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Mering

14.01.2021

Wie die Büchereien in Mering und Kissing auf den Lockdown reagieren

Die Büchereien in Kissing und Mering bleiben vorerst geschlossen.
Bild: Gönül Frey (Archiv)

Plus Die Türen der Büchereien in Kissing und Mering bleiben zurzeit geschlossen. Aber Angebote gibt es dennoch. Wie es nach dem Lockdown weitergehen soll.

Wo sonst Kinder auf den Sitzsäcken liegen und schon mal in das neueste Bilderbuch reinlesen, sich Erwachsene mit dem aktuellsten Kluftinger-Krimi versorgen und Familien sich noch schnell ein Gesellschaftsspiel ausleihen, herrscht derzeit gähnende Leere. Es ist ruhig in der Meringer Bücherei. Konzentriert sitzt Brunhilde Waeber, die Leiterin der Einrichtung, hinter dem Bildschirm ihres PC und arbeitet an der Statistik. "Das konnte ich diesmal ganz in Ruhe angehen", sagt sie und meint, "ist auch mal ganz schön". Dennoch vermisst sie die Leser und die Gespräche mit ihnen. Seit dem Lockdown ist die Bücherei in Mering geschlossen und kann bis auf die Ausleihe von E-Books und Magazinen im Onlineformat kein weiteres Angebot machen.

Letztes Jahr waren vor allem Heimatromane der Renner bei der Meringer Bücherei. "Am häufigsten wurde bei den Erwachsenen der Roman 'Die Sonnenschwester' von Lucinda Riley ausgeliehen", blickt Waeber in ihre Statistik. Hoch im Kurs standen bei den Kindern die Bücher aus der Reihe "Gregs Tagebuch". Das beliebteste Gesellschaftsspiel war ein Würfelspiel mit der Raupe Nimmersatt. "Der Renner sind aber unsere Tonies, das sind kleine Figuren, die auf ein spezielles Abspielgerät gesteckt werden und dann verschiedene Geschichten vorlesen oder Lieder abspielen", erklärt Waeber. 2020 haben insgesamt 3768 Leserinnen und Leser die Bücherei genutzt - ein Drittel davon war unter 18 Jahre. 2020 wurden insgesamt 2153 neue Medien für die Bücherei Mering eingekauft und für dieses Jahr sind schon 165 neue Bücher angeschafft worden.

Im Bereich der On-Leihe in Mering ist die Nachfrage gestiegen

Im Bereich der On-Leihe, also der Nutzung von digitalen Medien, sei die Nachfrage um zehn Prozent gestiegen. 360 Leser greifen ausschließlich auf diese Form zurück. Sie entliehen 24.950 Medien. "Dennoch wird nach wie vor gerne und viel auf Papier gelesen", sagt die Büchereileiterin. Sie bedauert es sehr, dass beim zweiten Lockdown eine kontaktlose Ausleihe der Bücher nicht möglich ist. "Gerne hätten wir vorbestelle Bücher bereitgestellt", sagt Waeber. Aber nach Rückfrage sei auch dies nicht möglich. "Die Click und Collect-Regelung gilt leider nur für den Handel, nicht aber für Büchereien", bedauert Waeber.

Brunhilde Waeber mit Figuren von Tabaluga und dem kleinen Wassermann: Mit diesen „Tonies“ können Kinder Geschichten und Lieder anhören.
Bild: Peter Stöbich (Archiv)

Einem Lieferservice steht die Leiterin skeptisch gegenüber. "Dies ist für uns nicht zu leisten", sagt sie. Zum einen gehörten die ehrenamtlichen Helfer oft selbst der Risikogruppe an, andererseits sei auch der organisatorische Aufwand dafür sehr hoch.

Auch wenn derzeit kein öffentlicher Publikumsverkehr möglich ist, langweilig wird es Brunhilde Waeber und ihrer Teamkollegin Frauke Niederhofer nicht. "Wir rüsten uns für die Zeit nach Corona", sagen sie. So werden die neuen Bücher eingebunden und katalogisiert. Der Altbestand wird durchgegangen und lange nicht ausgeliehene Bücher aussortiert. Zudem organisiert Brunhilde Waeber wieder den Bezirksentscheid des Lesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. "Auch dieses Jahr werden die Teilnehmer ihre Beiträge wieder online an uns schicken und von einer Jury dann der Sieger gekürt", erklärt Waeber.

