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Mering

05.01.2021

Corona: Wo Senioren in Mering und Kissing Ansprechpartner finden

Viele Senioren kommen derzeit nicht mehr oft aus dem Haus. Immerhin gibt es telefonische Angebote für sie.
Bild: Karo Kraemer, dpa (Symbolbild)

Plus Viele Senioren in Mering und Kissing nehmen die Corona-Einschränkungen mit Disziplin und Gleichmut hin. Wenn doch Sorgen auftreten, gibt es hier Ansprache.

Etwas verlassen wirkt die ältere Dame, die vor dem Meringer Rathaus an der fast leeren Anschlagtafel der Vereine steht und ein Plakat begutachtet. "Die Veranstaltung muss leider ausfallen" steht darauf. Nicht nur für Bewohner in Altenheimen, auch für Senioren zu Hause sind die Einschränkungen durch Corona eine Herausforderung. Angebote wie Seniorennachmittage oder gesellige Ausflüge entfallen derzeit, so auch beim Bürgernetz, dem Ehrenamtlichennetzwerk für Mering und Merching. Wenn es Angebote gibt, sind die meist nur telefonisch oder eingeschränkt.

Beim Bürgernetz zeigt Doris Gerlach als Koordinatorin der Gruppe "Besuche und Begleitung" Gesprächsbereitschaft für Senioren, die sich isoliert fühlen und sich aus Angst vor Ansteckung mit dem Virus vielleicht gar nicht aus ihren vier Wänden heraustrauen. Mit Rücksicht auf die größtenteils ebenfalls im Seniorenalter befindlichen Fahrer wurden die Bürgernetz-Fahrten etwas eingeschränkt. "Wir nehmen derzeit nur noch Fahrtaufträge zu wichtigen Terminen wie Arztbesuche und Therapien an“, erklärt Alfons Magg, einer der Koordinatoren. Trotzdem waren es vor Weihnachten noch bis zu 20 Fahrten wöchentlich.

Zu Hause zu bleiben, ist für eine 82-Jährige aus Mering das Gebot der Stunde

Mal zu Hause zu bleiben und sich etwas einzuschränken, ist für Edith "Edda" Caesperlein das Gebot der Stunde. "Es ist schade, dass ich derzeit nicht mit meinen Freundinnen Kaffee trinken kann, aber da muss man jetzt eben durch", sagt die sehr gesellige 82-Jährige aus Mering. "Ich kann die Leute nicht verstehen, die wegen der Maske jammern oder weil sie derzeit nicht in jeden Laden gehen können", sagt die Dame, die noch bis vor etwa einem Jahrzehnt das Wäschefachgeschäft ihrer Mutter Liesel Scholz fortführte. Viele Kontakte werden nun eben telefonisch gehalten.

So auch bei Maria Wecker, die kurz vor Weihnachten in der Merchinger Obermühle ihren 91. Geburtstag feierte. Besuch kam keiner, dafür habe sie mehr oder weniger am Telefon "gefeiert" und auf diesem Weg Glückwünsche von vielen lieben Menschen erhalten, berichtet sie. Ebenso wie Edda Caesperlein hat die Merchingerin entbehrungsreiche Zeiten im Krieg erlebt, auch mit Ausgehverboten bei Fliegeralarm, und fühlt sich dadurch einigermaßen abgeklärt. Diese harten Jahre seien kein Vergleich mit heutigen kleineren Einschränkungen, findet sie. Statt wie gewohnt sich zwei- bis dreimal die Woche im Merchinger Sportverein zu bewegen, macht Maria Wecker nun täglich zu Hause 20 Minuten Morgengymnastik. Das geliebte Treffen mit den Karten-Damen fällt aus, die Einkäufe bringt der Sohn, der im Ort wohnt, vorbei. Das Alleinsein könne man schon mal eine Zeit lang aushalten, findet die 91-Jährige.

