Auf den ersten Blick wirken die drei Robinien vor der Hausnummer acht in der Wulfertshauser Dorffeldstraße nicht störend. Doch wer sich den Bäumen auf dem Gehweg unvorsichtig nähert, könnte schnell ins Stolpern kommen. Wurzeln haben nämlich eine Schwelle im Asphalt geschaffen. Aus Sicht der Stadt kann das so nicht bleiben. Eine Abholzung der Robinien mit Neupflanzung steht im Raum – und darüber hinaus eine Begrünung weiter Straßenteile. Kostenpunkt: rund 700.000 Euro.
Ins Visier der Stadt sind die Robinien vor der Hausnummer acht vor allem deshalb geraten, weil sie für manche Fußgänger eine Herausforderung darstellen. Bürgermeister Roland Eichmann schilderte die Situation im Stadtrat: "Diese Bäume beschädigen nicht die Straße, sondern den Gehweg." Dieser sei so aufgeworfen, dass Menschen mit einem Rollator kaum noch vorbeikämen. Grund für die Problematik sei, dass die Bäume ehemals viel zu eng gepflanzt worden seien. "Die Wurzeln suchen natürlich Platz." Tatsächlich ist auf dem Gehweg deutlich eine Schwelle zu sehen.
Baumpflanzungen in Friedberg-Wulfertshausen nach Schwammstadt-Prinzip
Im Stadtrat ging es in erster Linie darum, ob für Baumarbeiten in der Dorffeldstraße überhaupt Gelder im Haushalt zur Verfügung stehen sollen. Was vor Ort konkret passieren wird, ist noch offen. Das hängt davon ab, ob die Bundesregierung in diesem Jahr ein Förderprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel wieder auflegt. Die Stadt rechnet in diesem Fall mit einer Förderung von rund der Hälfte der Kosten. "Wenn es eine große Lösung geben soll, kommt das nur infrage, wenn wir eine hohe Förderung bekommen", betont Eichmann. Geplant ist auch eine Verkehrsberuhigung durch die Absenkung von Bordsteinen in der Straße.
Die große Lösung sieht vor, eine sogenannte Schwammstraße zu schaffen, welche Wasser bei Niederschlägen aufnimmt und speichert. Dafür würde der Straßenraum bis auf die notwendigste Fahrspur entsiegelt und im Ausweichbereich das Pflaster in ungebundener, wasserdurchlässiger Bauweise ausgestaltet. Auch der Gehweg würde mit ungebundenen Betonplatten ausgestattet. Darüber hinaus würden Einläufe mit Schadstofffilter eingesetzt, durch die Niederschlag in einen straßenbegleitenden Pufferspeicher eingeleitet wird. Diese wäre mit Belüftungsrohren bestückt, die als Schächte dienen. Die neue Bepflanzung bestände aus mehreren klimaresistenten Bäumen und Kleinsträuchern. Für diese Arbeiten stellte die Stadt 680.000 Euro in den Haushaltsentwurf für das Jahr 2025 ein.
Grüne kritisieren geplante Baumfällung in Wulfertshausen
Deutlich zu viel für die Grünen-Fraktion, die das massiv kritisierte. "Es kann doch nicht Ihr Ernst sein, dass wir für dieses Geld bestehende Bäume fällen, um dann neue zu pflanzen", wetterte die Fraktionsvorsitzende Claudia Eser-Schuberth. Es gibt ihrer Ansicht nach andere Stellen in der Stadt, an denen es hitzebedingt notwendig wäre, neue Bäume zu pflanzen. Auch von dem Ansatz, den Verkehr im Rahmen der Maßnahmen zu beruhigen, ist Eser-Schuberth nicht überzeugt. "Wir reden hier ja nicht von einer Schnellstraße, der Durchgangsverkehr hält sich in Grenzen."
Die Leiterin des Tiefbauamts Sarah Scholtissek betonte, dass ohne Beschluss des Stadtrats gar nichts passiere. "Es werden keine Bäume einfach so gefällt, zunächst brauchen wir einen Umsetzungsbeschluss." Dies gilt auch für eine mögliche kleinere Maßnahme. Diese soll kommen, wenn das Förderprogramm nicht neu aufgelegt wird. Dabei ist vorgesehen, die drei Bäume vor der Hausnummer acht durch neue zu ersetzen. Dieser Teilbereich würde als nachhaltiges Baumquartier mit umgestalteter Entwässerung errichtet. "Diese Maßnahme würden wir dann im nächsten Jahr durchführen", erklärte Bürgermeister Eichmann. Die Kosten könnten bei rund 60.000 Euro liegen.
Bäume: Grünen-Antrag im Friedberger Stadtrat abgelehnt
Die Grünen schlugen vor, den Kostenansatz von 680.000 Euro für eine mögliche große Lösung komplett zu streichen. Diesen Antrag lehnte der Stadtrat denkbar knapp mit 13:14 Stimmen ab. Das Geld blieb also im Haushalt, für etwaige Planungskosten bleiben in diesem Jahr 90.000 Euro eingestellt. Wie viel Geld tatsächlich in die Dorffeldstraße fließt, bleibt bis zur Entscheidung des Bundes aber offen.