Auch in Kissing bleibt die Bücherei bis Ende Januar geschlossen

Auch in Kissing bleibt die Bücherei definitiv bis zum 31. Januar geschlossen. Dennoch haben die Nutzer die Möglichkeit, Lesestoff auszuleihen. Dienstags und Freitags liefert eine Kollegin von Büchereileiterin Petra Scola drei Stunden lang aus. "Was nicht möglich ist, ist Click und Collect. Das Abholen von Medien ist nicht gestattet. Man kann sich aber telefonisch oder per E-Mail an uns wenden und uns bitten, etwas vorbeizubringen. In diesem Zuge kann man auch die Medien zurückgeben", erklärt Scola.

Ihre Kollegin nutze dafür ein Auto der Gemeinde. Sie schaue, dass sie die Bücher möglichst kontaktlos übergebe. "Wir beraten auch am Telefon. Wenn jemand sagt, ich hätte gerne irgendwas zu lesen, aber ich weiß gar nicht was, dann schicken wir ein Überraschungspaket", sagt Scola und fügt hinzu: "Dafür müssen wir nur die Richtung wissen, beispielsweise ob es was Geschichtliches sein soll oder ein Krimi. Wir sind froh über jeden, der sich rührt und unser Angebot in Anspruch nimmt." Es kämen bereits einige Anfragen herein. "Es wird angenommen. Momentan reicht es, wenn wir zwei mal die Woche fahren. Wir können das aber auch noch ausweiten. Wir passen uns dem Bedarf an."

Ansonsten greifen auch die Nutzer in Kissing laut Scola nun verstärkt auf die On-Leihe zurück. Dafür habe die Büchereileiterin extra das Angebot ausgeweitet. "Es gibt ein Zeitfenster, in denen die Büchereien einkaufen können", erklärt sie. Das habe sie genutzt, um die On-Leihe besser auszustatten. Die Auswahl an Titeln sei größer und von denen, die sehr beliebt sind, seien mehr Lizenzen verfügbar.

Im Hinblick auf Veranstaltungen überlege Scola bereits, was sie 2021 auf die Beine stellen könnte. Da sie im vergangenen Jahr mehrere Veranstaltungen absagen musste, halte sie sich das genaue Vorgehen noch offen. "Ich plane zurzeit eine Reihe, die draußen stattfindet. Wir haben sehr viele Möglichkeiten, etwas über Kissing zu erzählen und wir haben auch sehr gescheite Leute hier." Im vergangenen Jahr hatte die Bücherei literarische Führungen in der Streuobstwiese angeboten. "Das hat gut funktioniert. Das wurde angenommen." Diese Führungen unter freiem Himmel könnten wieder literarische aber auch andere kulturelle oder geschichtliche Themen umfassen. "Das ist aber noch nicht fertig gedacht." Sie strecke nun ihre Fühler zu Heimatforschern, Künstlern und Experten aus.

Martina Großhauser las Gedichte und Texte zum Thema Obstanbau und Streuobstwiese in Kissing im vergangenen Jahr. Jaroslav Jezewski sorgte auf dem Akkordeon für musikalische Umrahmung.
Bild: Heike Scherer (Archiv)

Im Hinblick auf Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sieht Scola zurzeit noch hohe Hürden. "Bevor ich mich darauf einlasse, muss eigentlich ein ganzer Winter ohne irgendwas mit Corona vorbeigegangen sein. Erst dann kann man wieder planen. Niemand weiß, ob nicht im Herbst noch einmal eine dritte Welle kommt", sagt sie.

Die kommenden Wochen will sie mit ihrem Team dazu nutzen, um den Sachbuchbereich auf eine leserfreundlichere Systematik umzustellen. Das gelte sowohl für den Erwachsenen- als auch den Kinder- und Jugendbuchbereich. "Diese neue Systematik nennt sich Klartext- oder Klarschriftsystematik und besteht aus verständlichen Wörtern. Wir werden die kryptische Anordnung von Buchstaben und Zahlen, die man derzeit noch auf den Buchrückenschildern findet, in klar nachvollziehbare Begriffe umwandeln", sagt Scola. Zum Beispiel werde aus „Xeo 2“ dann „Handarbeiten - Filzen“. Medien, die thematisch zusammengehören, bisher aber auf verschiedene Sachgruppen verteilt seien, stünden nun zusammen an einer Stelle.

Büchereien, die auf diese Systematik umgestellt haben, berichteten von einem sehr guten Echo in ihrem Leserkreis. Die Ausleihzahlen seien sogar gestiegen. "Für unsere Arbeit im Lockdown bedeutet es, jedes Buch in die Hand zu nehmen, es ganz neu zuzuordnen, es mit dem passenden Rückenschild zu versehen und dann auch den Datensatz entsprechend zu ergänzen. Wir haben also viel zu tun, freuen uns aber über diese Neuerung, denn auch für uns wird es einiges an Erleichterungen mit sich bringen", sagt Scola.

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