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Barrierefreiheit

23.01.2020

"Günzburger Streifen" statt Pflaster auf Burgaus Kirchplatz ?

Zu holprig ist es vielen auf dem Burgauer Kirchplatz mit seinem Kopfsteinpflaster.
Bild: Bernhard Weizenegger

Zumindest partiell könnten barrierefreie Wege entstehen. Damit verbunden ist auch die Diskussion über eine Generalsanierung. Auch die Mühlstraße ist im Fokus.

Günzburg macht es vor: In der Altstadt werden Teile des Kopfsteinpflasters entfernt, dafür wird ein neuer Belag eingebaut. Dieser soll Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten, Rollatornutzern und Eltern mit Kinderwagen ein besseres Vorankommen ermöglichen. Auch in Burgau wird immer wieder darüber diskutiert, dass der Kirchplatz so etwas wie diese "Günzburger Streifen" bräuchte und auch andere Gehwegbereiche in der Innenstadt umgestaltet werden müssten. Nachdem ein Bürger das in der Einwohnerversammlung im vergangenen Herbst angesprochen hatte und darauf verwies, dass sich gemäß der Gemeindeordnung der Stadtrat innerhalb von drei Monaten mit den Anregungen aus den Bürgerversammlungen befassen muss, hat nun zunächst der Bauausschuss das Thema auf der Tagesordnung gehabt.

Stadtbaumeister Werner Mihatsch erklärte, dass für einen Austausch des Gehwegbelags der Mühlstraße bereits Geld im Finanzplan vorgesehen sei. Denn bislang habe der Stadtrat die Auffassung vertreten, dass dies mit dem geplanten Umbau der Kreuzung am Schmiedberg angepackt werden soll. Auf dem Kirchplatz Laufwege mit einer Breite von 1,2 Metern zu bauen, sei nicht sinnvoll, da keine zwei Leute aneinander vorbei kämen und das vorhandene Pflaster nicht so einfach daran anzupassen sei. Nach einer groben Schätzung würden Baukosten von bis zu 150000 Euro entstehen, die Planung käme noch dazu. Um aber erst einmal genaue Kosten zu ermitteln, müssten vorab gut 30000 Euro bereitgestellt werden.

Rupprecht: "Nicht alles über den Haufen werfen"

Frank Rupprecht (CWG) verwies darauf, dass der Sanierung der Altstadt ein Konzept zugrunde liege. Zwar seien die dafür einmal erhaltenen Fördergelder angesichts der verstrichenen Zeit wohl nicht gefährdet, aber man dürfe jetzt nicht einfach alles „über den Haufen werfen“. Frühere Stadträte hätten sich viele Gedanken darüber gemacht, wie die Altstadt saniert wurde. Man solle jetzt nicht einfach einen Tiefbauer beauftragen – man brauche einen Stadtplaner. Jetzt leichtfertig etwas aufzureißen, sagte Rupprecht, wäre Stückwerk. Man mache etwas kaputt, weswegen sich die früheren Räte jahrelang die Köpfe eingeschlagen hätten.

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Heidi Häuser (Freie Wähler) wollte auch auf dem Kirchplatz nichts auf die Schnelle machen, es brauche hier ein Konzept. Aber im Bereich der Mühlstraße sehe sie jeden Tag Leute mit Rollator, die angesichts des schlechten Gehwegs auf der Straße liefen. Man dürfe deshalb aus Gründen der Sicherheit für diese Menschen nicht erst darauf warten, was auf dem ehemaligen Zimmermann-Areal und in dessen Umfeld gemacht wird.

