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Natur

16.04.2018

Für jeden gibt es einen Quadratmeter Blumen

Diese Tüte bekommt am Dienstag jeder, der vorbeikommt.

Dank des Inhalts einer kleinen Papiertüte können unsere Leser etwas Ansehnliches gestalten. Landrat Hafner verteilt sie am Dienstag. 

Was haben Roter Fingerhut, Kornblume und die Echte Hundszunge gemeinsam? Nun, das Saatgut dieser und weiterer knapp 40 Blumenarten enthält die kleine Papiertüte, die es am Dienstag, 17. April, am Günzburger Wätteplatz kostenfrei gibt – pro Person eine Tüte, solange Vorrat reicht.

Der Landkreis Günzburg hat die Blumensamen zur Verfügung gestellt. Anlass ist das Jubiläum unserer Zeitung. Vor 70 Jahren ist die Günzburger Zeitung erstmals erschienen. Vor fünf Jahren hat der Landkreis Günzburg mit den Blühflächenaktionen begonnen. Dabei kommen verschiedene Blumenmischungen zum Einsatz, die der Saatguthersteller anbietet. Samentütchen wurden 2014, dem ersten Jahr, an Kindergärten, Schulen, Vereine und Gemeinden verteilt – und außerdem Blühflächen an Kreisstraßen und Kreisliegenschaften angesät, wie in allen kommenden Jahren.

2015 bestellte der Landkreis insgesamt 65 Kilogramm Saatgut für rund 26000 Quadratmeter Blumenwiesen. Jede Kommune erhielt damals eine größere Menge einer „gärtnerischen Mischung“, die am besten in Wohnsiedlungen und an Straßen ausgesät werden kann.

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2016 wurde die bislang größte Menge Blumensamen geordert – 165 Kilogramm waren es. Damals wurden speziell Kinderkrippen, Kindergärten und Grundschulen im Landkreis Günzburg bedacht. Im vergangenen Jahr schließlich haben das Saatgut „Schmetterlings- und Wildbienensaum“ die Jagdschutz- und Jägervereine Günzburg und Krumbach erhalten. Die Kommunen bekamen einen anderen Mix.

100 Kilogramm Blumensamen

Und was ist heuer? „Da haben wir eine Schippe draufgelegt“, sagt Landrat Hubert Hafner. Insgesamt stehen 100 Kilogramm Blumensamen zur Verfügung. Damit soll zusammengenommen eine 50000 Quadratmeter große Fläche aufblühen. 2017 wurden 82 Kilo gekauft.

Am Dienstag startet die Günzburger Zeitung die diesjährige Samentütchen-Aktion. Ab 10 Uhr geht es auf dem Platz vor der Zeitungsredaktion los. Landrat Hafner selbst wird die zwei Gramm leichten Tüten an Bürgerinnen und Bürger eine Stunde lang verteilen. Die Aktion endet erst am Nachmittag gegen 15 Uhr.

Ist das angesichts der zusehends schwindenden Blumenwiesen, der Insekten und infolge dessen auch der Vögel nicht nur ein bisschen Symbolik? Hafner schüttelt den Kopf. Er ist nicht dieser Ansicht. „Wir wollen auf die bestehenden Probleme aufmerksam machen, dafür Bewusstsein schaffen“, sagt er. Das Engagement des Kreises seit dem Jahr 2014 zeige, „dass wir auf Nachhaltigkeit großen Wert legen“. Außerdem könne jeder, der wolle, seinen kleinen Beitrag leisten.

Landkreis soll noch bunter werden

Eine Tüte haben wir hergenommen, sie geöffnet, den Inhalt ausgeleert und nachgezählt, wie viele Samen, die locker in eine Handfläche passen, tatsächlich enthalten sind. „732“ lautete immerhin das Resultat. Noch in dieser Woche werden die Bürgermeister aller 34 Landkreisgemeinden nach dem Start in Günzburg ebenfalls Tüten mit dem Saatgut „Bunter Saum“ erhalten – mit der Bitte des Landkreises, die Aktion zu unterstützen, indem die Samentütchen in den Rathäusern oder Bürgerbüros ausgegeben werden. Der Landrat betont in seinem Anschreiben an die Bürgermeister, dass diese Initiative ein „besonderes Herzensanliegen“ für ihn ist. „Unser schöner, liebenswerter Landkreis soll noch bunter und artenreicher werden.“

Das scheint dringend nötig zu sein. Tina Sailer, die Fachberaterin des Landkreises für Gartenkultur, verweist auf Ausführungen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Demnach ist Untersuchungen in mehreren Bundesländern zufolge die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich, so die Naturschutzorganisation, in einem „dramatischen Sinkflug“. Zu den möglichen Ursachen gehörten die Fragmentierung und Zerstörung von Lebensräumen, aber auch der Einsatz immer wirksamerer Insektizide. Neben der „Bestäubungskrise“ weist der Nabu auf Vogelarten wie Blaukehlchen, Mehlschwalbe oder Dorngrasmücke hin, die bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme bekämen, den eigenen Nachwuchs aufzuziehen. Nach einer Auswertung des Nabu hat Deutschland in zwölf Jahren rund 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren – das entspreche einem Minus von 15 Prozent.

Artenverarmung entgegenwirken

Landrat Hafner weist die Kommunalpolitiker in den Rathäusern auf die Notwendigkeit, der „Artenverarmung in der Tier- und Pflanzenwelt entgegenzuwirken“, mit einer Frage hin: „Wussten Sie, dass mit jeder verschwundenen Pflanzenart in Deutschland auch 20 Tierarten verschwinden?“ Bei der Bürgermeisterdienstversammlung am 24. April gibt es Nachschlag: An Städte, Märkte und Gemeinden wird die Mischung „Blühende Landschaft“ übergeben, die für eine Standzeit von fünf Jahren konzipiert und die auch außerorts geeignet ist. An den Kreisverband der Imker ist das Saatgut mit der Bitte, es weiterzuverteilen, bereits überreicht worden. Der Landrat fordert dazu auf, „sich von der Vielfalt der Blütenbesucher überraschen und begeistern zu lassen“. Und er freut sich auf einen „blütenreichen Sommer“.

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