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Fußball

07.04.2020

Landkreis Günzburg: Amateurfußballer suchen nach der Exit-Strategie

Leeres Grün im Frühjahrs-Sonnenlicht: Niemand vermag zu sagen, wann im Auwaldstadion in Günzburg wieder Fußball gespielt werden darf. Beim FC Günzburg rechnet man mit einem Saisonabbruch.
Bild: E. Mayer

Plus Funktionäre des SC Ichenhausen und des FC Günzburg rechnen mit dem Modell „Saisonabbruch ohne Wertung“. Ein anderer Weg könnte dem SC Bubesheim helfen.

Ein ganzer Katalog einfach klingender und gleichzeitig schwer zu beantwortender Fragen treibt die Fußball-Familie in dieser von aller Normalität befreiten Zeit. Wann geht’s weiter? Unter welchen Bedingungen kann wieder gespielt werden? Wie soll man die Ergebnisse der laufenden Saison werten? Seriöse Antworten auf diese Fragen vermag derzeit niemand zu geben. Trotzdem ist es wichtig, Lösungsmodelle zu diskutieren – zumal sich im weiten Feld zwischen millionenschweren Bundesliga-Unternehmen und Vereinen an der Basis höchst unterschiedliche Varianten anbieten. Die Diskussionsbeiträge reichen von „alle Entscheidungen sollen auf dem Rasen fallen“ bis hin zu „Abbruch der laufenden Spielzeit ohne Wertung der Ergebnisse.“

Der Fußballverband will weitermachen - oder doch nicht?

Der Bayerische Fußballverband (BFV) betonte in der jüngsten Vergangenheit mehrfach, er wolle die Saison in seinen Spielklassen unbedingt ab einem noch zu bestimmenden Tag X fortsetzen – zur Not auch weit über den 30. Juni hinaus und unter Gewährung aller möglichen Freiheiten in Sachen Vertragsgestaltung mit Spielern. So weit, so die offiziellen Erklärungen. Auf Ebene der Fußball-Kreise allerdings zeichnet sich dem Vernehmen nach immer klarer ab, dass die Saison 2019/20 – beginnend bei den Junioren – demnächst offiziell abgebrochen wird. Öffentlich bestätigen mag dies noch kein Funktionär, als „undenkbar“ deklariert es aber auch keiner. Als klares Indiz für die Abbruch-Theorie ist zu werten, dass von Amateurvereinen vorab geleistete Zahlungen in den Schiedsrichterpool bereits erstattet wurden.

Ein Saisonabbruch ohne Wenn und Aber ist für Rudi Schiller, Sportleiter des Landesligisten SC Ichenhausen, angesichts der vielen Eventualitäten alternativlos. Konkret führt er aus: „Derzeit vermag niemand abzusehen, ob in vier, sechs oder acht Wochen Fußballspiele stattfinden werden. Und, falls ja, mit oder ohne Zuschauer. Und wenn dann auch nur ein einziger Beteiligter an irgendeinem Fußballplatz infiziert ist, geht der ganze Zirkus von vorne los.“

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Rudi Schiller: Da werden einige hohldrehen

Eine andere Sache ist laut Schiller die Frage, wie mit den bisher erreichten Ergebnissen und Tabellenständen verfahren wird. Die Idee, die derzeit Ersten aller Spielklassen auf- und die momentan Letzten absteigen zu lassen, bezeichnet er als machbar. Möglich sei natürlich auch, die Spielzeit einfach abzubrechen und im Sommer mit der neuen Saison anzufangen – diesem Modell neigen die Südwest-Landesligisten mehrheitlich zu, wie sie unlängst während einer Videokonferenz verdeutlichten. Der SCI-Funktionär ist jedenfalls froh, dass er die finale Entscheidung nicht selbst treffen muss, denn für ihn ist klar: „Egal, wie es kommt, da werden einige hohldrehen. Aber was willst du denn machen als Verband? Du wirst es nie allen gerecht machen können.“

Steffen Hasenfus, Sportleiter des Bezirksligisten FC Günzburg, glaubt unterdessen, dass im Angesicht der Corona-Krise Wunsch und Wirklichkeit für die meisten Fußballer auseinanderklaffen werden. „Es wäre natürlich schön zu wissen, wir spielen im Sommer die Saison zu Ende und fangen anschließend mit der nächsten Runde an“, malt er scheinbar hoffnungsvoll in den Raum, um die Aussicht gleich mit den Worten „Aber wir werden meiner Einschätzung nach einfach gezwungen sein, die aktuelle Saison nicht mehr fertig spielen zu können“ zu kassieren. Er jedenfalls glaubt nicht wirklich an die These, nach der sich alle Bürger im Juni oder Juli wieder ganz normal im gesellschaftlichen Umfeld bewegen könnten. Im Gegenteil: „Am Ende des Tages wird Fußball mit das Letzte sein, wo Normalität einkehrt. Ich glaube sogar, dass ein Beginn der neuen Saison im August unwahrscheinlich ist.“

Wie Schiller ist auch Hasenfus überzeugt, dass es in der aktuellen Situation keinen Lösungsvorschlag gibt, der den Bedürfnissen aller Vereine gerecht wird. Das Vernünftigste sei deshalb, die Saison ergebnislos einzustampfen.

Es gibt inzwischen auch andere Modelle, die Saison zu einem – ja nach Sichtweise des Betrachters – möglichst gerechten Abschluss zu bringen. Vor wenigen Tagen wurde in einer Videokonferenz zwischen dem Fußball-Bezirk und den schwäbischen Bezirksliga-Vereinen die Frage aufgeworfen, was passieren könnte, wenn nicht alle oder gar keine Partien nachgeholt werden könnten. Daraufhin wurde als Möglichkeit genannt, aus den momentan erreichten Zwischenständen den Punkte-Quotienten zu verwenden und daraus eine „korrekte“ Abschlusstabelle zu berechnen. Gerecht wäre das Modell insofern, als es ein Plus oder Minus an ausgetragenen Begegnungen ausgleichen würde. Die Ungerechtigkeit beginnt aber bereits bei der Frage nach der Qualität der jeweiligen Kontrahenten: Der eine Titelkandidat hat möglicherweise schon zweimal gegen alle Kellerkinder gespielt, während der andere bisher überwiegend dicke Brocken vor der Brust hatte. Zusätzlich krankt auch diese Idee daran, dass im noch ausstehenden Saison-Drittel alles Mögliche und Unmögliche passieren könnte.

Von Platz zwei auf Platz eins

Aus lokaler Sicht würde eine Bezirksliga-Wertung nach diesem Modell dem SC Bubesheim helfen und dem FC Günzburg zumindest nicht schaden. Die Günzburger lägen unverändert auf dem Relegationsplatz und würden die Spielebene konservieren, die Bubesheimer wären urplötzlich Liga-Primus und Aufsteiger. Gut mit dem Punkte-Quotienten leben könnte auch der SC Ichenhausen, der in der Landesliga-Tabelle um eine Position nach vorne rücken würde.

Lesen Sie auch den Kommentar von Jan Kubica: Keine Frage der Gerechtigkeit

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