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Tornado in Affing

14.05.2015

Viele Tränen und eine Gemeinde, die in der Katastrophe zusammenhält

Einem Trümmerfeld glich diese Siedlung in Affing gestern.
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Einem Trümmerfeld glich diese Siedlung in Affing gestern.

Die Einsatzkräfte sind  rund um die Uhr gefordert, das  Landratsamt koordiniert die Hilfe. Wie die Anwohner am Morgen nach dem Tornado mit den Aufräumarbeiten beginnen.  

Der Schock kommt mit dem Tageslicht. Ein junger Mann erinnert sich: „Nach zwei oder drei Minuten war alles vorbei“, sagt er am Morgen nach dem Unwetter. Überall stehen fassungslose Bewohner vor den Trümmern ihres Heims.

Einige ringen mit den Tränen. „Es tut mir so leid für dich“, sagt ein Mann, als er seinen Bekannten in den Arm nimmt. Der Blick auf die Reste des modernen Einfamilienhauses des Mannes ist frei. Fenster und Dach sind weg. Das Auto, das am Haus geparkt wurde, ist zerstört. Das ganze Affinger Neubaugebiet gleicht einem Trümmerfeld. Und im benachbarten Gebenhofen sieht es nicht anders aus. Immer wieder fährt die Polizei durch den Ort – auch um das Hab und Gut der Anwohner zu schützen, wie Rudolf Rothhammer von der Aichacher Polizei erklärt. Feuerwehrautos und Krankenwagen bahnen sich ihren Weg durch die Straßen.

Sieben Menschen sind in dieser Nacht im Landkreis leicht verletzt worden, sagt Landrat Klaus Metzger, der sich mit seinem Stellvertreter Manfred Losinger und dem amtierenden Affinger Bürgermeister Markus Winklhofer ein Bild von der Lage verschafft.

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Der Landrat ist an diesem Morgen zunächst einmal froh, dass nicht mehr Menschen ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Später an diesem Tag wird noch ein weiterer Mann verletzt, der bei Reparaturarbeiten von einem Dach stürzt. Auch wenn der Landrat nicht müde wird, die Arbeit der Helfer und Einsatzkräfte zu loben, die Fassungslosigkeit können sie ihm alle nicht nehmen. „Da spielen sich menschliche Dramen ab“, sagt er über die Situation der Menschen, die in jener Nacht in wenigen Minuten ihr Haus verloren haben. Auch der amtierende Affinger Bürgermeister Markus Winklhofer ist schon die ganze Nacht auf den Beinen. „Schlimmer kann es fast nicht mehr kommen“, stellt er bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittag im Affinger Rathaus fest. „Es geht einem einfach sehr nahe, wenn man die Leute im Neubaugebiet jetzt sieht.“

Doch nicht weniger berührend ist der außergewöhnliche Zusammenhalt der Affinger untereinander. Mit Arbeitshandschuhen ausgerüstet, gehen Nachbarn, Freunde und Bekannte auf Hilfebedürftige zu und fragen, wo sie denn zuerst mit anpacken sollen. Und oft ist es erst einmal eine Umarmung, die hilft.

Auch Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger (CSU) zollt diesem Zusammenhalt Respekt. „Es ist wichtig, dass die Menschen spüren, dass die Gemeinschaft sie nicht alleine lässt“, sagt er und verspricht, sich kurzfristig mit dem bayerischen Finanzminister Markus Söder zusammenzusetzen, um über Geld vom Freistaat für die betroffenen Affinger zu verhandeln. Vorher wollte auch er sich ein Bild von der Lage verschaffen.

Die Zeit drängt. Für den Abend ist schon wieder Regen angesagt. Jede helfende Hand wird gebraucht, um die beschädigten Dächer zumindest notdürftig mit Folien abzudecken. Tatsächlich haben sich viele Firmen und Baumärkte bereit erklärt, am Feiertag Material auszugeben oder beispielsweise Reparaturen zu leisten. Das Landratsamt Aichach-Friedberg hatte schon am Morgen ein Bürgertelefon eingerichtet, um die vielen Helfer, die sich im Laufe des Tages aus ganz Bayern und Süddeutschland melden, gezielt zu koordinieren. Am Vormittag stehen die ersten Container für Schutt bereit, die Bauschuttanlage ist ebenfalls geöffnet. Etwa 20 Mitarbeiter der Lechwerke (LEW) kämpfen in Affing und Gebenhofen um die Stromversorgung. Notstromaggregate sind seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Mittags sperrte die Polizei mit einigen Helfern die Zufahrtsstraßen nach Affing ab, damit Schaulustige den Ort nicht verstopfen und die Rettungskräfte zügig vorankommen. Die Staatsstraße 2045 ist nicht mehr befahrbar, der Verkehr wird über Hollenbach und Petersdorf umgeleitet.

Die Aufräumarbeiten werden noch Wochen andauern. Die finanziellen Schäden werden zunächst grob auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Der amtierende Bürgermeister Winklhofer hat keinen Zweifel: „Wir werden das durchstehen“, sagt er.

Bei uns im Internet finden Sie eine Bildergalerie zur Katastrophe unter

www.friedberger-allgemeine.de/bilder

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