1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Kissing: Eine Gemeinde mit zwei Gesichtern

Kissing

26.11.2019

Kissing: Eine Gemeinde mit zwei Gesichtern

Die Bahnlinie von Augsburg nach München wurde 1840 fertiggestellt. Die Gemeinde Kissing erreichte sie damals nicht. Sowohl das wachsende Gewerbe als auch die neuen Häuser orientierten sich am Bahnhof. Erst Ende der 1950er Jahre erfolgte der Lückenschluss zum Altort.
Bild: Bayernatlas/Geoportal Bayern

Plus Kissing hat den wohl extremsten Wandel im südlichen Landkreis hinter sich. Wie die Suche nach Wohnraum den Ort geprägt hat und welche Entwicklungen anstehen.

Es gibt nicht viele Orte, die ihr Gesicht so verändert haben wie die Gemeinde Kissing. Einst ein Dorf über der Lechebene, erstreckt sich die Kommune heute über eine weite Fläche nach Westen. Doch Kissing ist nicht vom Altort aus gewachsen – der Impuls ging vom Bahnhof aus.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Die Bahnlinie Augsburg-München wurde im Jahr 1840 fertiggestellt. Doch das Wachstum von Neu-Kissing ließ zunächst auf sich warten. Wie der Kreisheimatpfleger Hubert Raab erzählt, siedelte sich im Bereich des Bahnhofs zunächst das Gewerbe an – vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Eisenwerke Frisch etwa richteten dort ein Zweigwerk ein. Der große Umbruch für Kissing kam allerdings nach Kriegsende. Zahlreiche Vertriebene kamen nach Kissing und wurden in Baracken untergebracht. Doch das war keine dauerhafte Lösung – und auch keine ansehnliche. So wuchsen nach und nach neue Wohnareale.

Ihren Ausgangspunkt nahm die Bebauung Raab zufolge im Bereich des Mittleren Weges, der heute in die Schulstraße übergeht. Areal um Areal wurde am Reißbrett geplant und in die Tat umgesetzt. Das ist der Grund, warum der neue Teil von Kissing eine unverwechselbare Struktur hat – dem Luftbild sieht man deutlich an, dass die Siedlung nach genauer Planung gestaltet wurde und nicht natürlich gewachsen ist. Als „offene Stadtlandschaft“ lassen sich die damals geschaffenen Grundstücke bezeichnen – eine Vereinigung von Wohnraum und Einflüssen der Natur.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Erst Ende der 50er Jahre wuchs Kissing zusammen

Doch nicht nur Vertriebene kamen nach Kissing, erklärt der Heimatpfleger: „Der Baugrund im neuen Teil von Kissing war damals billig. Daher siedelten sich viele Menschen an, die in Augsburg oder München gearbeitet haben.“ Der Bevölkerungsanstieg war in Kissing enorm. Zwischen 1939 und 1970 vervierfachte sich die Einwohnerzahl beinahe. Langfristig genügte es jedoch nicht, nur neue Wohngebiete aus dem Boden zu stampfen – es brauchte Infrastruktur und ein Verwaltungszentrum. So kam es Ende der 1950er Jahre zum Bau der Schule, die seitdem mehrmals erweitert wurde. Das neue Rathaus folgte kurz darauf und vollendete den Zusammenschluss von Neu- und Altkissing. Doch auch, wenn aus beiden Teilen ein Ganzes wurde, sind die Besonderheiten des Altorts und des neuen Teils sofort ersichtlich.

In Kissing stehen auch in naher Zukunft große Entwicklungen an

Die Entwicklung von Kissing ist noch lange nicht abgeschlossen – und gerade in den kommenden Jahren könnte sich viel tun. Die Gemeinde will mithilfe der Städtebauförderung ein Entwicklungskonzept auf die Beine stellen, das dann einen Plan für die Zukunft darstellt. Weite Teile Kissings werden dabei unter die Lupe genommen – neben dem Altort auch weite Teile der neueren Bebauung. Auch die Flächen westlich der B2 finden Beachtung, darunter das O+K-Gelände, das durch die Gesamtbetrachtung der Gemeinde reif für die Vermarktung werden soll.

In der Serie In die Karten geschaut werfen wir einen Blick in historische Landkarten und Kataster-Auszüge aus dem Zeitraum zwischen 1817 und 1841, die zeigen, wie sehr sich unsere Region verändert hat.

Lesen Sie auch die weiteren Folgen unserer Serie:
So hat sich Mering im Lauf der Jahrzehnte verändert
Friedberg: Eine Grenzstadt öffnet sich
Dasing: So haben Autobahn und Zugverkehr die Gemeinde geprägt

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren