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Fußball

30.10.2020

Zwangspause: Zwischen Frust und Verständnis im Donau-Ries-Kreis

Der TSV Rain hatte ein detailliertes Hygienekonzept erarbeitet. Das hilft nun aber auch nichts mehr, die Politik hat ab Montag muss der Amateursport einen Monat lang ruhen.
Bild: Anton Färber

Plus Für heuer ruht der Ball. Während man in Rain mit dem Verweis auf das Hygienekonzept gerne weitergespielt hätte, ist man andernorts erleichtert.

Es ist also wieder vorbei mit dem Fußball. Lange haben auch die Amateurkicker gehofft und gekämpft, um mit aufwendig erstellten Hygienekonzepten ihrem Sport auch in Pandemiezeiten nachgehen zu können. Von der B-Klasse bis zur Regionalliga Bayern haben viele ehrenamtliche Helfer keine Mühen gescheut, um die Konzepte vor Ort umzusetzen. Aber nicht einmal zwei Monate, nachdem es nach der monatelange Zwangspause ab dem Frühjahr wieder grünes Licht für den Amateurfußball gegeben hatte, steht die Ampel abermals auf Rot. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus.

Alexander Schroder ist deswegen frustriert. Der Abteilungsleiter des Regionalligisten TSV Rain erklärt: „Ich kann gerade nur den Kopf schütteln. Wir hatten 400 nummerierte Sitzplätze. Da wären Infektionsketten sehr gut nachvollziehbar gewesen. In das Konzept haben wir sehr viel Zeit investiert und es hat auch keine Probleme damit gegeben.“

Nun seien aber auch jene Hygienekonzepte Opfer der Regierungsmaßnahmen geworden, obwohl die Maßnahmen bisher sehr gut funktioniert hätten. „Fritz Bühringer, der sich bei uns als Hauptverantwortlicher um die Umsetzung dieses Hygienekonzepts gekümmert hat, hat mit seinem Team super Arbeit geleistet. Vom Einlass bis zum Sitzplatz hat da alles gestimmt“, betont Schroder.

Für den TSV Rain bedeutet die Spielpause wieder finanzielle Einbußen

Nun war das Auswärtsspiel in Buchbach am Freitagabend aller Voraussicht nach das letzte in diesem Jahr für den Regionalligisten. Das verbleibende, letzte Ligapokalspiel gegen den FC Memmingen im Dezember findet laut dem Rainer Abteilungsleiter „mit großer Sicherheit nicht statt“. Für den TSV Rain bedeutet die erneute Pause des Spielbetriebs auch finanzielle Einbußen.

Der Abteilungsleiter dazu: „Wir haben weiter Ausgaben, während die Einnahmen wegfallen. Daher gehen wir sicher mit einem Verlust raus, auch weil wir den November noch mit Zuschauern geplant haben.“ Ernstere Probleme könnten derweil auf andere Konkurrenten in der Regionalliga zukommen. Schroder befürchtet: „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Vereine, die keine Rücklagen gebildet haben, durch die aktuelle Situation Schwierigkeiten bekommen.“

Auch für die Betreiber der Sportgaststätten in der Region ist der erneute Lockdown ein herber Rückschlag. Die Pächter auf dem Gelände des TSV Rain etwa sind erst seit Anfang des Jahres in der Gaststätte. Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Josef Meier, möchte den Gastronomen daher entgegen kommen: „Wir wissen um die Lage unserer Pächter und wollen diesen auch zur Seite stehen. Es ist für sie ein sehr schwieriges Jahr.“

Beim FC Staudheim war man zum Schluss hin eher genervt

Der Abteilungsleiter des A-Klassisten FC Staudheim, Dominik Sager, hätte sich eine Entscheidung in Richtung Saisonunterbrechung hingegen schon deutlich früher gewünscht: „Gerade in unseren Ligen wäre diese Entscheidung seit längerer Zeit angebracht gewesen. Das ist schon ein Unterschied zur Regionalliga, bei der ich noch verstehen kann, wenn um den Spielbetrieb gekämpft wird. Ich fand das Vorgehen in den niedrigen Klassen am Ende nicht mehr vertretbar.“ Zu Beginn habe man „den Haufen Arbeit“ gerne in Kauf genommen.

Das hätte sich dann aber relativ bald gewandelt, schildert Sager: „Nachdem immer wieder neue Regelungen dazukamen, die dann teilweise auch noch etwas widersprüchlich kommuniziert wurden, hat es irgendwann nur noch genervt.“ Zudem sei die Meinung im Team über die Spiele auseinander gegangen, sagt der Verantwortliche beim FCS, der allerdings hervorhebt: „Nach dem starken Anstieg der Corona-Fälle waren wir uns alle einig, dass es keinen Sinn macht, weiter Fußball zu spielen. Daher sind wir auch nicht besonders enttäuscht über diese Nachricht.“

Kein klares Meinungsbild gibt es beim SV Genderkingen

Etwas zwiegespalten sei die Entscheidung auch beim SV Genderkingen aufgenommen worden, teilt Abteilungsleiter Dominic Zach mit: „Es gibt einen Teil bei uns, der sehr enttäuscht ist, andere sind aber auch froh darüber.“ Allerdings hätten sich auch einige Spieler unwohl gefühlt, als sie zuletzt auf dem Platz standen, berichtet Zach. „Zuletzt hat es aber nicht mehr wirklich viel Verständnis gegeben. Als sich im privaten Raum nur noch wenige Leute treffen durften, aber Spiele weiterhin durchgeführt werden sollten, war das für uns nicht mehr nachvollziehbar“, so der Genderkinger Abteilungsleiter.

Dass die Hygienekonzepte nun für eine überschaubare Zeit ausgearbeitet wurden, sieht Zach nicht als Enttäuschung: „Auch wenn es nicht besonders viele Spiele gegeben hat, gab es für einige Fußballer immerhin die Chance, durch die Konzepte wieder ihrem Hobby nachzugehen.“

Schiedsrichterobmann moniert, dass seine Zunft zu wenig gehört werde

Dass die Politik diese Entscheidung dem Bayerischen Fußballverband überhaupt erst abnehmen musste, dafür hat Jürgen Roth keinerlei Verständnis. Roth ist Obmann der Schiedsrichtergruppe Neuburg. Man hätte bei den Verbandsoberen merken müssen, dass die Spielpläne in den jeweiligen Ligen nur mehr einem Flickerl-Teppich glichen, da sich die Absagen aus nachvollziehbaren Gründen häuften, so Roth. „Worüber ich mich bei der ganzen Thematik zusätzlich aufgeregt und geärgert habe: Wir Schiedsrichter werden seitens des BFV überhaupt nicht wahrgenommen oder gehört.“

Er habe zuletzt während der Woche mittlerweile über sieben Stunden an der Einteilung seiner noch verbliebenen Schiedsrichter, da sich durch die Absagen permanent Änderungen ergeben hätten. Da sei es kein Wunder, dass einige Unparteiische einfach keine Lust mehr hätten. Anderen wiederum sei die Gefahr aufgrund der hohen Fallzahlen einfach zu hoch gewesen. „Der gesunde Menschenverstand sagt doch, dass es am vernünftigsten ist, jetzt die Saison zu unterbrechen, anstatt mit aller Macht den Ligapokal noch durchzuziehen“, so Roth.

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