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Wirtschaft

04.04.2016

Warum den Banken die Schließfächer ausgehen

Ein Schließfach bei einer Bank zu mieten, ist nicht teuer. Das Problem ist, ein freies Fach zu finden.
Bild: Jens Wolf, dpa

Wer seine Wertsachen bei einem Kreditinstitut verwahren will, muss sich teils in Wartelisten eintragen. Deshalb greifen viele in der Region zu einer Alternative.

Die wertvolle Goldkette der Großmutter wollen viele nicht einfach zu Hause liegen lassen. Und wichtige Dokumente wie ein Testament wissen die meisten Menschen ohnehin gerne in Sicherheit. Die bieten Banken und Sparkassen in Form von Schließfächern an. Ab rund 30 Euro im Jahr können Kunden ihre Wertsachen dann im Tresorraum eines Kreditinstituts geschützt unterbringen, wo sie meist versichert aufbewahrt werden.

Freie Schließfächer bei Banken Mangelware

Jetzt gehen den Banken allerdings die freien Schließfächer aus, weil die Nachfrage in bisher unerreichte Höhen klettert. „Die Nutzung der Schließfächer hat in den letzten Monaten extrem zugenommen“, sagt Sandra Gessner von der Sparkasse Allgäu und nennt als Beispiel die Filiale in Kempten.

1500 der 1900 Schließfächer sind im Bereich der Allgäuer Sparkasse vermietet. „Die Auslastung ist dreimal höher als noch vor vier Jahren“, erzählt Gessner. Die kleineren Varianten der Fächer, etwa aktenordnergroß und bevorzugt von Privatkunden genutzt, seien schon jetzt restlos belegt.

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Die noch ungenutzten, geräumigeren Schließfächer können einem Reisekoffer Platz bieten, haben allerdings ihren Preis: Sie kosten bis zu 295 Euro im Jahr.

In den übrigen bayerischen Regionen ist die Situation ähnlich. Bei der Landsberger Sparkasse werden Schließfächer immer beliebter. Rund 80 Prozent sind schon in Benutzung.

In einigen kleineren Filialen sind alle Schließfächer vermietet

„In einigen kleineren Filialen sind alle komplett vermietet“, sagt Matthias Wittmann, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Landsberg. Auch in Augsburg könne die steigende Nachfrage nach Schließfächern seit Jahren beobachtet werden, bestätigt Julia Grensemann von der Augusta-Bank.

Der Grund für den Schließfach-Trend liegt dem Bundesverband deutscher Banken zufolge auf der Hand: Die Menschen haben Angst, ihren Besitz zu verlieren. Nach der Finanzkrise sei die Zahl vermieteter Schließfächer erstmals in die Höhe geschossen. „Sparer haben ihr Geld in Gold angelegt, weil sie Angst hatten, das Geld auf dem Konto könnte einfach verschwinden.

Und wo bewahrt man Gold auf? "Im Schließfach bei der Bank“, sagt Sabine Gegg vom Sparkassenverband Bayern. Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken ergänzt: Seitdem es in Deutschland vermehrt zu Einbrüchen komme, sei ein regelrechter Hype um Bankschließfächer entstanden.

Niedrigzinspolitik der EZB als Hauptursache

Den Bankmitarbeitern zufolge seien die Unsicherheit über die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die daraus resultierende Angst vor Negativzinsen die hauptsächlichen Beweggründe für Menschen, ihr Vermögen lieber in einem sicheren Schließfach zu verwahren. Deshalb würden Kunden häufig ihr Bargeld lieber in einem Schließfach deponieren, als es auf einem Sparkonto anzulegen. Die generelle Unsicherheit der Gesellschaft – vor allem die Angst vor Terroranschlägen und die Flüchtlingssituation – hätten ebenfalls ihren Anteil daran.

Bei vielen Banken müssen sich Kunden daher mittlerweile in Wartelisten für freie Fächer eintragen. Gibt es in der Nähe weitere Filialen, versuchen die Kreditinstitute, die Interessenten dorthin zu verweisen.

„Banken haben in der Regel nicht die Möglichkeit, mehr Schließfächer bereitzustellen, weil diese fest im Tresorraum installiert sind. Der kann nicht einfach so erweitert werden“, sagt Julia Topar.

Wer keinen Platz im Banktresor ergattern kann, muss sich also anderweitig helfen. Zur Freude von Heinz Kleinemas. Er führt ein Sicherheitsfachgeschäft in Augsburg und kann den vielen Kunden, die momentan in seinen Laden kommen, das bieten, was sie in der Bank zuvor nicht mehr bekommen haben: Einen Tresor, in dem sie ihre Wertsachen verwahren können.

Heinz Kleinemas kennt die Sorgen seiner Kunden. Sie erzählen ihm, was sie in dem Safe unterbringen wollen. Meist seien es die klassischen Dinge wie Schmuck, Bargeld oder Gold. „Wenn es vor kurzem einen Einbruch in der Gegend gab, kommen besonders viele Leute in den Laden,“ erzählt er. „Man merkt, wie groß die Unsicherheit in der Bevölkerung ist.“

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07.04.2016

Warum kauft man sich denn nicht selbst einen Tresor und lässt ihn bei sich "einmauern. Man braucht ja nicht den teuersten. I.d.R. dauert es zu lange einen Tresor zu knacken (und es ist auch zu laut), so daß Einbrecher sich da meistens erst garnicht ranmachen.

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