26.01.2011

Neu-Ulms Neue Mitte

Eine Brache vor der Erlösung? Nach der Bahnhofstieflegung NU21 soll nun das Einkaufscenter Glacis-Galerie in der Neu-Ulmer Innenstadt auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände gebaut werden, Zugpferd soll der Media Markt sein. Foto: Furthmair
Bild: Furthmair

Neu-Ulm "Hurra, hurra der Ankermieter ist da", würde Detlef Samland wahrscheinlich am liebsten minütlich schreien, seitdem klar ist, dass der Elektroriese Media Markt einen Mietvertrag für das geplante Einkaufszentrum Glacis-Galerie am Neu-Ulmer Bahnhof unterschrieben hat. Tut er aber nicht. Lieber gibt sich der Immobilienentwickler des Hamburger Investors Procom nach der jahrelangen Zitterpartie hanseatisch kühl. "Das ist ein entscheidender Meilenstein für die geplante Eröffnung im zweiten Halbjahr 2013."

Freude herrsche bei Procom aber nicht nur über den unter Dach und Fach gebrachten Umzug von Media Markt von der Otto-Hahn-Straße in das 120-Millionen-Euro-Objekt. Mit dem Lebensmittelhändler Rewe, der 3300 Quadratmeter bezieht, sei eine weitere wichtige Lücke im angestrebten Branchenmix geschlossen worden.

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit

Die wenigen Neu-Ulmer Einzelhändler der Innenstadt blicken mit gemischten Gefühlen auf die Auferstehung vielerorts bereits begraben geglaubter Pläne. Günter Stemmler, Inhaber des Bettenhauses Renftle, fürchtet mögliche Konkurrenz nicht. Vielmehr hofft er, dass so der Standort Neu-Ulm attraktiver werde und so letztlich auch sein Geschäft profitiere.

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Skeptischer ist Christoph Holbein, einer von zwei Geschäftsführern bei Sport Sohn. "Aus unserer Sicht ist die Glacis-Galerie noch nicht durch." Grundsätzliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts blieben bestehen. Das Verhältnis von Investitionssumme zu den zu erwartenden Mieteinnahmen sieht Holbein "kritisch". Im Gegensatz zu Media Markt komme für Sport Sohn ein Umzug in die Glacis-Galerie nicht infrage, der Standort an der Augsburger Straße werde beibehalten.

Bei Sport Sohn werden Zweifel gehegt, für die die Investoren keinerlei Verständnis haben. "Wenn es sich nicht rechnen würde, dann würden wir nicht investieren", sagt Samland von Procom. Und auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) kann man sich nicht vorstellen, dass hier falsch gerechnet wurde. "Ein Investor, der so viel Geld in die Hand nimmt, macht es sicherlich nur, wenn die Refinanzierung gut überlegt ist", sagt Oliver Stipar, Geschäftsführer der Neu-Ulmer IHK-Regionalversammlung.

Generell sei Stipar sehr froh, dass nun endlich der ersehnte Ankermieter gefunden sei. Er hoffe auf eine "Win-win-Situation" - also einen Doppelsieg - für die Stadt Neu-Ulm und die Investoren. Wenn der Branchenmix stimme, könnte sich die Glacis-Galerie zu "Neu-Ulms Neuer Mitte" entwickeln. Es mache aber keinen Sinn, Branchen "doppelt und dreifach" neu zu eröffnen.

Die Nachbarstädte bleiben gelassen

Gelassenheit herrscht bei den Neu-Ulmer Nachbarstädten ob des geplanten Konsumtempels. Anna-Maria Dietz, die Ulmer Citymanagerin, kann sich nicht vorstellen, dass dadurch nennenswert Kaufkraft aus Ulm abziehe. Alles, was in der Glacis-Galerie angeboten werde, sei in Ulm bereits erhältlich. Auch Kunden aus dem Alb-Donau Kreis würden kaum an Ulm vorbei fahren, um in der Glacis-Galerie einzukaufen. Konkurrenz müsse auch nicht das geplante Einkaufszentrum Sedelhöfe am Ulmer Bahnhof fürchten. Denn dieses noch in der Planungsphase befindliche Projekt könne sich auf vorhandene Passantenfrequenzen der Ulmer Innenstadt stützen, während die Glacis-Galerie sich erst als Standort über die Neu-Ulmer Nahversorgung hinaus etablieren müsste. Laut Dietz müsste Senden künftig wohl am meisten Konkurrenz durch Neu-Ulmer erleiden.

Sendens Bürgermeister Kurt Baiker hat deswegen aber keine schlaflosen Nächte. "Senden hat sich als Einkaufsstandort für das ganze Illertal bestens etabliert." Daran werde auch die Glacis-Galerie nichts ändern. Konkurrenz werde auch in dieser Sache das Geschäft beleben, so Baiker. Und der Stadt Neu-Ulm könne er "nur dazu gratulieren", dass es mit dem Projekt offensichtlich nun doch noch endlich klappe.

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