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Aichach-Friedberg

12.01.2020

Apotheker im Landkreis schlagen Alarm: Medikamente sind Mangelware

Medikamentenmagel: Sebastian Lenhart, Leiter der Bären-Apotheke in Friedberg, sagt, für Apotheken werde es immer schwieriger, die Pflicht der Vorratshaltung zu erfüllen.
Bild: Ute Krogull

Plus Viele Menschen bekommen nicht die Arznei, die der Arzt verschrieben hat. Wie Apotheken und Praxen im Landkreis Aichach-Friedberg mit diesem Problem kämpfen.

Verunsicherte Patienten, Mehrarbeit, Ärger: Diese Stichworte fallen immer wieder, wenn es um den Lieferengpass bei Medikamenten geht. Bei jedem dritten Rezept gebe es Probleme, berichtet Gabriel Basone von der Alten Apotheke Mering. Er rät Kunden bei bestimmten Mitteln zu Hamsterkäufen.

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Aktuell sind über 270 Lieferengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet. Das reicht von Blutdrucksenkern und Antidepressiva über Krebsmedikamente, Schilddrüsenmittel und Impfstoffe bis hin zum Allerwelts-Schmerzmittel Ibuprofen.

„Die Kunden regen sich auf, weil es unvorstellbar ist, dass so etwas in einem Land wie Deutschland passiert“, erzählt Basone. Die Apotheken tun, was sie können, um die Patienten zu versorgen. Doch das kostet Zeit und Kraft: Rückfragen beim Arzt, welches Mittel als Ersatz verschrieben werden kann. Rundrufe bei Kollegen, ob jemand ein Medikament noch auf Lager hat. Nachfragen bei Großhändlern, wann wieder eine Lieferung zu erwarten ist. Notfalls der Import eines Arzneimittels aus dem Ausland – was nur mit Genehmigung der Krankenkasse möglich ist.

Apotheker im Landkreis schlagen Alarm: Medikamente sind Mangelware

Bären-Apotheke Friedberg: "Wir verwalten den Mangel"

Sebastian Lenhart, Leiter der Bären-Apotheke in Friedberg, drückt es so aus: „Wir verwalten den Mangel.“ Er schildert Beispiele aus dem Alltag: Einmal benötigten zwei Kunden nacheinander dasselbe Medikament. Einer bekam es, der nächste nicht. Ein Impfstoff gegen Gürtelrose sei drei Monate auf dem Markt gewesen, dann habe es ihn nicht mehr gegeben. Folge: Die zweite Impfphase konnte nicht vollzogen werden. „Wir Apotheker können unserer Pflicht der Vorratshaltung nicht mehr nachkommen“, beklagt Lenhart.

Mehrmals am Tag schlägt dieses Problem auch in der Dasinger Marienapotheke durch. Deren Chefin Julia Ehrl sagt: „Die Lage hat sich zugespitzt.“ Sie rät Kunden, sich rechtzeitig um ein neues Rezept zu kümmern - „nicht erst bei der letzten Tablette“. Denn bis jetzt haben ihr Team zwar für jeden Fall eine Alternative gefunden – das kann aber dauern.

Arzt in Friedberg: "Die Patienten sind verunsichert"

Ärzte sind mit demselben Problem konfrontiert. Dr. Tuncay Baytak berichtet, dass seine Patienten oft mehrere Apotheken anrufen müssen, um an ihr Medikament zu kommen. Teilweise müsse er medikamentös umstellen – und das könne zum Beispiel bei Schilddrüsen- und Blutdruckmitteln Folgen haben. Daher überwacht der Friedberger Arzt diese Patienten eine Weile lang engmaschig. „Die Menschen sind verunsichert“, berichtet er. Viele seien jahre- oder jahrzehntelang an ein Medikament einer bestimmten Firma gewöhnt. In ihrer Not bitten Patienten ihn daher oft, eine „Reserve“ zu verschreiben.

Apotheker wie Ärzte bemängeln, dass es kein tragfähiges Informations- bzw. Warnsystem gebe. So sagt Sebastian Lenhart. „Sogar wenn Sie mich heute fragen, ob ein Medikament nächste Woche wieder lieferbar ist, kann ich es nicht sagen.“ Ihm zufolge halten Firmen ihre Liefertermine nicht immer ein. Tuncay Baytak sieht hier ebenfalls ein Problem: „Ich kann nicht bei mehreren Apotheken herumtelefonieren, ob es ein Medikament vielleicht irgendwo noch gibt.“ Apotheker wie Ärzte befürchten, dass dieses Phänomen zum Dauerzustand wird. Woran liegt es?

Alte Apotheke Mering: Plötzlich kein Ibuprofen mehr

Eine Vielzahl von Faktoren hat zu der aktuellen zugespitzten Situation geführt: Einerseits steige der Bedarf auf dem Weltmarkt, etwa bei Blutdruckmitteln, erläutert Basone. Auf der anderen Seite konzentriere sich die Produktion auf verhältnismäßig wenige Standorte. Wenn dort etwas passiert, können es die anderen nicht abfangen. Der Mangel an Ibuprofen rührte von einem technischen Defekt in einem BASF-Werk in den USA her – einer von nur sechs Standorten weltweit, die das Schmerzmittel produzieren.

Auch handeln Krankenkassen Rabattverträge aus – die Unternehmen reichten jedoch Angebote ein, ohne ausreichend vorbereitet zu sein, bemängelt Basone. Über 80 Prozent der in Deutschland verkauften Medikamente werden in China und Indien hergestellt. Laut Basone droht einigen Produzenten ein Zulassungsstopp wegen der Inhaltsstoffe. Gleichzeitig sei der deutsche Markt für die Firmen nicht mehr attraktiv. In vielen anderen Ländern werde mittlerweile mehr für Arzneimittel bezahlt.

Krankenhaus Friedberg und Aichach: Nur vereinzelt Ausfälle

Wie wirkt sich das Thema auf die Kliniken an der Paar aus? Laut dem kommissarischen Geschäftsführer Georg Großhauser beziehen sie sämtliche Medikamente über die Apotheke des Universitätsklinikums Augsburg. „Genereller Mangel besteht nach unseren bisherigen Erfahrungen nicht“, so Großhauser. Vereinzelt sei es zu Lieferausfällen gekommen. Dann werde von der Apotheke der Uniklinik ein Ersatzpräparat zur Verfügung gestellt – mit dem Hinweis auf etwaige Unterschiede in der Zusammensetzung und Anwendung.

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