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Amtsgericht Günzburg

16.05.2019

Immer wieder schlägt er zu: Jetzt muss ein Mann ins Gefängnis

Ein Streit unter Freunden eskaliert. Jetzt kam der Fall vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Ein Streit unter Freunden eskaliert. Einer wird dabei schwer verletzt. Der Angeklagte rastet nicht zum ersten Mal aus. Doch die Aufklärung ist schwierig.

Drei Freunde sitzen abends zusammen, es gibt Bier. Irgendwann bricht ein Streit aus, zwei Männer schlagen sich. Auch ein Messer ist im Spiel. Ein Arzt diagnostiziert später bei einem der Beteiligten ein Schleudertrauma, eine gebrochene Nase und eine Platzwunde am Kopf.

Dass es eine Auseinandersetzung gab, ist klar. Aber wie kam es dazu? Das soll vor Gericht geklärt werden. Bereits am Tag nach diesem verhängnisvollen Abend im Oktober vergangenen Jahres ging der verletzte 38-Jährige zur Polizei und erstattete Anzeige. Ein halbes Jahr später sitzt sein früherer Kumpel, ein 29-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Günzburg, auf der Anklagebank. Und das nicht zum ersten Mal. Insgesamt fünf Mal musste der Mann sich seit 2010 wegen eines Körperverletzungsdelikts vor Gericht verantworten. Sogar im Gefängnis saß er für einige Monate.

Sechs oder sieben Mal wurde angeblich eingestochen

Keine guten Voraussetzungen für dieses neueste Verfahren. Denn dass er seinem früheren Freund die schlimmen Verletzungen zugefügt hat, kann er nicht leugnen. Er sei von den beiden anderen provoziert worden und habe sich dann „zu heftig gewehrt“. Er räumt die Faustschläge ein, mit einem Messer will er aber nicht zugestochen haben. Ein Buttermesser mit runder Spitze habe zwar auf dem Tisch gelegen, er habe es seinem Gegenüber aber nur aus der Hand geschlagen. Überhaupt habe er kaum etwas sehen können, da seine Brille bei der Auseinandersetzung zu Bruch gegangen sei, so der kurzsichtige Angeklagte.

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Der Mann, der wegen der Verletzungen eine Nacht im Krankenhaus verbringen musste, hat die Geschehnisse anders in Erinnerung. Aus seiner Sicht sei er scheinbar grundlos angegriffen worden und habe sich dagegen kaum zur Wehr setzen können. Sechs oder sieben Mal habe der Angeklagte zudem mit dem Buttermesser auf ihn eingestochen.

Von einem Arzt dokumentierte Verletzungen hat er aber deswegen nicht davongetragen. Überhaupt tut sich der an einer chronischen psychischen Krankheit leidende Mann schwer mit seiner Aussage vor Gericht. Richter Walter Henle hat Mühe, das teils bruchstückhafte Stammeln des Zeugen zu ordnen. Sicher scheint aber: Wahnvorstellungen hatte der Mann keine, auch wenn vor Gericht das ein oder andere Detail auftaucht, das im Vernehmungsprotokoll der Polizei nicht zu finden ist.

Eine kleine Schubserei beim Betreten des Saals?

Denn noch ein Dritter war ja an jenem Abend dabei, ein ebenfalls vorbestrafter 27-Jähriger, der Wochen vor dem Vorfall mit einem Angriff auf dessen Nachbarn dafür gesorgt hatte, dass der Angeklagte aus seiner Wohnung flog. Womöglich hatte es deshalb schon böses Blut gegeben zwischen den beiden. Vor Gericht aber warfen sie sich gegenseitig Bedrohung und Einschüchterung vor. Sogar beim Betreten des Gerichtssaals soll es eine kleine Schubserei gegeben haben.

Zur Tat selbst macht der Zeuge aber wesentlich klarere Angaben als das Opfer, mit dessen Aussage sich seine Darstellung einigermaßen deckt. Restzweifel bleiben aber. Denn der 27-Jährige hatte drei Monate lang alle Vorladungen der Polizei ignoriert, nur um dann im Januar um sechs Uhr morgens unangekündigt auf der Wache zur Aussage zu erscheinen.

Dennoch sieht Richter Henle die vorsätzliche Körperverletzung als erwiesen an, wertet den Messerangriff aber, anders als die Staatsanwaltschaft, nur als versuchte gefährliche Körperverletzung. Ein Jahr Freiheitsstrafe bekommt der Mann dafür. Der Forderung des Verteidigers, ein letztes Mal die Strafe zur Bewährung auszusetzen, folgt der Richter aber nicht. Zu schnell sei der erst 2017 aus der Haft entlassene 29-Jährige wieder gewalttätig geworden. „Offensichtlich nützen Bewährungs- und Geldstrafen bei Ihnen nichts.“

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