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Kreis Günzburg

30.06.2017

Wenn schon Kinder zur Feuerwehr gehen

Die Feuerwehr fasziniert nach wie vor viele Buben und Mädchen. Das heißt aber nicht, dass sie einmal dort aktiv werden wollen. Mit den „Kinderfeuerwehren“ soll ihnen die Freude daran möglichst spielerisch vermittelt werden.
Bild: annanahabed/Fotolia (Symbolbild)

Nachwuchs zu werben wird immer schwieriger. Das soll jetzt einfacher werden. Doch es gibt da eine Schwierigkeit.

Nachwuchs zu finden ist für viele Feuerwehren keine leichte Aufgabe mehr. Zwar üben sie auf Buben und Mädchen nach wie vor eine Faszination aus, aber sich zum Mitmachen zu verpflichten ist oft keine Option. Schließlich locken auch diverse Vereine oder andere Freizeitaktivitäten – und sich dauerhaft für etwas zu verpflichten ist ohnehin bei vielen nicht mehr hoch im Kurs. Die Jugendwehren haben da mitunter das Nachsehen. Deshalb setzen einige schon bei den Kleinen an. Und das soll zum 1. Juli einfacher werden. Das geänderte Feuerwehrgesetz bietet Kommunen die Möglichkeit, dass die aktive Wehr spezielle Angebote macht, die bislang nur bei den Feuerwehrvereinen angegliedert waren. Solche „Kinderfeuerwehren“ für alle ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr gibt es nach Auskunft von Kreisbrandrat Robert Spiller bislang im Landkreis nur in Leipheim, Reisensburg und Ichenhausen. Neu hinzugekommen ist Bibertal-Bühl.

Grundsätzlich findet Spiller es zwar gut, so früh wie möglich mit der Nachwuchswerbung zu beginnen. Aber es koste sehr viel Zeit und Mühe, sie so lange „bei der Stange zu halten“, bis sie als 18-Jährige endlich in die aktive Wehr aufgenommen werden. Wie viele auf diesem Weg oder auch in der Jugendwehr „verloren“ gehen, weiß Spiller nicht. Dazu gebe es keine Zahlen.

Viel Erfahrung bei diesem Thema gibt es bereits in Leipheim. Kommandant Martin Schmitz sagt, sie seien 2009 die ersten im Landkreis mit einer „Kinderfeuerwehr“ gewesen. Und sein Fazit ist sehr positiv, viele gehen demnach anschließend ab dem zwölften Lebensjahr in die Jugendwehr. Zeitintensiv sei es natürlich, schließlich werden auch Ausflüge, Bastelstunden und mehr angeboten. Auch gebe es Fluktuationen und nach der Schule stelle sich für viele mit dem Beruf die Frage, ob sie überhaupt bei der Feuerwehr bleiben wollen. Aber die „Kinderfeuerwehr“, die hier für alle ab acht Jahren angeboten wird, werde gut angenommen.

Eine Feuerwehrfreu ist Erzieherin

Das kann auch der Ichenhauser Kommandant Ralf Berchtold für das eigene Angebot sagen, das es seit vier Jahren gibt. Insgesamt 18 Kinder seien dabei und sie hätten das Glück, dass eine Feuerwehrfrau gelernte Erzieherin ist. Hier können schon Fünfjährige mitmachen, ganz spielerisch. Geräte seien ohnehin bei der „Kinderfeuerwehr“ tabu, höchstens könnte mal der Schlauch ausgerollt werden oder Ähnliches. „Unser größtes Problem ist, sie bei der Stange zu halten, wenn es um die Zeit während Schule, Ausbildung oder Studium geht“, sagt Berchtold. Auch gingen nur zehn bis 20 Prozent aus der Jugend- in die aktive Wehr. Er versucht deshalb, die Motivation möglichst hoch zu halten, indem die 16-Jährigen einen Piepser bekommen, den sie in ihren Reihen herumreichen. Gibt es einen Einsatz, darf einer mitfahren – aber nur im letzten Fahrzeug. Und er muss sich im Hintergrund halten.

In Bibertal-Bühl gibt es die „Kinderfeuerwehr“ zwar erst seit wenigen Monaten, aber die Resonanz sei schon sehr gut, sagt Annika Pfauth, eine der drei Kinderwarte. Neun Kinder sind dabei. Gegründet wurde das Angebot, „weil wir massive Probleme haben, Nachwuchs für die Jugendwehr zu finden“, denn viele seien bereits in Vereinen aktiv. „Wir müssen also etwas tun, um das Nachwuchsproblem zumindest gering zu halten.“ Ein Pluspunkt ist, dass eine der drei Betreuerinnen eine Ausbildung zur Erzieherin macht. Außerdem bilden sich alle drei für ihre neue Aufgabe fort.

Günzburg und Krumbach bieten die „Kinderwehr“ noch nicht an

In der Kreisstadt Günzburg gibt es hingegen noch keine „Kinderwehr“. Stadtbrandinspektor und Kommandant Christian Eisele erklärt das damit, dass der Versicherungsschutz auf der Vereinsebene bislang schwierig gewesen sei. Das ändere sich nun, wenn die aktiven Wehren dieses Angebot machen können. Jetzt wolle sich auch Günzburg dem Thema stellen, schließlich sei es wichtig, so früh wie möglich um den Nachwuchs zu werben. „Unser größtes Problem ist aber, dass viele unbedingt etwas mit den Feuerwehrfahrzeugen machen wollen“, doch die Wehr achte sehr auf den Schutz der Jugendlichen. „Sie dürfen nicht überlastet werden.“ Er selbst sei schon mit 14 Jahren zu schweren Einsätzen gefahren, das sei heute unvorstellbar. „So etwas müssen Jugendliche auch noch nicht sehen, mit 18 ist es schwer genug.“ Hingegen laufe die „Kinderfeuerwehr“ im Stadtteil Reisensburg schon sehr gut, die es dort seit drei bis vier Jahren gebe.

Auch die Krumbacher Feuerwehr könnte sich grundsätzlich vorstellen, ein solches Angebot zu machen. Bislang fehle aber das Personal dafür, sagt Kommandant Mathias Vogel. Denn es werde empfohlen, dass die Betreuer im pädagogischen beziehungsweise erzieherischen Bereich tätig sind. Eben dafür, die Kinder bei Laune zu halten über die Jahre, brauche es jemanden, der sich damit auskennt. Bei der Jugendfeuerwehr funktioniere es jedenfalls gut, dass sie motiviert bleiben, um mit 18 zu den Aktiven zu wechseln.

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