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Tischtennis

13.12.2019

Wolfgang Römer: „Mentale Stärke“ auch im 1000. Spiel

Der 54-jährige Wolfgang Römer spielt mit der ersten Mannschaft des TSV Rain in der Landesliga. Auch nach fast 1000 Spielen hat er die Spielfreude am Tischtennis nicht verloren.
Bild: Simon Bauer

Tischtennisspieler feiert mit dem TSV Rain besonderes Jubiläum. Über Erfolge, einen platzenden Ball und wie man auch mit über 50 noch auf hohem Niveau spielt.

Am Samstag (18.30 Uhr) bestreiten Sie Ihr 1000. Spiel. Was bedeutet Ihnen das?

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Wolfgang Römer: Die Zahl 1000 ist schon so eine Art Schallmauer – ich bin der erste in unserer Abteilung, der diese erreicht, und uns gibt es nun schon seit 1967. Natürlich freue ich mich über dieses Jubiläum, bin aber vor allem dankbar, dass ich über all die Jahre nur selten krank oder verletzt war, denn sonst käme ich jetzt nicht auf so viele Einsätze.

Bei so vielen Spielen müssen Sie schon früh mit dem Tischtennis begonnen haben...

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Römer: Ich habe als Achtjähriger daheim im Keller mit meinem Vater das erste Mal den Schläger in der Hand gehabt. Mit neun bin ich Ende 1974 zum ersten Mal ins Vereinstraining beim TSV Rain – unter Trainerlegende Konrad Petrich – und habe am 9. April 1976 zusammen mit drei Freunden den Spielerpass erhalten. Zu diesen Freunden gehörte auch Roland Wittmeier, mit dem ich heute noch in einer Mannschaft zusammen spiele. Da war ich noch nicht ganz elf Jahre alt.

Was fasziniert Sie an dem Sport, was ist die Besonderheit?

Römer: Tischtennis ist ja Einzel- und Mannschaftssport zugleich. Im Spiel bin ich auf mich gestellt, muss im Duell „Mann gegen Mann“ versuchen, die eigenen Stärken so gut wie möglich zur Geltung zu bringen und die Schwächen des Gegners auszunutzen. Da es im Tischtennis sehr unterschiedliche Spielertypen gibt und die Spielweise auch sehr stark mit dem verwendeten Schlägerbelag zusammenhängt, ist jedes Spiel eine neue Herausforderung. Trotzdem spielt man nicht nur für sich selbst, sondern freut sich in der Mannschaft gemeinsam über den Erfolg jedes Einzelnen.

Sie sind dem TSV Rain seit jeher treu geblieben. Was waren Ihre größten sportlichen Erfolge?

Römer: Das erste Highlight war der schwäbische Vizemeister-Titel mit der Schülermannschaft im Jahr 1978. Mit den Herren erlebte ich vier Aufstiege: in die Schwabenliga I/Bezirksoberliga/1. Bezirksliga/Landesliga WSW (1994, 1998 und 2019 mit der Ersten, 2004 mit der Zweiten) und ein Aufstieg in die Landesliga Südwest im Jahr 2001. Besonders gern erinnere ich mich daran zurück, dass ich 1991 und 1992 in der Leistungsklasse B zweimal schwäbischer Meister im Doppel geworden bin, jeweils zusammen mit meinem damaligen Teamkameraden Günter Traumann.

Was ist Ihnen in den vielen Jahren im Tischtennis unvergessen geblieben?

Römer: Unvergessliche Momente waren vor allem wichtige Spiele, wie die um den Aufstieg: 1994 verloren wir 7:9 gegen den SV Adelsried II, aber der TSV Wemding verhalf uns im letzten Saisonspiel mit einem sensationellen 9:7 in Adelsried doch noch zur Meisterschaft. Dazu 1997 das Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft von Sri Lanka. Wir verloren 1:9, ich holte den Ehrenpunkt für den TSV.

