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Kreis Günzburg

11.05.2018

Wie laufen die Läden im Dorf?

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4 Bilder
Wenn die Schule zu Ende ist, stehen die Schüler des St.-Thomas-Gymnasiums im Lebensmittelgeschäft Kircher in Wettenhausen nach Leberkässemmeln Schlange.
Bild: Peter Wieser

Während manches kleine Geschäft schließen musste, eröffneten andere neu. Eine Reise durch den nördlichen Kreis zeigt, was die Verkaufsräume zu bieten haben.

Jeder will einen haben – aber geht man dann da auch rein, wenn man einen hat? Rettenbach beispielsweise würde sich über einen Dorfladen in der Gemeinde freuen, das Gebäude dafür wäre sogar vorhanden. Allerdings ist man immer noch auf der Suche nach einer Person, die ihn betreiben würde. Vor einigen Jahren gab es einen in Unterknöringen. Der schloss. Vor Kurzem machte der Dorfladen in Konzenberg zu, nachdem die Kunden ausgeblieben und die Umsätze zurückgegangen waren. Zumindest gibt es in Freihalden noch eine Einkaufsmöglichkeit, nachdem 2016 auch dort der Laden für einige Monate geschlossen hatte. Doch wie sieht es bei anderen Läden in Dörfern im nördlichen Kreis aus?

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Die Rundreise beginnt beim Dorfladen in Riedheim. Den gibt es schon seit Dezember 2004 und nächstes Jahr darf er sein 15-jähriges Jubiläum feiern. Es gibt eine große Metzgertheke, die Preise unterscheiden sich kaum von denen eines Supermarkts. Vorne hat sich sogar eine kleine Schlange gebildet. „Ich kaufe dort alles, was ich so brauche“, sagt eine Riedheimerin, die gleich in der Nähe wohnt. Der erste Eindruck jedoch trügt: „Uns fehlen die Senioren, die früher ihre kompletten Einkäufe hier getätigt haben“, sagt Charlotte Schneider. Die nächste Generation rücke nicht nach – trotz Markenware, aber auch zahlreichen No-Name-Produkten.

Wie in vielen anderen Dorfläden setzt man auch in Riedheim auf Präsenz: Am Faschingsdienstag gibt es ein Weißwurstfrühstück, am Samstag vor dem Muttertag findet der Muttertagskaffee mit Blumenverkauf statt, dann gibt es den Herbstmarkt mit Gemüse und Kartoffeln zum Einlagern und im Advent die Dorfladenweihnacht mit Glühwein und Christbaumverkauf. Auch, wenn die Kunden gerade am Wochenende die frischen Semmeln und Wurstwaren schätzten, müssten sie eben auch auf die anderen Produkte zurückgreifen, fährt Charlotte Scheider fort. Gerade die Jüngeren seien sich dessen nicht bewusst: Wenn der Laden, in dem das Persönliche noch großgeschrieben werde, einmal schließe, dann werde es in Riedheim einen solchen nicht mehr geben.

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In Ettenbeuren eröffnete der erste Dorfladen im Landkreis

Im Dorfladen in Ettenbeuren – der war übrigens der erste im Landkreis und ihn gibt es schon seit fast 20 Jahren – ist die morgendliche Kaffeerunde an diesem Vormittag schon gegangen. Alfred Sailer, der ehrenamtliche Geschäftsführer, sieht es ähnlich. „Früher waren die Leute nicht so mobil wie heute. Auch die Älteren fahren inzwischen mit dem Auto in den Supermarkt und die Konkurrenz derer aus Ichenhausen wird immer mehr.“ Das Sortiment habe mit regionalen Produkten von verschiedenen Stellen sogar „a bissle mehr“ als anderswo, um auch auf die besonderen Wünsche der Kunden eingehen zu können. Dazu befindet sich am Eingang sogar ein gelber Briefkasten, auf dem „Wünsche, Ideen und Anregungen“ steht. Die zusätzlichen Standbeine mit den Blumen und dem Kantinenservice täten gut, vor allem die Events, wie der Blümlesmarkt oder die Rosennacht. All dies erfordere einen hohen ehrenamtlichen Einsatz. Die schwarzen Zahlen seien weniger schwarz geworden im Vergleich zu früher, will Sailer nicht verschweigen.

„Um’s Eck“, so heißt das Geschäft von Gerlinde Stadler in Ellzee. Auch hier gibt es das komplette Sortiment. Im vergangenen Jahr wurde das kleine Café angebaut, das Geschäft ist sogar barrierefrei. Das komme gut an und am Donnerstag gebe es immer ein Kaffeekränzle, sagt Gerlinde Stadler. Auch der Tisch und die beiden Bänke auf dem Platz davor werden gut angenommen. Am Freitag gebe es dort sogar so eine Art offenen Stammtisch. Die Gemeinde habe sie stets unterstützt, betont sie. „Das geht nur, wenn die Dorfgemeinschaft passt, die Kunden und auch die Vereine hinter einem stehen“, fährt Gerlinde Stadler fort. „Ma schwätzt miteinander.“ Viele kämen auch wegen besonderer Produkte, die es in den Supermärkten nicht gebe, wie beispielsweise wegen des Biojoghurts von der Alb. Manches müsste halt seitens der Politik etwas anders gesteuert werden. Die Kosten, ob Finanzamt, Berufsgenossenschaft bis hin zu den Strompreisen, seien immens.

