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Merching

08.04.2019

Ein Jäger erzählt: Wildernde Hunde werden bei uns zum Problem

Der Jäger Dr. Gerhard Jilly zeigt hier die Stelle, wo das vermutlich von einem Hund gerissene Wild lag. Auf seinem Rundgang durch sein Revier am Mandichosee begleitet ihn sein Dackel Berta.
Bild: Eva Weizenegger

Plus Jagdpächter Gerhard Jilly betreut seit 42 Jahren das 800 Hektar große Gebiet am Mandichosee. Der 87-Jährige hat noch einen großen Wunsch.

Die Frühlingssonne lässt ihre ersten Sonnenstrahlen zwischen den schlanken Stämmen der Birken und Halsnussstauden scheinen. Die Vögel zwitschern leise und ein Nebenarm des Lechs plätschert vor sich hin. Auf einer Lichtung blühen schon die ersten Leberblümchen. Doch die Romantik trügt. Denn dort zwischen den Blumen und dem ersten Gras liegen noch die Reste eines Rehs. Jagdpächter Gerhard Jilly wurde nach Merching gerufen, um nach dem verendeten Tier zu sehen.

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Eine Spaziergängerin hatte das Reh dort liegen sehen und vermutet, dass es angeschossen wurde. Doch der erfahrene Jäger Jilly sah schon nach einem kurzen Blick, wer für den Tod des Tieres verantwortlich war: „Das war ein oder mehrere wildernde Hunde.“ Was der Laie als Einschussloch betrachtet, ist für Jilly eindeutig die Spur eines Hundezahns, der sich tief in das Fell des Rehs gegraben hat. „Der Anblick des total ausgeweideten Tiers lässt auch mich nicht kalt und das, obwohl ich schon 42 Jahre hier die Jagd betreibe.“

Die 87 Jahre sieht man dem ehemaligen Unfallchirurgen nicht an. Sportlich steigt er in seinen Geländewagen, lenkt ihn sicher zu der besagten Lichtung. Auch nach vier Tagen kann man dort noch die Spuren des toten Rehs erkennen. Sein Jagdpartner Hans Weiß aus Merching hat das Tier nämlich gleich zur Seite geräumt und tief im Gebüsch für Füchse, Wildschweine und andere Aasfresser liegen lassen. „Das ist ganz üblich für uns Jäger, dass gewilderte Tiere dann für Aasfresser ausgelegt werden“, sagt Jilly und weiter: „Was sollte ich denn sonst auch mit dem Kadaver tun?“

Ein Jäger erzählt: Wildernde Hunde werden bei uns zum Problem

Der Grundgehorsam eines Hundes ist wichtig

Als Jagdpächter ist er dafür verantwortlich, sich um überfahrene oder gerissene Tiere zu kümmern. 800 Hektar umfasst seine Jagd bei Merching auf Höhe des Mandichosees. „Das ist nicht besonders groß, aber für mich reicht es schon“, sagt er. Auch mit seinen 87 Jahren geht er noch jeden Tag in sein Revier, um dort nach dem Rechten zu sehen. Seit fünf Wochen begleitet ihn dabei der acht Monate alte Dackel Berta. „Sie ist ist noch in Ausbildung zum Jagdhund“, erzählt Jilly. Sie sei zwar klein, aber nicht zu unterschätzen. Viele Jahre begleiteten ihn Deutsche Drahthaar-Hunde. „Sie sind viel größer als dieser Rauhaardackel, aber in meinem Alter ist Berta genau die richtige Jagdbegleiterin für mich“, sagt Jilly. Und auch wenn sie noch viel lernen muss, sie folgt ihm auf Wort. „Der Grundgehorsam ist wichtig“, berichtet er.

Jilly erklärt, dass die Mehrheit der Hundebesitzer sich an die Regeln halten und ihren Hund an der Leine führen oder ganz nah bei sich. „Hier herrscht keine Leinenpflicht, aber wer seinen Hund nicht unter Kontrolle hat, der leint ihn lieber an“, empfiehlt er. Denn wenn der Jagdtrieb beim Hund durchgeht, interessiert ihn kein Ruf und kein Pfiff eines Menschen. „Bislang musste ich noch nie auf einen wildernden Hund schießen und eigentlich will ich das auch in Zukunft nicht tun“, sagt Jilly.

Jäger sind keine wild herumballernden Männer

Wie viele Jäger stört auch ihn das Image, das sie haben. „Wir sind keine wild herumballernden Männer“, sagt er. Im Gegenteil, auch immer mehr Frauen haben mittlerweile einen Jagdschein. Jillys eigene Frau ist ebenfalls Jägerin.

Auf der etwa 30 Hektar großen Halbinsel zwischen Lech und Fischtreppe wird nur einmal im Jahr eine Drückjagd veranstaltet. Hasenjagd findet ebenfalls einmal im Jahr statt. Aufs Rehwild müssen die Jäger ansitzen, das heißt sich oft viele Nächte um die Ohren schlagen. „In meiner Jagd müssen pro Jahr acht Rehe geschossen werden“, berichtet der 87-Jährige. So wird verhindert, dass zuviel Rehwild sich in seinem Revier tummelt. In diese Abschusszahlen fallen auch die überfahrenen oder von wildernden Hunden gerissenen Tiere. Probleme mit Wildschweinen hat Jilly in seiner Jagd nur wenige. „Das Schwarzwild zieht zwar durch, bleibt aber nicht lange“, erklärt er.

Mit Dackel Berta geht er ein paar Schritte tiefer ins Gebüsch. „Hier müsste der Tierkörper eigentlich noch liegen“, sagt er. Doch nur ein paar Büschel Haare sind zu finden. „Alles weggefressen von Füchsen oder Wildschweinen, die sind nämlich Allesfresser“, weiß Jilly.

Auch nach dem jüngsten Vorfall setzt der passionierte Jäger weiter auf die Vernunft der Spaziergänger. „Ein bisschen mehr Rücksicht auf das Wild“, das wünscht er sich. Und natürlich auch, dass die Hundebesitzer ein wachsames Auge auf ihre Tiere haben.

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