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Stadtentwicklung in Friedberg

19.02.2018

Ist der Bahnhof noch zu retten?

Der Friedberger Bahnhof bräuchte dringend eine Renovierung. Weil der Besitzer des Gebäudes mit der Stadt in Streit liegt, gammelt das Gebäude schon seit Jahren vor sich hin.
Bild: Ute Krogull

Bislang lebten Asylbewerber in dem Bau. Jetzt möchte die Caritas einziehen. Doch der Streit zwischen dem Besitzer und der Stadt Friedberg geht weiter

Mit neuen Abstellplätzen will die Stadt wenigstens das Radlchaos am Bahnhof in den Griff bekommen. Darüber diskutierte unlängst der Bauausschuss des Stadtrates. Doch wenn schon diese Debatte nicht einfach war, tun sich an der Stelle noch viel größere Probleme auf. Weil der Besitzer des Gebäudes seit Jahren mit der Stadt im Streit ist, gammelt der Bahnhof vor sich hin. Jetzt gibt es zumindest für einen Teil des über 130 Jahre alten Baus Hoffnung. Die Caritas möchte in den ersten Stock ziehen, wo zuvor Asylbewerber untergebracht waren.

Geschäftsführer Andreas Reimann bestätigte, dass der Sozialverband, der in der Hermann-Löns-Straße recht beengt untergebracht ist, im Bahnhof Beratungsdienste unterbringen möchte. Dazu zählen die Bereiche Hospiz, Betreuungsverein, ambulantes betreutes Wohnen und sozialpsychiatrischer Dienst/Suchtfachambulanz.

Der Unternehmer Christian Gumpp, dem der Bahnhof seit 2013 gehört, hat vor etwa einem Monat einen Antrag auf Nutzungsänderung bei der Stadt Friedberg eingereicht. Neue Fenster hat er schon mal eingebaut, obwohl er von der Stadt bislang noch nicht zu seinem Antrag gehört hat. In diesem Zuge wäre er auch bereit, den Gehweg vor dem Bahnhof, der ihm gehört, gegen Stellplätze auf städtischem Grund zu tauschen. Kann das funktionieren?

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Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) sieht gute Chancen, dass es mit dem Einzug der Caritas klappt. „Das müsste hinzubekommen sein“, sagt er. Über Zeiträume will er allerdings nicht spekulieren. Klar sei aber nach erster Durchsicht der eingereichten Dokumente, dass noch Unterlagen fehlen und eine Nutzungsänderung speziell an dieser Stelle nicht einfach sei. So müsse auch die Bahn einbezogen werden. Über die Chancen für einen Grundstückstausch wagt Eichmann ebenfalls keine Prognose. Im Stadtrat werde über jeden Stellplatz diskutiert, wie sich auch bei der Debatte über die neuen Fahrradständer zeigte. „Ich weiß nicht, ob es die Bereitschaft gibt zu tauschen“, sagt er daher.

Eigentümer hat seit Jahren Händel mit der Stadt

Ein Tausch wäre eine Chance für die Stadt, weil damit die schwierige Grundstücksfrage zumindest teilweise geklärt wäre. Gumpp gehört ein ganzer Streifen um den Bahnhof, unter anderem der Durchgang zu den Gleisen, der überdachte Unterstand, aber auch der Gehsteig am Kreisverkehr. Immer wieder droht er, diesen zu sperren, weil er seit Jahren mit der Stadt Händel hat.

Er wirft der Verwaltung vor, den Kanal falsch geplant zu haben. Er sei bei starkem Regen nicht in der Lage, das Wasser aufzunehmen, das daher dann den Bahnhof überschwemmt. Außerdem stehe der Keller ständig unter Wasser, das auch die Wände hochzieht. Die Folge: Putz und Fassade leiden. Gumpp hat ein Gutachten erstellen lassen, dem zufolge sich die Schäden auf mittlerweile 200000 Euro belaufen. Auch zum Thema Oberflächenwasser gibt es, wie berichtet, mittlerweile Gutachten. Doch laut Gumpp tut sich nichts. Der Stadt wirft er deshalb Verzögerungstaktik vor. Sein Rechtsanwalt habe der Verwaltung eine Frist bis zum 20. Februar gestellt; danach wolle er klagen.

Den Vorwurf der Tatenlosigkeit will Eichmann nicht auf der Verwaltung sitzen lassen. Er betont, das Problem an dieser Stelle sei das Oberflächenwasser, das über den Kanal, aber auch anderweitig entfernt werden könnte. Die Stadt habe dazu bereits Vorschläge gemacht; diese habe Gumpp abgelehnt. „Wir sind dabei, weitere Lösungen zu suchen und einen Gutachter einzuschalten“, so der Bürgermeister. Einen neuen Kanal hält er für überdimensioniert. Der jetzige sei nach den Regeln der Straßenbautechnik korrekt. Allerdings sei es tatsächlich so, dass Starkregenereignisse, die der Kanal nicht bewältigen kann, in der Region inzwischen zunehmen.

Gumpp kontert, er fühle sich von der Stadt im Stich gelassen. Auch vom Stadtrat habe sich niemand bei ihm blicken lassen, ausgenommen Roland Fuchs und das Ehepaar Reißner von der SPD. Die Reißners fordern seit Jahren, dass am Bahnhof etwas getan werden muss. Martha Reißner setzt sich für Radlständer ein; Franz Reißner bringt unermüdlich Verschönerungsmaßnahmen wie Blumenkübel oder einen Weihnachtsbaum sowie einen Steg Richtung Friedberg Süd ins Gespräch.

Seiner Meinung nach sollte die Stadt das Bahnhofsgebäude entweder kaufen oder sich mit dem Eigentümer über Flächen, Wasserproblematik und Renovierung einigen. Eines sei nämlich ein Argument, unabhängig von dem Kanal: „Da unten am Bahnhof war es schon immer feucht.“ Der Effekt verstärke sich mit der zunehmenden Bebauung und Versiegelung oberhalb. Zeitdruck sei gegeben: „In zwei Jahren beginnt die Landesausstellung – und am Bahnhof sieht es aus wie in Jena vor 50 Jahren.“

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