Die Schüler sind eine willkommene Kundschaft

Monika Rueß führt das Lebensmittelgeschäft Kircher in Wettenhausen. Es fällt das Wort „Herzblut“. „Schaun’ wir halt, wie lang’s geht“, sagt sie lachend. Man habe glücklicherweise noch einige Kunden im Dorf, die den Laden unterstützten – und das St.-Thomas-Gymnasium. Prompt öffnet sie die Tür, die Schule ist zu Ende, und eine Schar an Schülern stürmt in den Laden und verlangt nach Leberkässemmeln, die es dort jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag gibt.

Milch Mayer, das Geschäft von Silvia Mayer in Reisensburg, gibt es schon seit 1939. Dort gibt es ebenfalls das komplette Sortiment und jeden Dienstag und Donnerstag sogar frischen Fisch. „Die Kunden sollten halt mehr als nur das kaufen, was sie im Supermarkt vergessen haben“, meint Silvia Mayer. Sie habe aber ihre Stammkundschaft, auch von auswärts, und für die nehme man sich Zeit.

Wie sieht es in Kötz aus? Dort ist es ein Kommen und Gehen, der Laden scheint ein Renner unter den Dorfläden zu sein, was sicher auch an der B16 liegt. „Viel Brotzeit“, sagt Gloria Geiger und zeigt auf die süßen Stückla, die frischen Wurstwaren und die eigenen Produkte wie Eier und Nudeln. Die Kötzer kämen und stünden zu den heimischen Produkten. Die andere Ware aus dem Sortiment laufe eher nebenher. Bedenken wegen der geplanten Umgehung hat sie nicht. „Die, die von uns wissen, die kommen auch.“

Individuelle Wünsche werden gerne erfüllt

Auch Andrea Karsten-Arnold, die vor eineinhalb Jahren in Haldenwang ihren Dorfladen eröffnet hat, sagt: „Ich kann nicht klagen.“ Freundlichkeit und Regionales, das stehe an erster Stelle. „Und wenn der Kunde eine Butterbreze mit Leberkäs drauf möchte, dann bekommt er die auch.“ Und auch andere Wünsche werden erfüllt. Nachdem die Nachfrage vorhanden war, gibt es im Haldenwanger Dorfladen jetzt jeden Tag sogar eine warme Mahlzeit, die immer frisch zubereitet wird. Dennoch: „Wenn die Familie nicht hinter einem stehen würde, dann wär’s nicht möglich.“

Und was sagt das „Dorflädle“ in Gundremmingen, der jüngste Dorfladen im Landkreis, dazu? Dass dieser ein von der Gemeinde finanziertes Projekt ist, wie manche immer noch meinen, ist falsch. Er wird genauso genossenschaftlich geführt wie viele andere Dorfläden auch. „Er hat sich gut entwickelt“, erklärt der ehrenamtliche Geschäftsführer Willi Schiele – trotz eines Umsatzeinbruchs, den es im Herbst vergangenen Jahres gegeben habe. Das „Dorflädle“ beliefere sogar den Gundremminger und den Schnuttenbacher Kindergarten, inzwischen kämen sogar Kinder, um das Einkaufen zu üben. Auch die Ware ohne Verpackung werde gut angenommen. Jeden Dienstag treffen sich Rentner und einmal im Monat die Turnerfrauen. Sogar eine „Unternehmer-App“ für das freitägliche Treffen gibt es in Gundremmingen.

Bei der Dorfladen-Runde wird klar: Damit ein solcher bestehen kann, bedarf es der Unterstützung der Kunden und eines großen Engagements derer, die hinter der Theke stehen. Dafür wird man mit Herzlichkeit und obendrauf mit Qualität und Frische, wie sie die Region zu bieten hat, bedient. Das „Schwätzle“ und den „Treffpunkt, weil’s im Dorf ja sonst nichts gibt“, gibt es kostenlos mit dazu.

Nochmal auf einen Blick: Hier gibt es die kleinen Geschäfte

Dorfläden oder Geschäfte, die ähnlich geführt werden, gibt es im nördlichen Landkreis in Ellzee, Ettenbeuren, Freihalden, Gundremmingen, Kleinkötz, Haldenwang, Riedheim, Reisensburg und in Wettenhausen. Auch im südlichen Landkreis gibt es in Neuburg an der Kammel und in Deisenhausen einen Dorfladen.

Weiter bieten verschiedene Direktvermarkter, Hofläden und kleine Geschäfte ein kleines Sortiment an Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs an.

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