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Ried

17.03.2020

Kommunalwahl: Rieds Wähler stärken die CSU

Mit 73,4 Prozent war die Wahlbeteiligung in Ried trotz der Coronakrise erstaunlich hoch.
Bild: Philipp Schröders

Plus Weil Ried größer geworden ist, hat der Gemeinderat nun 16 statt bisher 14 Sitze. Davon profitiert vor allem die Partei von Bürgermeister Gerstlacher.

Deutlich verschoben haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rieder Gemeinderat. Bereits bei der Bürgermeisterwahl zeigte sich, dass die Rieder die Arbeit von Erwin Gerstlacher (CSU) mit ihren Stimmen honorieren. Und auch bei der Gemeinderatswahl ist die Partei der große Gewinner. Sie erhielt 53,4 Prozent der Stimmen und legte um drei Sitze zu. Die Rieder CSU stellt damit künftig neun Gemeinderäte in dem 16-köpfigen Gremium – plus Bürgermeister.

„Ich freue mich sehr über die Zustimmung, die wir von der Bevölkerung bekommen“, sagt Gerstlacher. Dass die CSU gleich so deutlich zulegt, hätte er nicht unbedingt erwartet. „Die Gemeinderatswahl ist eine Persönlichkeitswahl und wir haben einige Kandidaten, die hier sehr gut verwurzelt und bekannt sind“, erklärt er den Erfolg.

Ried hat jetzt mehr Gemeinderäte

Der Stimmenzuwachs geht allerdings nur zu einem kleinen Teil auf Kosten der anderen Fraktionen. Einen Sitz eingebüßt hat lediglich die Bürgergemeinschaft. Weil Ried jedoch im Laufe der vergangenen Amtsperiode die 3000-Einwohnergrenze überschritten hat, wird der Gemeinderat künftig 16 statt bisher 14 Mitglieder haben.

Mit insgesamt zehn Stimmen verfügt dabei die CSU bei künftigen Entscheidungen über eine komfortable Mehrheit. „Das werde ich aber nicht ausnützen – das entspricht nicht meinem Charakter und ist nicht mein Stil“, sagt Gerstlacher. Vielmehr wolle er weiterhin die Bürger beteiligen und auch alle Fraktionen mitnehmen. „Ich mache so weiter, wie ich angefangen habe“, verspricht Rieds Bürgermeister. Erfreulich sei auch die mit 73,4 Prozent sehr hohe Wahlbeteiligung in der Gemeinde.

Bürgergemeinschaft Ried verliert einen Sitz

Elisabeth Fischer, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft in der Gemeinde Ried, ist etwas enttäuscht vom Ausgang der Wahl. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir einen Sitz mehr gewinnen.“ Tatsächlich büßte die Bürgergemeinschaft aber einen Sitz ein und ist nun nur noch mit zwei Gemeinderäten vertreten. Fischer macht dafür auch die Corona-Krise verantwortlich. „Die Bürger sehnen sich nach einem Sicherheitsgefühl und die CSU hat davon profitiert.“

Ministerpräsident Markus Söder habe es verstanden, staatsmännisch zu wirken und die Wähler abzuholen. Grundsätzlich gebe es bei der CSU in Ried eine Tendenz, mehr Wohnraum bereitzustellen und das Wachstum der Gemeinde anzutreiben. Die Bürgergemeinschaft plädiere dagegen dafür, das Ort- und Landschaftsbild zu erhalten. Fischer sagt aber, dass die Zusammenarbeit unter Bürgermeister Gerstlacher in der Vergangenheit gut funktioniert habe.

Ob die CSU nun ihre neue Mehrheit nutzt, um mehr eigene Ziele durchzubekommen? „Im Moment deutet nichts daraufhin“, sagt Fischer. Ihr gefalle, dass mehrere jüngere Menschen in den Gemeinderat einziehen. „Die bringen vielleicht neuen Schwung.“ Gleichzeitig gebe es erfahrende Räte, die ihr Wissen weiterhin einbringen. „Ich hoffe, dass in der Gemeinde Ried mehr Naherholungsgebiete geschaffen werden und dass Wachstum und Nachhaltigkeit in einem vereinbaren Verhältnis stehen.“

Freie Wähler hätten sich bei der Wahl mehr erhofft

Auch Paul Graf von der Freien Wählergemeinschaft Ried hatte sich mehr von der Wahl erhofft. Die Fraktion behält zwar ihre drei Sitze, der Vorsitzende hatte aber auf einen Zuwachs gesetzt. „Gerade die kleinen Fraktionen haben in den vergangenen sechs Jahren viele gute Ideen eingebracht“, sagt er. Die Arbeit im Gemeinderat sei in dieser Zeit recht einvernehmlich und konstruktiv verlaufen. „In einer großen Koalition ist es aber für den kleineren Partner oft schwerer, sich zu profilieren.“

Der Bürgermeister habe bessere Möglichkeiten, Projekte und Erfolge zu präsentieren. Auch Graf befürchtet nicht, dass die Rieder CSU ihre neue Mehrheit in Zukunft nutzt, um durchzuregieren. Die Abstimmungen seien in der Vergangenheit stets sachbezogen abgelaufen. Auch in der CSU gebe es keinen Fraktionszwang. Aber Graf gibt zu bedenken: „Wenn es eine absolute Mehrheit gibt, fällt immer die Kontrollinstanz weg.“ Allerdings denkt er, dass auch in Zukunft konstruktiv zusammengearbeitet wird.

Lebensqualität Ried bleibt bei zwei Sitzen

Auch für die „Lebensqualität Ried“ ist die Hoffnung auf einen zusätzlichen Sitz im Gemeinderat nicht aufgegangen. „Das, was wir eigentlich verhindern wollten, ist jetzt doch eingetreten“, sagt Robert Guha mit Blick auf die absolute Mehrheit der CSU. Er und Claudia Mayer repräsentieren die Gruppierung künftig im Gemeinderat.

 

Guha hofft dabei, dass der Bürgermeister trotz seiner Mehrheit das sehr gute Miteinander und die Gesprächskultur fortsetzt. „In den vergangenen sechs Jahren haben wir alle viel miteinander geredet und auf diese Weise einige Ideen entwickelt“, sagt Guha. Er denkt dabei unter anderem an die Ortsumgehung für Ried, bei der mittlerweile ein Umdenken weg von der früher von der CSU bevorzugten südlichen Trasse hin zu einer Nordtrasse stattgefunden hat.

Insgesamt sei die Lebensqualität froh, dass sie weiter im Gemeinderat mit dabei ist. „Vor sechs Jahren hat ja so mancher gemeint, wir wären nur eine vorübergehende Erscheinung“, erinnert sich Guha.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wahl 2020: Gutes Miteinander als Erfolgsmodell in Ried

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