Sulzdorf gekommen waren, Unterstützung, wie der misslichen Lage auf dem Schweinemarkt begegnet werden könne. Des Rätsels Lösung konnte Ertl freilich nicht bieten. Er machte jedoch deutlich, dass der BBV alles tue, um Verbesserungen für die Schweinehalter vor allem auf politischer Ebene zu erreichen.

Der Referent zeigte die Hauptursachen für die augenblicklich schwierige Lage auf: Zum einen sei das Schlachtaufkommen massiv gestiegen. Mit anderen Worten: Es gibt zu viele Schweine auf dem Markt. Zweitens gebe es Probleme auf den Exportmärkten, besonders in Russland. Hier wirkten sich die EU-Sanktionen aus. Drittens bestünde in Deutschland eine erhebliche Nachfrageschwäche nach Schweinefleisch, so Ertl. Mittlerweile gebe es einen immer größeren Anteil innerhalb der Bevölkerung, der Schweinefleisch meide. Außerdem laufe eine „permanente Medienkampagne“ für weniger Fleisch, bis hin zu Empfehlungen, sich vegetarisch oder gar vegan zu ernähren.

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Um dem Negativtrend auf dem Schweinemarkt zu begegnen, versuche der Bauernverband, Einfluss auf das Marktgeschehen zu nehmen, sagte Ertl und beugte damit Vorwürfen vor, der BBV tue zu wenig. Einen Erfolg habe man mit den Liquiditätshilfen für die Schweinehalter aus einem EU-Hilfspaket erzielen können. Wichtig wäre es zudem, auf Erzeugerseite alle an einen Tisch zu bekommen und vor dem Hintergrund der schlechten Marktlage nach Lösungen zu suchen.

Weiterhin von großer Bedeutung sei die Öffentlichkeitsarbeit. Wichtig dabei wäre, so Ertl, in den direkten Dialog mit dem Verbraucher zu treten und ihn beispielsweise über die häufig kritisierte Tierhaltung zu informieren und zu erklären, wie diese wirklich erfolge. Ein gutes Mittel hierfür sei der mobile Schweinestall. Dadurch gelinge es vielleicht, wieder mehr Menschen zum Verzehr von Schweinefleisch zu bewegen.

Auch gegenüber der Politik melde sich der BBV zu Wort und versuche, die politischen Entscheidungen positiv für die Landwirtschaft zu beeinflussen. Es fänden zahlreiche Gespräche zwischen den Verbandsfunktionären des Bauernverbandes mit der Politik in Brüssel, Berlin und München statt. Das eine oder andere werde dabei auch erreicht.

Karlheinz Götz, stellvertretender Kreisobmann des BBV, hielt in Sulzdorf mit seiner nüchternen Erkenntnis nicht hinter dem Berg, trotz aller Aktivitäten innerhalb des Verbandes stiegen die Preise für Schweinehalter nicht. Götz sieht bei einer anhaltenden Preismisere die Gefahr, dass immer mehr Betriebe aufgeben würden.

Kreisobmann Karl Wiedenmann kritisierte in Sulzdorf scharf jüngste Presseveröffentlichungen, wonach der Verzehr von Wurst und Fleisch nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO Krebsrisiken mit sich bringe. „Solche Meldungen haben keinerlei Fundament und führen nur zur Verunsicherung der Bevölkerung“, sagte Wiedenmann. Wie angespannt die Preissituation auf dem Schweinemarkt sei, machte der Obmann an einem aktuellen Beispiel deutlich. Derzeit koste ein Mastschwein rund 140 Euro inklusive Steuer. Normal wären 200 Euro.

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