Haben Sie auch Kurioses erlebt?

Römer: In der Jugend waren das vor allem ungewöhnliche Spiellokale. Etwa ein ehemaliger Kindergarten in Aichach: Auf der einen Seite eiskalt, in der anderen Ecke bullerte ein Kanonenofen – ein Ball, der dorthin flog, zerplatzte direkt beim Aufprall durch die Hitze… . Bei den Herren denke ich noch lebhaft an ein Heimspiel im Jahr 2000 in der Bezirksoberliga gegen den Post-SV Augsburg III zurück. In unserer Grundschulturnhalle fiel kurz vor dem Spiel der Strom aus. Ein kurzfristig alarmierter Aktiver unserer Abteilung, der Elektriker war, zog sich beim Versuch, etwas zu reparieren, eine stark blutende Schnittwunde am Arm zu und musste in die Notaufnahme gebracht werden. Zum Glück hatte ich den Schlüssel für die Dreifachturnhalle, wo für Turniere Tische eingelagert waren. Wir führten das Spiel dort durch. Die Augsburger waren von dem Chaos scheinbar stärker betroffen als wir, jedenfalls gewannen wir das Spiel mit einem nie erwarteten 9:0.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten kann man im Tischtennis mit Mitte 50 noch auf ebenso hohem Niveau spielen wie mit Mitte 20. Wie ist das möglich?

Römer: Dass man im Tischtennis so lange sein Niveau halten kann, hat zum einen damit zu tun, dass der Sport wenig verletzungsanfällig ist, weil es keinen direkten Gegnerkontakt gibt. Im Vergleich zu Fußball, Handball oder Basketball erfordert es das Spiel nicht ständig, Sprints über 20, 30, 40 Meter anzuziehen, was ja mit zunehmendem Alter immer schwerer fällt. Kurze, schnelle Bewegungen zur Seite oder nach hinten/vorne sind auch in meinem Alter noch drin. Und was an Spritzigkeit und Reaktion vielleicht etwas nachlässt, kann man bis zu einem gewissen Grad durch mentale Stärke und Taktik ausgleichen.

Ihr 1000. Spiel geht gegen Tabellennachbar Nordendorf. Wie wichtig ist das Spiel für die Mannschaft und wie lautet Ihre Prognose für den Spielausgang?

Römer: Aus meiner Sicht ein ganz wichtiges Spiel zum Vorrundenabschluss. Der SV Nordendorf hat zwei Punkte mehr als wir; sollten wir 9:6 oder höher gewinnen, würden wir den Lokalrivalen überholen und uns etwas Luft zu den Abstiegsrängen verschaffen. Daheim sollte man so ein Spiel eigentlich gewinnen; aber das hängt auch von der Aufstellung des Gegners ab. SVN-Spitzenspieler Mathias Häusler war zu Saisonbeginn verletzt, hat dann sehr gut gespielt, bei den beiden Spielen am letzten Wochenende aber wieder gefehlt. Wenn er mitspielt, wird’s deutlich schwieriger…

Sind Sie und Ihre Teamkollegen bislang zufrieden mit der Saison in der Landesliga?

Römer: Wir waren bis vor zwei Wochen ganz zufrieden, die Heimniederlage gegen den Tabellennachbarn TSG Hochzoll II liegt uns aber schon noch im Magen. Jetzt ist es wichtig, den Kopf nicht hängen zu lassen…

Was nehmen Sie sich noch für den Rest der Saison vor, es geht ja ganz schön eng zu, vor allem in der unteren Tabellenhälfte…?

Römer: Es wird mit Sicherheit eine schwierige Rückrunde werden, da wir gegen die meisten Konkurrenten (Nordendorf, Königsbrunn, Bad Wörishofen, Hochzoll II) auswärts antreten müssen. Nur Blaichach-Burgberg kommt zu uns. Ziel bleibt Platz sieben und damit der direkte Klassenerhalt ohne den Umweg über die Relegation.

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