Eine gesellige Busfahrt wie hier bei einem Ausflug des Meringer Bürgernetzes, ist in der Pandemiezeit in weite Ferne gerückt.
Bild: Heike John

Wie es den Merchinger Senioren geht, darum kümmern sich auch die beiden Seniorenbeauftragten Markus Storch und Martin Dittebrand. Die Weihnachtsbriefe der Gemeinde zusammen mit der Pfarrei überbrachten sie mit weiteren Ehrenamtlichen weitestgehend persönlich, um an der Haustür auch den ein oder anderen der älteren Herrschaften persönlich anzutreffen. Genauso handhabten es auch die beiden neuen Seniorenbeauftragten in Mering, Christine Maier und Guido Schlosser. In den auch vom Bürgermeister unterschriebenen Weihnachtsbriefen stellten sie sich ihrer Klientel vor. Verteilt wurden die Briefe zusammen mit blühenden Weihnachtssternen größtenteils persönlich. "Wir haben viele Ehrenamtliche, darunter erfreulich viele junge Leute gefunden, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Briefe und Blumen übergeben haben und so gleich auch ins Gespräch kamen", freute sich Maier.

Senioren und Corona: Nachbarschaftshilfe funktioniert in Ried

Die Nachbarschaftshilfe funktioniere auch in Ried sehr gut, bestätigt Claudia Bordon-Vieler. Rund 35 Leute hätten sich nach einem Aufruf im Rieder Seniorenblatt gemeldet. Sich vorstellen muss sich Rieds "Kümmerin" bei kaum einem der Senioren in ihrem Ort. Seit sie 2018 die Aufgabe als Quartiersmanagerin übernahm, hat sie von der Strick- und Spielerunde bis zum offenen Singen sehr viele Angebote für die ältere Bevölkerung auf die Beine gestellt, die bestens angenommen werden. Das zweimonatlich erscheinende Seniorenblatt ist voller Programmangebote, die derzeit aber alle nicht stattfinden können.

Dies bedauert auch Erna Gruber. "Unser letztes Singen war im Oktober und unsere Radltouren mussten wir auch einstellen", sagt sie. Seit 40 Jahren ist die 78-Jährige in den Sportvereinen in Ottmaring und Ried aktiv. "Aber im Moment geht gar nix, darum trainiere ich zu Hause und mache tägliche meine 'Fünf Tibeter', Yogaübungen für Körper und Geist." Auch die Weihnachtsauftritte ihrer Friedberger Stubn-Musikgruppe entfielen, jetzt spielt Gruber eben für sich allein Gitarre. "Ich mache das Beste draus, denn das mit der Pandemie wird noch eine Zeit dauern", ist sie überzeugt. "Ich gehe jeden Tag eine Stunde im Wald spazieren, das ist gut für die Psyche."

Auch in Kissing sehen die Senioren ein, dass der Lockdown sein muss, berichtet Brigitte Dunkenberger. Die Leiterin des Kissinger Mehrgenerationenhauses, dem auch das neu geschaffene Seniorenbüro angegliedert ist, hat viele Konzepte für neue Projekte geschrieben, die nun erst mal nicht stattfinden können. Vor allem um den im Herbst gut angelaufenen Gesundheitskurs für Senioren in Zusammenarbeit mit der AOK tue es ihr leid, sagt sie. Innerhalb von zwei Tagen waren alle Plätze belegt, aber nach zwei Treffen konnte er nicht mehr stattfinden. Der Fahrdienst laufe in eingeschränkter Form weiter, das Auto wurde mit Schutzscheibe zwischen Fahrer und Rücksitz umgerüstet. "Unseren Fahrgästen geht es nicht nur ums Einkaufen, sondern um die soziale Teilhabe", weiß Brigitte Dunkenberger. Bereits beim Lockdown im Frühjahr hätten immer mal wieder Kissinger Senioren in der Fahrdienstzentrale angerufen, um einfach mal mit jemandem reden zu können.

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