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Neu-Ulm

01.07.2015

Ärger um das Wort mit F

Amtsgericht Augsburg, Am Alten Einlaß - Symbol Bild - Justizia - Freistaat Bayern - Justiz - Justizgebäude

Ein 71-Jähriger fühlte sich von Polzisten schikaniert und vergriff sich im Ton. Nun stand er vor Gericht.

Weil er sich bei einer Polizeikontrolle schikaniert gefühlt hat, vergriff sich ein 71-Jähriger aus dem Landkreis Biberach in der Wortwahl. Am Dienstag verhandelte das Amtsgericht Neu-Ulm den kuriosen Fall um seine Aussage, die das unschöne Wort mit F enthielt.

Seinen Anfang nahm alles Mitte Januar, als Clemens A. gegen 15.30 Uhr mit seinem Auto in die Altenstadter Schillerstraße fuhr. Unangeschnallt, was eine Polizeistreife dazu veranlasste, den Rentner zu kontrollieren. Das passte diesem offenbar überhaupt nicht. Seine Reaktion gegenüber den beiden Polizisten: „Wollen Sie mich fi …en? Haben sie nichts anderes zu tun?“ Gegen die Anzeige wegen Beleidigung legte der 71-Jährige Ende Mai Einspruch ein. Im Amtsgericht saß Clemens A. ohne Verteidiger vor Richter Thomas Mayer und erzählte seine Version des Geschehens. Er sei mit seinem Wagen im Stau vor geschlossenen Bahnschranken in Altenstadt gestanden, als er den Polizei-Stop der Streife zwar wahrgenommen, aber nicht auf sich bezogen habe. Er habe sich nur auf den Verkehr vor ihm konzentriert, als er plötzlich erschrocken sei. „Ein Polizist hat an meine Fensterscheibe gehämmert.“ Daraufhin folgte der 71-Jährige den Beamten in eine Einfahrt zur Kontrolle.

Dort verneinte er die Frage, ob er getrunken habe. Doch die Polizisten hätten nachgebohrt und ein zweites Mal, in einem heftigeren Ton, die gleiche Frage gestellt, so der Rentner. Sie fragten außerdem, ob er mit einem Alkoholtest einverstanden sei. „Nein“, lautete die Antwort. Das habe einen einen Hintergrund, erklärte der Rentner. Bei einer anderen Verkehrskontrolle habe er bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Beamter hätte unnötig Druck ausgeübt, in dem er „mit dem Knüppel spielerisch in die Hand schlug“, erinnert sich der Angeklagte.

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Auch in der jüngsten Kontrolle im Januar stieg sein Unmut, als ihn die Polizisten seiner Ansicht nach unnötiger Weise darum baten, das Fahrzeug zu verlassen. „Dann bin ich verärgert ausgestiegen. Die Beamten haben das Auto durchsucht und mir vorgehalten, dass die Ladung nicht richtig gesichert ist“, sagte der Angeklagte im Prozess. Die Belehrung der Polizisten hielt er jedoch für unangebracht, schließlich fahre er schon seit über 30 Jahren unfallfrei. Als dann einer der Polizisten zu seinem Kollegen meinte „Das ist wohl ein Unbelehrbarer. Mach du mal weiter“ und den Rentner nach Warndreieck, -weste und Verbandskasten fragte, seien die Emotionen hochgekocht.

Er habe gedacht, sie wollten ihm etwas anhängen, sagte der 71-Jährige. Das Wort mit F sei daraufhin zwar gefallen, jedoch nicht im sexuellen Sinne, sondern eher als Synonym für eine Art der Schikane. „Es war nicht als Beleidigung gedacht“, wiederholte der Angeklagte mehrmals.

Die Staatsanwältin fragte den Angeklagten, ob ihm nicht bewusst gewesen sei, dass das Wort falsch verstanden werden könne. Clemens A. aber verneinte: „Die Gossensprache ist sehr wohl unter Polizisten bekannt.“ Die Strafe, die die Staatsanwältin daraufhin forderte: 30 Tagessätze von je 20 Euro. Richter Mayer sprach den Rentner jedoch frei und erklärte, dass man dem Mann keine Beleidigung vorwerfen könne. Das Wort mit F falle in weitaus mehr Situationen als nur beim Geschlechtsverkehr. „Es kommt auf den Zusammenhang an“, sagte Mayer. So würden beispielsweise auch beim Poker Sätze fallen wie: „Den haben wir ganz nett gef …t“. Gemeint sei damit aber „wir haben ihn ganz schön runtergezogen“, so Mayer, der einräumte, dass das F-Worte aus dem Mund eines fast 72-Jährigen seltsam klingen würde. A. widersprach – nicht aber dem Freispruch.

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