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Autobahnausbau

10.04.2008

Erleichterung über Verzicht auf Schlacke

Auf allgemeine Erleichterung stieß die Entscheidung der Autobahnplus A 8 GmbH, beim Ausbau der Autobahn auf die umstrittene Elektroofenschlacke zu verzichten.

Von Thomas Gossner, Aichach-Friedberg

Auf allgemeine Erleichterung stieß gestern die Entscheidung der Autobahnplus A8 GmbH, beim Ausbau der Autobahn auf die umstrittene Elektroofenschlacke zu verzichten.

"Wir sind sehr froh darüber, dass sich Autobahnplus so entschieden hat", kommentierte Bernhard Kreutmayr, Sprecher der Interessengemeinschaft von Landwirten an der A 8, am Freitag den Beschluss.

Das Unternehmen, das die Autobahn derzeit im Rahmen eines Betreibermodells ausbaut, reagierte damit auf die anhaltende Kritik. Elektroofenschlacke (EOS) entsteht bei der Stahlproduktion und dient im Straßenbau als Frostschutz. Gegenüber herkömmlichem Kies bietet sie einen Kostenvorteil von ca. zwei Euro je Tonne. Bei unsachgemäßer Verwendung kann es allerdings zu Schadstoffauswaschungen ins Grundwasser kommen.

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"Die Sorge, dass unsere Felder und Wiesen durch austretende hochgiftige Sickerwässer belastet werden und deshalb zur Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln nicht mehr genutzt werden dürfen, hat uns schwer belastet", stellte Bernhard Kreutmayr von der Interessengemeinschaft fest. Für die Vollerwerbslandwirte wäre dies nach seiner Meinung der Ruin gewesen und hätte sie zur Aufgabe der seit Generationen landwirtschaftlich bewirtschafteten Höfe gezwungen. "Dass die Autobahnplus A8 GmbH dem Umweltschutz insgesamt eine so hohe Priorität einräumt, verdient besonderen Respekt", lobte er.

Kreisrat Hansjörg Krazeisen von der SPD, die als erste auf die Problematik hingewiesen hatte, äußerte sich zufrieden mit dem Beschluss. "Alles andere wäre ein Unsinn gewesen", glaubt er angesichts der Schadstoffbelastung und der möglichen Folgen für die Umwelt. Die Kostenersparnis stehe in keinem Verhältnis zum Risiko, das die Schlacke berge.

Auch die bayerischen Grünen freuen sich über die Zusage von Autobahnplus. Sie wollen dennoch den Antrag weiterverfolgen, den sie im Landtag eingebracht hatten, nämlich keine Elektroofenschlacke (EOS) im Straßenbau mehr zuzulassen. Die Abgeordnete Christine Kamm erinnert daran, dass die Schlacke bei einer ganzen Reihe von Straßen in Nordschwaben verwendet worden ist und die Folgen des Einbaus jetzt untersucht werden müssen.

Noch im November 2007 hatten sich die Lechstahlwerke (LWS) in Herbertshofen (Kreis Augsburg) gefreut, für den Ausbau der Autobahn zwischen Augsburg und München 400.000 Tonnen Schlacke liefern zu dürfen. Statt erhebliche Deponiegebühren zahlen zu müssen, hätten sie von der Autobahnplus GmbH sogar noch Geld erhalten.

Weil pro Jahr nur etwa 180.000 Tonnen zusammenkommen, sammelt das Unternehmen bereits seit 2005 die Schlacke. Angesichts der lukrativen Absatzmöglichkeit nahm LWS sogar in Kauf, dass die genehmigte Höhe der Schlackenhalde in Herbertshofen überschritten und ein Bußgeld verhängt wurde. Jetzt muss die Firma neue Absatzwege oder - falls dies nicht möglich ist - eine Deponie suchen.

Die Erklärung von Autobahnplus, auf den Einsatz der Schlacke zu verzichten, überschnitt sich am Mittwochnachmittag noch mit einer Diskussion im Kreistag von Aichach-Friedberg. Während die Kreis-SPD bereits im November auf das Gefahrenpotenzial aufmerksam gemacht und Landrat Christian Knauer (CSU) damals noch abgewiegelt hatte, überschlugen sich nun die Christsozialen in ihrem Kampf gegen EOS.

Bei der ersten Schlackefuhre stelle er Strafantrag, sagte Knauer. Landtagsabgeordneter Reinhard Pachner kündigte an, bei den zuständigen Ministerien in München nachzuhaken. Für Sepp Bichler (Unabhängige) ein klassischer Spätstart: "Da hätten Sie ja vor einem halben Jahr drauf kommen können."

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