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Friedberg

13.05.2020

Nach Kritik: Wie läuft eine Feuerwehrübung in Corona-Zeiten?

Regelmäßige Übungen sind für die Feuerwehr unerlässlich - auf dem Bild wurde die Bergung von Verletzten aus einem Fahrzeugwrack geprobt.
Bild: Christian Gall (Archiv)

Plus Friedbergs Kommandant Michael Geiger sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, Pandemie-Beschränkungen missachtet zu haben. Das möchte er nicht auf sich sitzen lassen.

Wurde bei der Friedberger Feuerwehr gegen die Corona-Beschränkungen verstoßen? Diese Beschuldigung erhebt ein anonymer Schreiber in weitgehend wortgleichen Schreiben, die an unsere Zeitung und Bürgermeister Roland Eichmann gingen.

Der Verfasser der Briefe, der offenkundig über Insider-Informationen verfügt, wirft der Führung von Stadt und Feuerwehr Verantwortungslosigkeit gegenüber den Bürgern vor. Kommandant Michael Geiger weist dies strikt zurück.

Der Briefeschreiber listet auf, wie sich Mitglieder der Feuerwehr nach dem 20. April mehrfach zu Übungen im Gerätehaus getroffen hätten, obwohl zu diesem Zeitpunkt das Haus nur aus triftigen Gründen wie Arbeit, Arztbesuch oder Einkauf hätte verlassen werden dürfen.

Geselliges Treffen auf der Terrasse des Friedberger Feuerwehrhauses

Nach seiner Beobachtung seien wiederholt die Mindestabstände unterschritten, kein Mundschutz getragen und sogar noch ein Abschlussbier getrunken worden. An einem Sonntag seien Mitglieder der Feuerwehr auf der Terrasse der Einsatzzentrale am Volksfestplatz gesessen.

„Es ist nicht auszumalen, was passieren könnte, wenn ein Mitglied symptomfrei das Virus in sich trägt“, so der unbekannte Hinweisgeber: „Es wird übertragen und legt die Einsatzbereitschaft lahm? Bei Einsätzen im Friedberger Krankenhaus oder Altenheim werden Bewohner angesteckt? Es wird in Familien mit Kindern oder Risikogruppen übertragen?“

Kreisbrandrat Christian Happacher gibt eine dringende Empfehlung

Dabei hatte Kreisbrandrat Christian Happacher in Absprache mit Landrat Klaus Metzger bereits am 11. März den Feuerwehren im Wittelsbacher Land dringend empfohlen, den Ausbildungsbetrieb bis einschließlich 19. April einzustellen bzw. auf das Nötigste zu reduzieren. Die Einsatzbereitschaft sei aber sicherzustellen. Diese Empfehlung wurde mehrfach verlängert und gilt unverändert bis heute.

Der Friedberger Feuerwehrkommandant Michael Geiger weist darauf hin, dass er bereits vor dem Schreiben des Kreisbrandrats vom 11. Mai eine Änderung der persönlichen Schutzausrüstung der Feuerwehrler angeordnet habe. „Der Übungsdienst, Veranstaltungen und der Aufenthalt im Feuerwehrhaus wurden daraufhin minimiert beziehungsweise eingestellt.“

Feuerwehr ist von den Corona-Beschränkungen ausgenommen

Laut Geiger war der aktive Feuerwehrdienst von Anfang an von den gesetzlichen Beschränkungen ausgenommen, sollte aber auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Dies sei auch geschehen. Zu keiner Zeit habe es ein Verbot, sondern lediglich eine Verhaltensempfehlung für Einsätze und Übungen gegeben, so Geiger unter Berufung auf das Innenministerium.

Dementsprechend habe auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) klare Empfehlungen formuliert, die unter anderem das Einweisen des Personals, tägliche Abfrage des Gesundheitszustands und potenzieller Covid-19-Kontakte, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten von Sicherheitsabständen beinhalten. Nach Übungen und Einsätzen werden Material und Mannschaft desinfiziert.

Hat der Hinweisgeber private Motive?

Geiger weist auch den Vorwurf zurück, durch die Missachtung der Corona-Beschränkungen konnte das Virus in Altenheime und Krankenhäuser getragen werden. „Um Infektionsketten von vorneherein nicht zuzulassen, hat lediglich absolut notwendiges Personal mit professioneller Schutzausrüstung Zutritt zu diesen Einrichtungen. Geiger vermutet, dass der anonyme Hinweisgeber private Motive für seine Vorwürfe hat. Wo diese liegen, sei ihm rätselhaft.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas Goßner: Feuerwehr und Corona: ein Balanceakt

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