Newsticker

Bund und Länder beschränken Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Vier Schüsse im Garten - dann waren zwei Menschen tot

19.07.2010

Vier Schüsse im Garten - dann waren zwei Menschen tot

An dieser kleinen Hütte nahm sich der mutmaßliche Todesschütze das Leben, nachdem er wohl zuvor die Frau erschossen hatte. Die Polizei sperrte den Tatort ab.
2 Bilder
An dieser kleinen Hütte nahm sich der mutmaßliche Todesschütze das Leben, nachdem er wohl zuvor die Frau erschossen hatte. Die Polizei sperrte den Tatort ab.
Bild: Ernst Mayer

Rettenbach-Remshart Es ist Sonntag. Im 297-Seelen-Ort Remshart, das zu Rettenbach gehört, herrscht Stille. Eine fast beängstigende Stille. Kein Mensch auf der Straße, nur ab und zu taucht ein Journalist oder ein Kameramann auf. Zu sehen gibt es nichts mehr. Nichts mehr von den beiden abgedeckten Leichen, die im Garten eines Anwesens unweit der Staatsstraße lagen, nichts mehr von dem Großaufgebot an Polizeikräften, nichts mehr von verzweifelten Angehörigen sowie entsetzten, sprachlosen Anwohnern. Und doch: Es hat sich etwas verändert - vor allem etwas, was nicht zu erkennen, aber zu spüren ist.

Zunächst fällt dem aufmerksamen Beobachter aber doch etwas auf: Die Stelle rings um die kleine Holzhütte abseits des Wohnhauses ist frisch gemäht. Es ist jener Ort, an der am Samstag kurz nach 14 Uhr ein 57-jähriger Rentner nach Erkenntnissen der Polizei die Waffe gegen sich richtete und seinem Leben ein Ende bereitete. Nur wenige Augenblicke zuvor soll er auf die 51-jährige Lebensgefährtin seines Bruders mit der gleichen Pistole geschossen und sie tödlich getroffen haben. Die Frau war wohl sofort tot. Ihre Leiche lag unmittelbar hinter dem Gartenzaun des Anwesens seines Bruders. Der Rentner war in das Grundstück nach Polizeiangaben "eingedrungen". Er selbst wohnt mit seiner Familie nebenan - hinter der kleinen Holzhütte.

Das Gras um die Hütte herum ist also abgemäht. Vermutlich hat das die Polizei veranlasst, um nach Patronenhülsen oder sonstigen Munitionsresten zu suchen. Im restlichen Garten steht das Gras noch relativ hoch. Der Hausbesitzer, ein 54-Jähriger, wollte das üppige Grün am Samstag gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und deren Sohn (15) kürzen. Doch dazu kam er nicht mehr. Als er gerade dabei war, den Rasenmäher aus der Garage zu holen, fielen vor dem Haus Schüsse.

Wie Anwohner berichten, sollen vier Schüsse gefallen sein. Drei sollen die Frau getroffen haben, mit einer Kugel richtete sich der 57-Jährige wohl selbst. Es muss sehr schnell gegangen sein. "Es ist unvermittelt geschossen worden", teilte Jürgen Schweizer, Leiter der Kripo Neu-Ulm, gestern mit.

Vier Schüsse im Garten - dann waren zwei Menschen tot

Die Familie kam offensichtlich aus Günzburg, wo die Frau mit ihrem Sohn wohnte. Im Anwesen in Remshart wollte man am Samstag wohl ein bisschen Ordnung schaffen und Gartenarbeit erledigen. Es deutet vieles darauf hin, dass der mutmaßliche Täter seinen Bruder, dessen Partnerin und dessen Sohn bereits erwartete. Oder vielleicht nur einen von ihnen.

Ein Nachbar schildert den Moment kurz nach 14 Uhr so: "Ich lag gerade in der Küche auf der Eckbank, als ich vier Schüsse hörte. Eine Minute später lief mein Nachbar auf mein Haus zu und schrie: Schnell, ruf die Polizei! Und einen Sanka brauchen wir auch!" Der Bub rief: "Meine Mutter ist tot."

Nach derzeitigem Stand gibt es niemand, der die Tat gesehen hat. Viele hörten lediglich die Schüsse. Bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Süd/West in Kempten gingen daraufhin die Notrufe mehrerer Bürger ein. Zwei Anwohner berichteten unabhängig voneinander, dass der Bruder gemeinsam mit dem Jugendlichen hinter der Garage in Deckung gegangen sei. Das hätten sie im Nachhinein erfahren. Die Garage befindet sich auf der anderen Seite des Hauses. Der Mann soll befürchtet haben, dass gleich auch noch auf ihn geschossen werde. Augenblicke später flüchteten sich der 54-Jährige und der Bub aufs Nachbargrundstück. Im Nu waren Polizei, Notarzt und Rettungswagen in Remshart vor Ort. Nach Angaben von Christian Owskinski, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, rückte die Polizei mit 20 Einsatzkräften in sieben Streifenwagen und Dienstfahrzeugen an.

Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Tatort, um Luftaufnahmen zu machen. Die Kripo Neu-Ulm übernahm mit Unterstützung des Kriminaldauerdienstes Memmingen und Spezialisten für Schusswaffen des Bayerischen Landeskriminalamtes die Ermittlungen. Die Familienangehörigen der beiden Toten wurden und werden von einem Kriseninterventionsteam des BRK betreut (siehe Bericht).

Nach den derzeitigen Informationen der Polizei war dem Tötungsdelikt ein Streit in der Familie vorangegangen, der seit geraumer Zeit schwelte. Worum es ging, ist unklar.

Das kurzfristig abgemähte Rasenstück wird nachwachsen. Sonst wird in Remshart aber wohl nichts mehr so sein, wie es bis Samstag war. Die Bluttat - das ist die große Veränderung - hat jeden Bewohner tief getroffen. Manche sogar schockiert. Während der mutmaßliche Todesschütze - ein Jäger - eher wenig Kontakt hielt, ist seine Frau stark in die Dorfgemeinschaft integriert. An sie, ihre beiden Kinder, den Schwager sowie die Familie des 15-Jährigen denken momentan alle.

"Bayern Seite 4

Bei uns im Internet

Bilder, die nur kurz nach dem Tötungsdelikt am Samstagnachmittag in Remshart entstanden sind, finden Sie bei uns im Internet unter

guenzburger-zeitung.de/bilder

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren