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Bananen

26.01.2019

Billige Bananen schaden Mensch und Natur: Lidl setzt jetzt auf Fair Trade

Elf Kilo Bananen isst jeder Deutschen im Schnitt im Jahr. Allerdings sind hierzulande nur etwa zwölf Prozent unter fairen Arbeitsbedingungen gewachsen und geerntet worden.
Bild: stock.adobe.com (Symbolbild)

Viele Läden nutzen Bananen als Lockangebote, weswegen sie billig sind. Nun entscheidet sich ausgerechnet ein Discounter, nur noch Fair-Trade-Ware anzubieten.

Rund elf Kilo Bananen verspeist jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Doch so gut das krumme Obst den Deutschen auch schmeckt, beim Kauf achten sie oft vor allem auf den günstigsten Preis. Dabei warnen Umweltschutz- und Arbeiterrechtsorganisationen seit Jahren, dass billige Bananen Natur und Mensch teuer zu stehen kommen. Nun wehrt sich der erste große Discounter gegen den harten Preiskampf und setzt auf fair gehandelte Bananen.

Ob die Konkurrenz mitzieht, ist fraglich. Denn wie die Tafel Schokolade oder der Liter Milch gilt das Kilo Bananen im Handel als „preissensibles Produkt“, bei dem die Verbraucher besonders genau vergleichen. Und danach ihre Entscheidung ausrichten, in welchem Supermarkt sie einkaufen. Deshalb sind Bananen zu besonders niedrigen Kilopreisen, teils unter 90 Cent, für Handelsketten oft Lockangebote. Fair gehandelte Bio-Bananen gibt es in vielen Filialen zwar auch, aber deutlich teurer. In Großbritannien dagegen haben alle Supermärkte bereits vor zehn Jahren auf „faire Bananen“ umgestellt. In der Schweiz ist mehr als die Hälfte der Bananen zertifiziert. Deutschland ist von solchen Werten weit entfernt. Nur etwa zwölf Prozent der in Deutschland gehandelten Bananen tragen ein Bio- oder Fair-Trade-Siegel.

Fair Trade bei Bananen: Lidl ist noch die Ausnahme

So sorgte es in der Branche für großes Aufsehen, als der Discounter Lidl Ende 2018 damit begann, sein Sortiment komplett auf Bananen mit dem Fair-Trade-Zeichen umzustellen. Das international anerkannte Siegel, in Deutschland von der Initiative Transfair vergeben, garantiert die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards im Anbau. Kleinbauern erhalten stabile Mindestpreise und eine Prämie, sodass sie weniger von schwankenden Weltmarktpreisen abhängig sind und ihre Existenz sichern können.

Schrittweise will Lidl in allen seiner 3200 deutschen Filialen nur noch Früchte anbieten, die die Kriterien der Organisation erfüllen. Im Januar waren bereits 700 Märkte umgestellt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) begrüßt die Entscheidung des Neckarsulmer Unternehmers: „Lidl geht voran und stellt sein Sortiment komplett auf Fair-Trade-Bananen um. Dass ausgerechnet ein Discounter zum Vorreiter wird, mag vielleicht einige überraschen. Es zeigt aber, dass ein Umdenken stattfindet.“

Doch noch steht Lidl damit unter den großen Handelsketten allein auf weiter Flur. Bananenproduzenten aus Ecuador, einem der größten Bananen-Exportländer, verfassten kürzlich sogar ein Protestschreiben, in dem stand, dass deutsche Discounter planten, die Einkaufspreise von  0,42 US-Dollar  pro Kilogramm nochmals auf 0,38 US-Dollar zu drücken. Ein solcher Preisdruck habe „fatale Folgen für die Produzenten in allen Exportländern“.

Niedrige Bananen-Preise schaden Kleinbauern

Seit langem weisen Menschenrechtler und Umweltschützer auf die Schattenseiten des Bananenmarkts hin: Bei den von den Handelsketten immer weiter nach unten gedrückten Preisen kann kaum ein Produzent überleben. Selbstständige Kleinbauern müssen aufgeben, werden zu Tagelöhnern, die zu schlechten Konditionen für Großproduzenten arbeiten. Arbeiterrechte sind in den Anbauländern oft eingeschränkt. Zudem wird immer wieder von Fällen von Kinderarbeit im Bananenanbau berichtet. Viele ehemalige Kleinbauern müssen vom Land in die Städte oder gleich nach Norden in reichere Länder flüchten. Steigt der Preisdruck, steigt oft auch der Einsatz von Chemikalien zur Steigerung der Produktivität – zum Schaden von Mensch und Umwelt.

Mit seinem Schritt, komplett auf fair gehandelte Bananen umzustellen, bekennt sich Lidl nach eigenen Angaben „zu einer langfristigen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern“. Doch in Branchenkreisen heißt es, dass es auch für Lidl zum Problem werden könnte, wenn die Konkurrenz dauerhaft mit Billigbananen lockt.

Ein Lidl-Sprecher hat nun auf der Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ in Berlin zu einem Ende des Preiskampfs bei Bananen aufgerufen. Und bekommt die Unterstützung von Entwicklungsminister Müller: „Jetzt muss der gesamte Einzelhandel nachziehen“, sagt er. Der CSU-Politiker fordert: „Hungerlöhne und Kinderarbeit müssen der Vergangenheit angehören. Faire Preise für Bananen sollten zum Standard in deutschen Supermärkten werden.“

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