Frielinghaus kennt den Kirchplatz noch geteert

Auf die Frage von Karlheinz Mayländer (FDP/FB) an Mihatsch, ob tatsächlich Rückzahlungen von Fördermitteln zu befürchten seien, wenn man hier etwas ändert, bekam er zur Antwort: „Das müsste man prüfen.“ So oder so sah Mayländer „dringenden Bedarf“ etwas zu tun. „Was passiert uns, wenn wir das geschnittene Pflaster vom Bereich vor Mode Frey über den Kirchplatz fortführen.“ Er frage sich auch, was man sich früher dabei gedacht habe, einfach damit aufzuhören, statt es durchzuziehen. Auf dem Kirchplatz mache man damit nichts kaputt und die Mühlstraße müsse man sofort anpacken.

Auch das Pflaster im Bereich der Burgauer Mühlstraße wurde im Bauausschuss kritisch gesehen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wilhelm Frielinghaus (CWG) sagte, er kenne den Kirchplatz noch geteert und sei bei Umplanungen dabei gewesen. Die erneute Sanierung sei zwar immer wieder verschoben worden, aber man dürfe jetzt nichts übers Knie brechen und einfach verändern, was einmal ein Stadtplaner vorgegeben hatte. Manfred Kramer (SPD) sprach sich dafür aus, zumindest dem nächsten Stadtrat die nötigen Mittel dafür zur Verfügung zu stellen – am Aufzug müsse der Zugang aber Platten statt Kopfsteinpflaster bekommen.

Stückwerk oder große Lösung für Burgaus Mitte?

Harald Stöckle (Freie Wähler) erinnerte daran, „dass wir wieder da sind, wo wir seit 15 Jahren stehen“: bei der Frage, ob es ein Stückwerk oder eine große Lösung geben soll. Er sei sich sicher, dass man eine Umgestaltung der Fußwege auf dem Kirchplatz in ein Gesamtkonzept einbinden könne – woraufhin Wilhelm Frielinghaus erwiderte, dass man von keinem verlangen könne, einfach etwas in eine neue Planung zu integrieren.

Bürgermeister Konrad Barm (Freie Wähler) betonte, dass man nun einmal etwas verändern müsse, um den Menschen das Leben zu erleichtern. Stadtplaner seien auch nicht allwissend, letztlich entscheide der Stadtrat. Manfred Kramer wollte aber wissen, ob man an der Mühlstraße nicht zumindest Querungshilfen für Fußgänger bauen könne, auch wenn es einen Plan für einen Umbau dieses Bereichs und der Kreuzung im Zusammenhang mit der Verkehrserschließung des ehemaligen Zimmermann-Areals gebe. Es ging ihm darum, ob man den in der Mühlstraße betroffenen Bereich nicht vorziehen könne.

Stadtbaumeister: "Man macht ja nur Geld kaputt"

Der Stadtbaumeister erklärte, die Kreuzung umzugestalten sei ein großer Umbau, und hier angesichts des Baustellenverkehrs für das neue Stadthaus und den Neubau des Therapiezentrums Straßen zu sperren, sei schwierig. Und was den Kirchplatz angeht, den Mihatsch als Burgaus „Herzstück“ bezeichnete: Um ihn womöglich komplett umzugestalten, reichten 100000 Euro für die Planung bei Weitem nicht aus. Auch brauche man einen Wettbewerb, müsse die Bürger einbinden – es hänge sehr viel daran. Alleine einen Planer zu finden, brauche mindestens ein Jahr, wenn nicht noch wesentlich länger. Natürlich könne man jetzt schon das Pflaster austauschen, man mache damit ja nur „Geld kaputt“.

Letztlich sprach sich der Burgauer Bauausschuss einstimmig dafür aus, im Haushalt für dieses Jahr 15000 Euro einzustellen, damit ein Planer damit beauftragt werden kann, sich einen Austausch des Gehwegbelags an der Mühlstraße zwischen der Buchhandlung Pfob und dem Einrichtungshaus Mengele genau anzusehen. Die gleiche Summe wird für die Planung einer verbesserten Gehwegsituation auf dem Kirchplatz eingestellt. Das wurde mit sieben zu drei Stimmen beschlossen. Allerdings wird sich wohl auch der Stadtrat nochmals mit dem Thema beschäftigen.

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