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Verkehr in Kissing

05.07.2015

23000 Fahrzeuge rollen durch Kissing

Auto an Auto und immer wieder auch Lkw: Solch ein Bild in Kissing zu schießen ist nicht schwer. Bis zu  23000 Fahrzeuge rollen täglich durch den Ort.
Bild: Schlickenrieder

Bürgermeister Manfred Wolf hat die Verkehrszahlen aktuell messen lassen und betont die Notwendigkeit einer Ortsumgehung. Dabei wäre ihm die kleine Lösung eigentlich lieber.

Wenn sich andere nach Feierabend noch entspannt auf ihre Terrasse setzen, können die Kissinger B-2-Anwohner nur alle Türen und Fenster dichtmachen. Denn zwischen 16 und 17 Uhr ist der Verkehr vor ihrer Tür am dichtesten. Das hat die aktuelle Zählung der Gemeinde Kissing ergeben. An Spitzentagen rollen 23000 Fahrzeuge an einem Tag durch den Ort.

Bürgermeister Manfred Wolf hat diese Messung nach den Pfingstferien durchführen lassen, weil er in der aufgeheizten Diskussion um die Osttangente aktuelle Zahlen wollte. Diese decken sich in etwa mit der letzten Zählung des staatlichen Bauamts aus dem Jahr 2012. Dieses hat zudem für heuer auch noch eine aktuelle Erfassung angekündigt. Mit dem Ausschlafen bei offenem Fenster sieht es nach den Ergebnissen des Kissinger Bürgermeisters übrigens auch schlecht aus: Den ersten Spitzenwert erreicht der Verkehr um 6 Uhr morgens, und bereits ab 4 Uhr zieht die Belastung auf der Straße deutlich an.

„Ich will eigentlich gar nicht von der Osttangente Augsburg sprechen. Für mich geht es um die Kissinger Ortsumfahrung. Und die brauchen wir unbedingt!“, sagt Wolf. Zu diesem Ziel stehen derzeit zwei Wege zur Debatte. Das eine ist eine große vierspurige Augsburger Osttangente, deren Bestandteil auch eine Kissinger Umfahrung wäre. Alternativ existiert aber auch noch die Planung für eine kleinere zweispurige Kissinger Ortsumfahrung, wie sie bereits seit 2003 im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans angemeldet war.

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Wie Bürgermeister Manfred Wolf offen erklärt, unterstützt er die große Osttangente vor allem aus taktischen Erwägungen: „So ist das in der Politik. Ich muss die Taube auf dem Dach verlangen, damit ich am Schluss wenigstens den Spatz in der Hand hab.“ Lieber wäre dem Kissinger Bürgermeister jedoch die kleine Umfahrung, wie sie ursprünglich geplant war. Von vielen Osttangenten-Gegnern habe er am Rande von Protestveranstaltungen ähnliche Rückmeldungen erhalten: „Die sagen: Natürlich braucht Kissing eine Umgehung. Aber diese vierspurige Autobahn, die wollen wir nicht“, berichtet der Bürgermeister.

Er selbst ist der Ansicht, dass auch eine zweispurige Variante eine ausreichende Entlastung bringen könnte, sofern sie kreuzungsfrei ausgebaut ist. Dennoch ärgert er sich wie sein Friedberger Amtskollege Roland Eichmann über das Auftreten der Osttangenten-Gegner. Vor allem die jüngste von den Grünen skizzierte Trasse mitten durch eine Schrebergartensiedlung bezeichnet er als unseriös (FA berichtete). Seiner Ansicht nach ist der Widerstand gegen die Osttangente vor Ort kleiner, als es auf den ersten Blick aussieht. „Bei der Kundgebung am Weitmannsee waren überwiegend Auswärtige, die Gruppen kamen zum Teil bis aus Königsbrunn oder Pöttmes“, sagt er. In diesen Orten, die ihre Ortsumgehung längst haben, tue man sich leicht, gegen den Straßenbau in Kissing zu protestieren, sagt er.

Als ungerecht empfindet das Gemeindeoberhaupt die Aussage der Kritiker, dass die B-2-Anwohner selbst schuld seien, weil sie an die B2 gebaut haben. „Die Häuser sind in den 50er- und 60er-Jahren entstanden. Da konnte keiner vorhersehen, wie dramatisch sich der Verkehr entwickeln würde“, sagt er. „Die Leute tun mir wirklich leid!“

Wolf appelliert eindringlich, sich die Lage Kissings vor Augen zu führen. Eine Umgehung würde nicht nur die direkten B-2-Anwohner entlasten. Eine Prognose geht davon aus, dass sich auch im Altort noch die Anzahl der Fahrzeuge um bis zu 1100 Fahrzeuge verringern würde. Kissing hat vor einigen Jahren das große Areal mit der leer stehenden neuapostolischen Kirche aufgekauft, das bis an die B2 heranreicht. Die Vision dahinter ist, dass hier einmal ein neues Kissinger Ortszentrum entstehen könnte. „Ein Dorfplatz, eine Gaststätte mit Biergartenbetrieb – vieles ist hier denkbar. Aber mit 20000 Fahrzeugen am Tag geht gar nichts!“, sagt der Bürgermeister.

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