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Region Augsburg

18.05.2018

Uniklinik macht der Kommunalpolitik auch Sorgen

Hier soll die neue Uniklinik entstehen. Das stößt gerade im Augsburger Umland auch auf Bedenken.
Bild: Ulrich Wagner/Robin Sonntag

Die Uniklinik bringt große Investitionen und qualifizierte Arbeitsplätze. Es gibt aber auch Schattenseiten, die manchem Kommunalpolitiker gar nicht gefallen.

Im Herbst 2019 soll die Medizinische Fakultät an der Uni Augsburg ihre Arbeit aufnehmen. Welche Auswirkungen hat das auf die gesamte Region? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Gutachten, das jetzt im Kreisentwicklungsausschuss vorgestellt wurde und nicht bei allen Politikern Begeisterung auslöste.

Wie Silvia Stiller von der Hamburger Firma Economic Trends Research (ETR) den Kreisräten und den dazu geladenen Bürgermeisters erläuterte, sind die Planungen für die Uniklinik und die Medizinfakultät bereits weit fortgeschritten. Im Endausbau werden dort bis zu 1.500 Studierende, 100 Professoren und 400 wissenschaftliche Mitarbeiter lernen, forschen und lehren.

Am ehemaligen Hubschrauberlandeplatz entsteht der neue Medizin-Campus der Uniklinik. 
Bild: Marcus Merk

Nach ihren Worten bietet die Entwicklung eine große Chance für die ganze Region. Allerdings müssen die Stadt und die beiden Landkreise dafür auch die nötigen Weichen stellen müssen. Die wichtigsten Handlungsfelder für die Kommunalpolitik sind dabei:

  • Bereitstellung von Gewerbeflächen für Hightech-Unternehmen, für deren Gründung die Uniklinik laut Gutachten wichtige Impulse geben wird. Für diese Start-ups sind relativ kleine, aber qualitativ hochwertige Flächen mit guter Verkehrsanbindung nötig.
  • Ausweisung von Wohnraum und weitere Verdichtung der Bebauung, da ein Teil des Personalbedarfs durch Zuwanderung gedeckt werden muss. Dazu gehört auch der Ausbau des Angebots an Kinderbetreuung und Schulen.
  • Verbesserungen im Öffentlichen Personennahverkehr, da viele Mitarbeiter der Klinik im Schichtdienst tätig sein werden und in den Randzeiten kein entsprechendes Angebot bei Bus und Bahn besteht.

Eine „Riesen-Herausforderung“ sieht der Aichacher Bürgermeister Klaus Habermann (SPD) auf die Städte und Gemeinden in der Region zukommen. Einerseits sei die Ausweisung von Neubaugebieten nicht so beliebt, andererseits sei der Bedarf nur mit der Innenentwicklung nicht abzufedern. Habermann sieht die Stadt Augsburg gefordert, auf deren Gebiet die Uniklinik liegt: „Sie muss ergründen, was sie selbst leisten kann.“

Die rot schraffierte Fläche auf dem Luftbild zeigt den Umfang des künftigen Medizin-Campus am Klinikum.
Bild: Ulrich Wagner

Sein Friedberger Kollege Roland Eichmann (SPD) kritisierte die steigende Belastung für die Umlandkommunen. „Wir brauchen nicht noch mehr Leute, die auf den Wohnungsmarkt drängen“, sagte er. Schon jetzt seien die Vorboten der Entwicklung zu erkennen, berichtete der Aindlinger Bürgermeister Tomas Zinnecker (CSU). Für sein Neubaugebiet mit über 40 Grundstücken habe er sogar Interessenten aus dem Raum Erding.

„Wir werden diesen Prozess nicht vollständig in den Griff bekommen“, räumte Landrat Klaus Metzger (CSU) ein. Auch er sieht in erster Linie Augsburg gefordert, allerdings werde sich die Entwicklung ins Wittelsbacher Land ausdehnen. „Je früher wir beginnen, die Steuerungsinstrumente einzusetzen, umso klüger!“, sagte er an die Adresse der Rathauschefs. Dabei geht es nach seiner Auffassung nicht nur um Wohnraum, sondern auch um neue Gewerbegebiete, damit die Pendlerströme nicht noch weiter anwachsen.

Kreisräte heißen Uniklinik mehrheitlich gut

Die Kreisräte sehen die Ansiedlung der Medizinfakultät überwiegend positiv. Karlheinz Faller (FDP) verwies neben der wirtschaftlichen Dynamik auch auf die verbesserte medizinische Versorgung in der Region. Xaver Hörmann (Unabhängige) verwies darauf, dass der Bevölkerungszuwachs gerade bei zwei Prozent liegen werde. „Das ist zu verkraften“, findet er. Selbst bei den Grünen gab es keine Kritik an der Zukunftsperspektive. „Ich verstehe die Bedenken nicht“, sagte sie: Die Uniklinik biete die Chance auf anspruchsvolle Arbeitsplätze.

Auch Gutachterin Silvia Stiller mahnte zur aktiven Mitarbeit: „Wenn man darauf verzichtet, die Weichen zu stellen, dann ärgert man sich in 15 Jahren vielleicht.“ Und Aichachs Bürgermeister Habermann appellierte letztlich an seine Kollegen. „Es liegt an uns als Kommunen, das planerisch zu begleiten und zu sagen, wie weit wir mitgehen können. 

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