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Landkreis Günzburg

17.06.2019

Seine Kaufsucht bringt einen Krumbacher fast ins Gefängnis

Vor Gericht stand ein 31-Jähriger, dessen Kaufsucht ihn fast in Gefängnis gebracht hätte.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Ein vorbestrafter Mann aus Krumbach hat Waren im Internet unter falschem Namen bestellt. Was der 31-Jährige erreichen wollte und wie das Gericht reagiert hat.

Ganz schön trickreich hat ein 31-Jähriger die digitale Einkaufswelt für sich ausgenutzt: Mit ein paar Mausklicks orderte er ein ganzes Sammelsurium an Artikeln, bezahlte aber nur einmal einen Teilbetrag und fälschte obendrein die Bestelldaten. Die Quittung für seinen „Kaufrausch“ bekam der Krumbacher nun vom Günzburger Amtsgericht in Form einer Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Anklage ging ursprünglich von 17 Einzeldelikten des Mannes aus, die er zwischen Herbst 2016 und Februar 2018 begangen haben soll. Bei der Auflistung der Betrugsfälle hakte Richter Walter Henle ein. Er hatte den Angeklagten nämlich bereits im August 2018 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Jetzt tauchten drei der damals aufgeführten Artikel erneut auf, wie ein Kochfeld, eine Kreissäge und ein Kaminofen. Diese Anklagepunkte wurden eingestellt ebenso wie die Bestellung dreier weiterer Artikel, weil sich die Beweislage als dürftig herausstellte. Die der Staatsanwaltschaft von der ermittelnden Polizei vorgelegte Akte bezeichnete Richter Henle jedenfalls als „absolut chaotisch“.

Die Schulden sind hoch. Wie hoch, weiß er nicht

Warum hat der in finanziell äußerst bescheidenen Verhältnissen lebende dreifache Familienvater eigentlich solche Waren bestellt, wie eine Nähmaschine, einen Werkstattofen, eine Bratpfanne und einen Messerblock? „Ich litt unter Kaufsucht“, räumte der 31-Jährige vor Gericht freimütig ein. So läpperten sich Schulden, unter anderem wegen nicht gezahlter Unterhaltspflichten, auf 50000 bis 60000 Euro. Genau wisse er das nicht.

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Weil dem Angeklagten offensichtlich klar war, dass er die Waren nie auf seinen Namen bekommen würde, gab er als Besteller einfach eine ältere, mittlerweile gestorbene Nachbarin und in der Nähe wohnende Verwandte an. Erst als bei diesen nach und nach Mahnbescheide wegen der nicht bezahlten Artikel eintrudelten, wendeten sich die betroffenen Personen selbst an ihre Betreuer. So flog das Bestell-Betrugsmanöver auf.

Mandant arbeitet an Wiedergutmachung

Verteidiger Mehmet Pektas (Günzburg) erklärte, dass sein Mandant bereits an der Wiedergutmachung des Schadens arbeite. Zumindest in einem Fall zahle er monatlich 50 Euro an ein Online-Versandhaus ab, bisher insgesamt 300 Euro. Und der Angeklagte habe mittlerweile wieder einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma mit einem Stundenlohn von zehn Euro. Der Angeklagte war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, beispielsweise wegen Vortäuschens einer Straftat, Verletzung der Unterhaltspflicht, vorsätzlicher Körperverletzung und wegen Betrugs. Bewährungshelfer Felix Jäckle beschrieb den 31-Jährigen als grundsätzlich kooperativ. Er habe von sich aus die Bestellungen zugegeben und betont, er mache alles wieder gut. Seine größte Angst sei, dass er dafür ins Gefängnis gehen müsse. „Er hat wohl verstanden was er gemacht hat“, sagte Jäckle, „ich hoffe, es hält an“.

Ein Gefängnisaufenthalt bleibt dem Krumbacher erspart: Richter Henle verurteilte ihn unter Einbeziehung der Strafe vom vergangenen Jahr zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung sowie 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die letzte Arbeitsauflage habe der Mann beim Krumbacher Wertstoffhof sehr gewissenhaft erledigt, wie ihm bestätigt wurde. Die Staatsanwältin hatte für elffachen Betrug in Tateinheit mit Fälschung beweiserheblicher Daten eine zwei Monate höhere Freiheitsstrafe gefordert. Der Verteidiger bezeichnete den Kaufrausch seines Mandanten als Krankheit und hielt ein Jahr auf Bewährung für ausreichend.

Einsichtiger Angeklagter

Der Angeklagte selbst sah seine Verfehlungen ein: „Es tut mir leid, ich werde nichts mehr bestellen.“ Ihm werden zum Einkaufen nur noch sogenannte „Paysafe“-Karten zu festen Geldbeträgen eingeräumt, damit es nicht wieder zu Kaufrausch-Aktionen kommt. Denn sollte so etwas wieder passieren, droht dem Familienvater der Verlust seiner Bewährung – und das würde schließlich dazu führen, dass der Mann die Strafe absitzen muss.

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