1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Dieser Plan ist wichtig für die Region - und interessiert kaum

Landkreis Günzburg

29.11.2019

Dieser Plan ist wichtig für die Region - und interessiert kaum

Aufgestuhlt war schon. Aber nur wenige wollten sich in Günzburg über den neuen Regionalplan informieren.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der Regionalverband stellt nach über 30 Jahren wieder Leitplanken auf, die Kommunen bei der Entwicklung beachten müssen. Das Interesse scheint gering.

Es ist ein bis heute ziemlich einmaliges Gebilde, das da 1973 geschaffen wurde: der Regionalverband Donau-Iller. Über die Landesgrenzen von Bayern und Baden-Württemberg hinweg agiert dieser Planungsverband – und setzt in vielen Bereichen Leitplanken für planerische Aktivitäten, die durchaus verbindlich sind. Auch der Landkreis Günzburg zählt zu dieser Region. Deshalb fand am Donnerstagabend im Günzburger Forum am Hofgarten die letzte der fünf Dialogveranstaltungen wegen eines neuen Regionalplans statt. Allerdings war der Andrang ziemlich übersichtlich.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Zwei Dutzend Menschen verloren sich im Marie-Antoinette-Saal. Der Bürgerbeteiligung fehlten die Bürger. Zumeist waren Mandatsträger der Kommunen gekommen. Dabei geht es um nichts Geringeres als um die Fortschreibung des Regionalplans, der dem Zweck dient, eine Art planerisches „Finetuning“ für ein bestimmtes Gebiet zu betreiben; eines, das einerseits die Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms beachtet und andererseits die Besonderheiten und Interessen von Kommunen.

Landrat Hafner: "Heute können wir die Zukunft gestalten"

„Mit ihrer Anwesenheit zeigen Sie Interesse an unserer Region – und das freut mich sehr“, sagte Günzburgs Landrat Hubert Hafner zur Einführung und fuhr fort: „Heute können wir die Zukunft gestalten.“ Die Fachleute sitzen allerdings bereits seit dem Jahr 2015 über der Fortschreibung des Regionalplans, der bereits seit 1987, also noch vor der Wiedervereinigung beider Staaten, gilt.

Dieser Plan ist wichtig für die Region - und interessiert kaum

In diesem Regionalplanentwurf sind Hafner zufolge „wir als Landkreis, als Kommunen und Bürger gefragt, unsere Belange bestmöglich zu verankern, um weiterhin eine starke Familien- und Kinderregion zu bleiben“.

Viele Metropolregionen wurden hinter sich gelassen

2016 wurde innerhalb des Regionalverbandsgebiets die Eine-Million-Einwohnermarke überschritten. Und das weitere prognostizierte Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2035 ist beachtlich. Um 3,5 Prozent mehr Menschen sollen in der bayerisch-baden-württembergischen Grenzregion dann leben. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das 35000 Bürgerinnen und Bürger.

Mit dieser Wachstumsaussicht, so sagte Verbandsdirektor Markus Riethe, „haben wir viele Metropolregionen in Deutschland hinter uns gelassen“.

Flächenneutral ist das alles nicht bewerkstelligen

Das ist freilich auch mit Herausforderungen verbunden: Denn flächenneutral ist ein solches Bevölkerungsplus nicht zu bewerkstelligen, sagte Markus Riethe auf Nachfrage. Deshalb ist die Bewältigung des Siedlungsdrucks und der Schutz des Freiraums durch flächensparende Bauweisen und dem Vorrang der Innenentwicklung auch ein Thema des Regionalplans.

Markus Riethe ist der Verbandsdirektor.
Bild: Regionalverband Donau-Iller

Gutachten beschäftigten sich in den vergangenen vier Jahren mit einer Biotopverbundplanung, einer Klimaanalyse, Kulturlandschaften und bedeutenden Denkmalen, der Baulandentwicklung und einem Zielkonzept für den Schienenpersonennahverkehr.

Weitere Themen waren Landrat Hubert Hafner zufolge der Erhalt der Versorgung der Bürger vor Ort durch den Einzelhandel, der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit insbesondere bei der Erschließung von Gewerbeflächen und die Sicherung der Versorgung mit heimischen Rohstoffen.

Vielleicht könnten wertvolle Flächen künftig geschützt werden

Der Regionalplan des Verbandes Donau-Iller ist außerdem der erste in Bayern, in dem Vorbehaltsflächen für die Landwirtschaft festgelegt werden. Vorbehalt, das ist zwar kein Vorrang. Aber künftig seien die aus landwirtschaftlicher Hinsicht sehr guten Böden gekennzeichnet – ein Fingerzeig, diese Flächen „vielleicht in Zukunft zu schützen“, wie Verbandsdirektor Riethe sagt.

Auf eine mögliche Gefahr wies der frühere Günzburger Oberbürgermeister Rudolf Köppler in der abschließenden Fragerunde hin – nämlich darauf, dass Günzburg mit der Neu- und Ausbaustrecke zwischen Ulm und Augsburg seine Bedeutung als Fernverkehrsbahnhof verlieren könne. Das dürfe nicht sein. Riethe machte deutlich, dass der Regionalverband derselben Ansicht ist.

Allerdings sei auch die Vorgabe des Bundes eindeutig, dass die Zugfahrt zwischen Ulm und Augsburg weniger als eine halbe Stunde betragen müsse. Wo die Zeit eingespart werden soll, ist noch nicht klar. Allerdings sei es wohl allein mit der Ertüchtigung der alten Strecke nicht möglich, dieses Ziel zu erreichen. „Da würde man mehrfach aus der Kurve fliegen.“

Noch bis 17. Januar 2020 können Anregungen zum neuen Regionalplan gegeben werden. Die Unterlagen sind im Internet unter www.rvdi.de veröffentlicht. Für allgemeine Fragen gilt die Mailadresse info@rvdi.de. Und für Stellungnahmen im Verfahren kann eine Mal an die Adresse beteiligung@rvdi.de geschickt werden.

Lesen Sie auch zu diesem Thema:

Kammeltal eignet sich sogar als Kurgebiet

S-Bahn-Netz: Erst muss die Mittelschwabenbahn besser werden

Regio-S-Bahn: Schienen in die Zukunft

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren