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Soziales

15.02.2018

Asyl wird in Friedberg zum Routine-Thema

Die Unterkünfte in Friedberg sind weiterhin voll. Wie sieht es mit Arbeit, Integration und dem Engagement Ehrenamtlicher aus?

 Bis auf zehn Plätze sind die Flüchtlingsheime in Friedberg voll belegt. Das liegt allerdings nicht daran, dass wieder viele Asylbewerber in die Stadt kommen. Vielmehr laufen nach und nach Mietverträge aus, Plätze werden reduziert und Heime zusammengelegt. Das berichtete die Integrationsbeauftragte Ulrike Proeller dem Stadtratsausschuss für Bildung, Soziales und Integration.

290 Menschen leben ihr zufolge in den acht Heimen im Friedberger Stadtgebiet. Diese liegen in der Engelschalk-, Joseph-Baumann-, Josef-Wassermann-, Marquardt- und Meringer Straße, in zwei Gebäuden an der Röntgenstraße sowie am Seldelfeldberg in Stätzling. 120 der Bewohner sind mittlerweile Bleibeberechtigte und dürften ausziehen, finden aber keine Wohnung. Sie werden als „Fehlbeleger“ bezeichnet. Auf etwa 140 Personen schätzt Proeller die Zahl derer, die in eigenen Wohnungen leben. Da es hier aber Zu- und Wegzüge aus und in andere Kommunen gibt, sei das schwer einzuschätzen. Angesichts der angespannten Situation auf dem hiesigen Wohnungsmarkt gilt die Quote als gut.

Es gibt kaum Neuzugänge in Friedberg

Laut Bürgermeister Roland Eichmann hat die Stadt unlängst zwei Familien in einfachen städtischen Wohnungen untergebracht; auch in dem Neubau der Baugenossenschaft sollen ihm zufolge einige Flüchtlinge einziehen. Neuzugänge gibt es in Friedberg laut Eichmann aktuell kaum, obwohl die Asylbewerberzahlen landkreisweit wieder etwas zunehmen. Grund: Die Stadt habe ihren Anteil mehr als erfüllt. In Friedberg gab es phasenweise heftige Diskussionen in der Bevölkerung zum Thema Flüchtlinge. Doch insgesamt habe sich die Situation beruhigt, so das Stadtoberhaupt. Auch das auf Bundesebene gerade viel diskutierte Thema Familiennachzug sei in Friedberg keines, berichtete Proeller.

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Angesichts der Vollbeschäftigung im Landkreis sieht auch die berufliche Situation Geflüchteter in Friedberg vergleichsweise gut aus. 20 Prozent sind in Arbeit oder Ausbildung. Viele weitere nehmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil oder sind nicht verfügbar für den Arbeitsmarkt, zum Beispiel wegen Elternzeit.

Die Familien werden selbstständig

Die Helferkreise sind in Friedberg laut Proeller unterschiedlich aktiv. Das liege aber nicht unbedingt an den Ehrenamtlichen selber. „Viele Asylbewerberfamilien werden inzwischen sehr selbstständig“, berichtete sie. Daher hätten sich die Strukturen geändert. Asyl wird nach der Hochphase zum Routinethema. Auf wenig Interesse stoße ehrenamtliche Hilfe bei Singles. „Junge Männer haben kein Interesse daran, dass ein älteres deutsches Ehepaar mit ihnen Tee trinkt“, so Proeller.

Es laufen aber andere Integrationsmaßnahmen. Dazu zählen das Deutschcafé an jedem Mittwochvormittag im Jugendzentrum, ein Integrationskurs mit Kinderbetreuung speziell für Frauen und das Internationale Fest im Juni, zu dem sich das Augsburger Kabarett-Duo „Döner mit Sauerkraut“ angekündigt hat.

Wie sah es vor einem Jahr in Friedberg aus?

Zum Vergleich: Im März 2017 lebten in den Flüchtlingsheimen in Friedberg 300 Menschen; die meisten stammten aus Syrien und Afghanistan. Von den Bewohnern der Unterkünfte war über die Hälfte sogenannte Fehlbeleger. Nur 66 Personen hatten eine eigene Wohnung. Die Beschäftigungsquote war in etwa die gleiche wie jetzt.

Um Menschen mit Bleiberecht sowie die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, aber auch neu zugezogene Ausländer aus EU-Staaten in Südosteuropa zu unterstützen, hat die Stadt den Posten der Integrationsbeauftragten geschaffen. Ulrike Proeller und Stephanie Posch füllen diese Aufgabe – jeweils in Teilzeit – aus. 

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