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28.09.2009

Tod im nordkoreanischen Arbeitslager

Mering/Tokwon (Nordkorea) (FA) - Krank und entkräftet ist Bruder Eusebius Lohmeier am 1. September 1949 in einem nordkoreanischen Gefangenenlager gestorben. Jetzt soll er mit 35 anderen Benediktinermönchen seliggesprochen werden.

Als Maximilian Lohmeier in Mering geboren, lernte er in St. Ottilien als Bruderzögling das Zimmermannshandwerk. Er trat 1914 ins Kloster ein, wurde aber im April 1916 zum Heeresdienst einberufen und machte bis 1918 die schweren Kämpfe in Frankreich mit. Danach kehrte er ins Kloster zurück, erhielt den Ordensnamen Bruder Eusebius und erhielt 1923 die ewige Profess.

Vom Kloster St. Ottilien aus wurde er bereits im März 1924 als Missionar auf die Philippinen ausgesandt. Nach wenigen Monaten kam Bruder Eusebius nach Seoul (Korea). Das Kloster St. Ottilien hatte 1911 in Seoul ein Kloster mit Handwerkerschule gegründet. Diese Gründung wurde im August 1913 zur Abtei erhoben und 1927 nach Tokwon verlegt. Dort war Bruder Eusebius als Handwerker gefragt. Er leitete die Zimmermannsarbeiten beim Bau der Abteien Tokwon und Yenki sowie beim Bau der Kathedrale in Pyongyang.

Die Abtei Tokwon war vor der Zerstörung ein blühendes Kloster mit eigenem Priesterseminar. Dazu gehörte ein kleines Krankenhaus, in dem Patienten aus dem Umland behandelt wurden. Doch mit der Herrschaft der Kommunisten fand das ein jähes Ende. Im Mai 1949 überfielen sie die Abtei und nahmen die ersten Patres gefangen. Wenige Tage später verhaftete die Geheimpolizei sämtliche Mönche und die Schwestern im benachbarten Frauenkloster Wonsan. Die Abteikirche wurde zerstört. Bruder Eusebius und die anderen deutschen Gefangenen brachte man zu einem fast fünfjährigen Aufenthalt im Internierungslager Tschontschon in der Nähe des Dorfes Oksadok. Zwischendurch wurde die Gruppe nach Manpo an der mandschurischen Grenze evakuiert. Die Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert berichtet, wie sich Bruder Eusebius hier bei der Arbeit mehrere Zehen abfriert und dennoch nicht den Mut verliert: "Nach der Rückkehr von Manpo arbeitete er erst noch am Bau des Schaf- und Kälberstalles, wobei er sich noch ziemlich wohl und in seinem Element fühlte", schreibt sie.

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Hitze, harte Arbeit und Krankheit

Doch dann wurde er zu schweren Arbeiten auf den Feldern herangezogen. Das und die Hitze verlangen ihren Tribut: "Mitte August zog er sich einen akuten Darmkatarrh zu, der fast choleraartig verlief. Entsprechende Diät und Kräftigungsmittel hätten ihn vielleicht retten können", schreibt die Ärztin. Doch bei kärglicher Versorgung stirbt Bruder Eusebius am 1. September 1949 an den Folgen der Krankheit. Ein Verlust für seine Mitgefangenen, wie es die Lagerärztin beschreibt: "Wir alle hatten ihn gern gehabt. Seine gemütliche, durch nichts aus der Ruhe zu bringende Art hatte oft wohltuend gewirkt in der Hetze des Lagerlebens."

Mehr Details im Internet

www.erzabtei.de

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